Syrische Armee steht kurz vor Befreiung von Deir ez-Zor in Ostsyrien - USA starten eigene Offensive

Syrische Armee steht kurz vor Befreiung von Deir ez-Zor in Ostsyrien - USA starten eigene Offensive
Der gleichzeitige Vormarsch der syrischen Armee und der US-gestützten SDF auf Deir ez-Zor steigert die Gefahr einer Konfrontation. RT Deutsch sprach darüber mit Paul Antonopoulos, ex-Vize-Chefredakteur des Nachrichtenportals Al Masdar über die militärischen Implikationen.

von Ali Özkök

Die syrische Armee steht kurz vor der Eroberung der strategisch wichtigen ostsyrischen Stadt Deir ez-Zor, die vom "Islamischen Staat" belagert wird. Sollten die USA zusammen mit den "Demokratischen Kräften Syriens" (SDF) eine eigene Offensive auf die gleichnamige Provinz starten, dürfte das zu militärischen Zusammenstößen führen. RT Deutsch sprach mit Paul Antonopoulos, dem ehemaligen stellvertretenden Chefredakteur des Nachrichtenportals Al Masdar.

Hat die syrische Armee die Stadt Deir ez-Zor in Ostsyrien eingenommen?

Die syrischen Regierungstruppen haben Deir ez-Zor noch nicht befreit. Die syrische Armee und deren Verbündete sind fünf Kilometer von der Stadt entfernt, an deren westlichem Stadtrand die Militärbasis der 137. Brigade liegt.

Die russische Luftwaffe hat inzwischen damit begonnen, den "Islamischen Staat" in der Stadt aus der Luft zu bombardieren.

Warum ist eine Deir ez-Zor eine strategisch bedeutsame Stadt für die syrische Armee?

In den vergangenen vier Jahren wurde die Stadt durchgängig belagert. Die syrischen Truppen wurden komplett vom "Islamischen Staat" eingekreist. Trotzdem kapitulierten die Einheiten nicht. Neben der symbolischen Bedeutung für den Widerstand gegen den Terrorismus hatte die Militärbasis der syrischen Armee auch eine praktische Bedeutung. IS-Kräfte wurden in der Stadt gebunden. Auf diese Weise fehlten Einheiten der Terrormiliz an anderen Fronten in Syrien und Irak.

Die Anwesenheit von syrischen Regierungskräfte im Herzen des so genannten Kalifats stellte immer eine Bedrohung für den IS dar, der seine Territorien in Syrien und im Irak miteinander zu vereinen suchte.

Was bedeutet der Verlust der Stadt für den IS?

Deir ez-Zor ist der letzte Schritt bei der Befreiung von IS-kontrolliertem Territorium nach den Operationen in Mossul und Rakka. Die komplette Befreiung von Deir ez-Zor wird alle an einen Staat gemahnenden Strukturen des "Islamischen Staates" endgültig zerschlagen. Die Terrormiliz verliert damit insbesondere unter ihren Kämpfern ihre Legitimität.

Am Wochenende erklärte der US-General Townsend, dass die US-Armee die "Demokratischen Kräfte Syriens" bei einem Vorstoß in der Provinz Deir ez-Zor unterstützen wird. Wie bewerten Sie diese Aussagen, und glauben Sie, dass SDF-Operationen in der Provinz Spannungen mit der syrischen Armee auslösen könnten?

Obwohl der "Islamische Staat" ein gemeinsamer Feind der "Demokratischen Kräfte Syriens" und der syrischen Armee ist, wird ein Vormarsch der "Demokratischen Kräfte Syriens", die von den USA unterstützt werden, definitiv Spannungen in der Provinz Deir ez-Zor schaffen.

Sind diese Spannungen auch anderswo zu spüren?

Vor wenigen Tagen kam es zu Zusammenstößen zwischen Milizen, die den "Demokratischen Kräften Syriens" zugehören, auf der einen Seite und pro-syrischen Regierungsmilizen auf der anderen Seite in der nordsyrischen Stadt Kamischli. Die SDF umschließen die Regierungsgebiete. Spannungen in der Stadt sind ein ständiges Thema in der Provinz Hassakah.

Werden Russland und die USA die Operationen ihrer Verbündeten in der Region koordinieren?

Das ist unwahrscheinlich. Es gibt eine reale Möglichkeit, einmal mehr zu erleben, wie die US-geführte Anti-IS-Koalition "versehentlich" syrische Regierungskräfte bombardiert, die den IS bekämpfen. Ähnlich passierte dies ja vergangenes Jahr im September. US-angeführte Luftangriffe töteten damals mindestens 90 syrische Soldaten. Diese befanden sich zum Zeitpunkt des Angriffs in Operationen gegen den "Islamischen Staat" am Rande der Stadt Deir ez-Zor. Zusammengefasst: Jede US-geführte Aktivität in Syrien ohne Koordinierung mit Damaskus wird automatisch Spannungen lostreten.

Paul Antonopoulos war stellvertretender Chefredakteur des arabischen Nachrichtenportals Al Masdar. Heute arbeitet Antonopoulos als stellvertretender Chefredakteur beim Nachrichtenportal Fort Russ News.