Nahost: Iran und Hamas stellen offizielle Beziehungen wieder her

Nahost: Iran und Hamas stellen offizielle Beziehungen wieder her
Kämpfer der Hamas bereiten sich in einem Trainingscamp im Gazastreifen auf Gewaltakte gegen Israel vor.
Nach Ausbruch des Krieges in Syrien kam es zum Bruch zwischen der palästinensischen Hamas und dem Iran. Die Beziehungen seien nun vollständig wiederhergestellt, erklärte ein Hamas-Führer. Deren militärischer Arm hatte ohnehin nie mit Teheran gebrochen.

Der Iran und die palästinensische Hamas haben ihre Beziehungen wieder vollständig hergestellt. Das erklärte am Montag der Chef der Hamas im Gazastreifen, Jahia Sinwar. Der Mitbegründer der Essedin-al-Kassam-Brigaden, des bewaffneten Arms der Hamas, sagte dazu laut Reuters:

Die gegenwärtigen Beziehungen entwickeln sich und erreichen das Niveau der vergangenen Zeiten.

Er bezeichnete das Verhältnis zu Teheran als exzellent.

Iran ist der größte Unterstützer der Essedin-al-Kassam-Brigaden, in Form von Geld und Waffen.

In den vergangenen Jahren lagen die Beziehungen zwischen der Hamas und dem Iran größtenteils auf Eis. Grund für den Bruch war der Ausbruch des Krieges in Syrien. Nachdem Katar seine Botschaft in Damaskus geschlossen hatte, zog die Hamas nach und verlegte ihr Politbüro von der syrischen Hauptstadt nach Katar.

Syrienkonflikt als Belastungsprobe

Das Emirat ist einer der wichtigsten Finanziers der Hamas. Gleichzeitig unterstützte es die Aufständischen in Syrien bei ihrem Bemühen, Präsident Baschar al-Assad zu stürzen, der wiederum den Rückhalt Teherans genießt.

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Waren die Hamas und die libanesische Hisbollah in ihrem Widerstand gegen Israel enge Verbündete, kam es auch zwischen ihnen zum Bruch, weil die Hisbollah auf Seite Assads kämpft. Das missfiel der politischen Führung der Hamas, die ihre einstigen Weggefährten scharf kritisierte:

Hisbollahs Intervention in Syrien war ein schwerer Fehler, es wäre besser für sie gewesen, sich in diesem Konflikt nicht einzumischen. Dadurch hat sie einen Großteil ihrer Unterstützung im Volk eingebüßt. Viele Menschen zweifeln nun, ob es sich überhaupt um eine Partei des Widerstands handelt.

Die gesamte Exilführung der Hamas verließ daraufhin Anfang 2012 Syrien und kappte sämtliche Verbindungen zu Damaskus. Unter Berufung auf Diplomaten berichtet Reuters, dass der Iran daraufhin seine finanziellen Zuwendungen an die Hamas in den letzten Jahren erheblich reduziert habe. Trotz des Bruches seien allerdings weiter Gelder geflossen, allerdings nicht an die politischen Gremien der Hamas, sondern nur noch an den militärischen Flügel der Organisation.

Dissens innerhalb der Hamas

Eine Überraschung wäre das nicht, denn die Kassam-Brigaden hatten sich von der Erklärung des Politbüros der Hamas zumindest intern distanziert. "Wir haben uns dazu entschieden, das Bündnis mit der Hisbollah und dem Iran aufrechtzuerhalten, um Palästina durch den bewaffneten Kampf von der israelischen Besatzung zu befreien", zitierten arabische Medien aus einem Brief der Brigaden an ihre politische Führung. 

Dafür gab es einen pragmatischen Grund: Die Brigaden bezogen ihre Waffen aus dem Iran. Die arabischen Förderländer der Hamas beschränkten ihre Unterstützung auf finanzielle Hilfe, Waffen lieferten sie nicht. Darauf spielten auch die Kassam-Brigaden in ihrem Schreiben an, als sie erklärten, arabisches Geld habe "nicht dazu beigetragen, auch nur einen Zentimeter des von Israel besetzten Territoriums zu befreien".

Nicht nur im Grenzgebiet zum Libanon kämpft die syrische Armee an der Seite der von Teheran unterstützten Hisbollah. Israel will die wachsende Präsenz des Irans in seinem Nachbarland nicht hinnehmen.

Mit der Verlegung ihres Politbüros nach Katar hatte sich die Hamas innerhalb des palästinensischen Lagers allerdings isoliert. So erklärten die Al-Aqsa-Märtyrer-Brigaden der Fatah und der Islamische Dschihad zwar ihre Neutralität in Bezug auf den Konflikt in Syrien. Sie betonten zugleich aber auch, dass sie es nicht zum Bruch mit dem Iran und der Hisbollah kommen lassen werden - aus einem ähnlichen Motiv wie die Kassam-Brigaden.

Islamischer Dschihad: "Jeder weiß, dass der Iran uns finanziert"

Ein Sprecher des Islamischen Dschihads erklärte damals

Alle Waffen im Gaza-Streifen werden vom Iran geliefert, seien es die Waffen für den Islamischen Dschihad oder die Hamas. Diese hat wahrscheinlich noch mehr Waffen aus dem Iran bezogen als wir. Und jeder weiß, dass der Iran uns finanziert.

Die Al-Aqsa-Märtyrer-Brigaden positionierten sich ebenso gegen einen Bruch mit dem Iran und der Hisbollah. Letztere stünde – neben Iran und Syrien - an der Spitze jener drei Kräfte, die die Palästinenser mit Waffen versorgen, um den Widerstand gegen Israel zu stärken. "Also danke Hisbollah", heißt es in einer Erklärung der Brigaden.

Die Hisbollah selbst hatte auf die Vorwürfe der Hamas zurückhaltend reagiert, um den entstandenen Bruch mit der Palästinenserorganisation nicht noch weiter zu vertiefen. Sie beschwor lediglich die "Einheit des Widerstands" gegen Israel. Dieser dürfte nunmehr kaum noch etwas im Wege stehen. Denn der Hamas-Chef in Gaza repräsentiert die Linie der Kassam-Brigaden, die insgeheim nie mit Teheran und der Hisbollah gebrochen hatten.

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