Weniger Öl, mehr Strände: Saudi-Arabien will Tourismus zum zentralen Wirtschaftszweig ausbauen

Weniger Öl, mehr Strände: Saudi-Arabien will Tourismus zum zentralen Wirtschaftszweig ausbauen
Sieben Tage All-Inclusive plus Kaffeefahrt mit Besuch einer Live-Enthauptung? Die Ambitionen Saudi-Arabiens, sich ähnlich wie die Vereinigten Arabischen Emirate oder Oman dem weltlichen Tourismus zu öffnen, stoßen mancherorts noch auf Skepsis.
Saudi-Arabien will zum führenden Land im Bereich des weltlichen Tourismus werden und plant neben den gläubigen Muslimen, die ihren Hadsch absolvieren, auch Menschen anzulocken, die lediglich die Sonne und das Meer lieben.

Nach dem starken Abfall des Erdölpreises will die Führung des Königreichs eine Diversifikation der eigenen Wirtschaft durchführen. Neben dem Öl wollen die Saudis sich noch weitere Einnahmequellen erschließen, um ihr Staatsbudget von Rohstoffen unabhängiger zu machen.

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Die Behörden des Landes rechnen damit, durch den Ausbau des Wirtschaftsbereichs des Tourismus perspektivisch bis zu vier zusätzliche Milliarden US-Dollar für das Budget zu erwirtschaften. Doch dazu müssten bereits im Vorfeld groß angelegte Projekte in der Erholungsbranche realisiert werden. Doch die Umsetzung dieses ambitiösen Vorhabens ist mit mehreren Schwierigkeiten verbunden.

Bezüglich der Touristen könnten bereits Schwierigkeiten beim Erwerb von Visa auftreten, denn das Königreich hat eine für westliche Touristen ungewöhnliche Gesetzgebung. In Saudi-Arabien herrschen spezifische religiöse Vorschriften. Unter anderem müssen Frauen bei der Einreise in das Land einen männlichen Angehörigen oder Verwandten dabei haben.

Das Wegbleiben der Pilger

Die Pilgerfahrten von Muslimen aus aller Welt zum Hadsch oder zur Umra nach Saudi-Arabien ist eine der traditionellen Schlüsselfinanzquellen für die Wirtschaft des Nahostlandes. Jedes Jahr reisen Millionen Muslime nach Mekka und Medina.

Doch 2016 erreichte die Zahl der Hadsch-Pilger ein Rekordtief, bezogen auf die letzten zehn Jahre. Laut den Daten des saudischen Statistikamtes betrug deren Anzahl im Vorjahr 1,86 Millionen Menschen. Noch vor fünf Jahren, im Jahr 2012, besuchten noch 3,25 Millionen Pilger das Königreich.

Experten sind der Meinung, dass der Rückgang bei der Besucherzahl auch mit den wirtschaftlichen Schwierigkeiten in den Heimatländern der Pilger verbunden ist. Als ein Beispiel für diese Probleme wird die Entwertung der jeweiligen Währung gegenüber dem saudischen Riyal genannt.

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Diversifizierung der Wirtschaft notwendig

Nicht nur der Rückgang des Erdölpreises, sondern auch das Wegbleiben der Hadsch-Pilger brachte die Führung in Riad dazu, über eine Diversifizierung ihrer Wirtschaft und die Loslösung von der Rohstoffabhängigkeit nachzudenken.

Es ist kein Geheimnis, dass die Einnahmen Saudi-Arabiens durch den Erdölexport 87 Prozent des Staatshaushaltes und 42 Prozent des Bruttoinlandsprodukts des Königreichs ausmachen. Nach Angaben der Weltbank hat sich das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts des Landes deutlich verlangsamt. Im Jahr 2014 lag es noch bei 3,6 Prozent, 2016 betrug es jedoch nur noch ein Prozent, was ein Rekordtief bezogen auf die letzten sechs Jahre bedeutete.

Um den Verlusten entgegenzuwirken, plant das staatliche Erdölunternehmen Saudi Aramco für das nächste Jahr den Verkauf von fünf Prozent seiner Aktien, was zur größten Erstausgabe während eines Börsenganges werden könnte. Experten des Informationsdienstleistungsunternehmens Bloomberg merkten an, dass Saudi-Arabien den Gesamtwert der Firma auf zwei Billionen US-Dollar schätzt.

Taucherin im Roten Meer (Symbolfoto).

Tourismus für alle

Riad hat nun ein Projekt zur Einrichtung einer Tourismuszone an der Küste des Roten Meeres verkündet. Laut Bloomberg wird sich der Kurort über 34.000 Quadratkilometer und 50 Inseln erstrecken. Dorthin sollen "reiche Abenteurer aus allen Ecken der Erde" gelockt werden, heißt es in einer offiziellen Erklärung der Regierung.

Das geplante Projekt soll in einer freien Touristenzone aufgezogen werden, in die das Königreich weltliche Touristen unabhängig von ihrer Religion locken möchte. Es soll gemeinsam durch den Staatsfonds und ausländische Unternehmen erarbeitet und finanziert werden. Beobachter erwarten, dass die Realisierung des Projektes im Jahr 2019 beginnt und die dafür notwendige Infrastruktur bis 2022 eingerichtet sein soll. Das Projekt ist ein klares Signal an Ägypten und die Vereinten Arabischen Emirate, dass das saudische Königreich mit diesen Nahoststaaten im Bereich des Tourismus in Konkurrenz treten will.

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Experten sind der Meinung, dass es zu früh sei, um den Plänen Riads allzu große Vorschusslorbeeren zuzugestehen. Saudi-Arabien wurde bereits als Benefiziar des religiösen Tourismus bekannt, der dem Königreich zusätzliche 25 Milliarden US-Dollar pro Jahr einbringt und nach dem Erdölexport die zweitgrößte Einnahmequelle darstellt, erklärt ein Experte des Nahost-Instituts Subair Ikbal. Dieser geht davon aus, dass, wenn man die Umstände und die Anforderungen betrachte, sich der so genannte weltliche Tourismus sich in den nächsten 15 Jahren gut entwickeln werde.

Gleichwohl gibt der Tourismusexperte für die arabische Region, Georgi Leontiew, zu bedenken:

Dass das Land zu einem Konkurrenten Ägyptens, Omans oder der Emirate wird, würde ich nicht sagen, weil es sehr viele Faktoren im Bereich der Konkurrenz, der Religion und der Außenpolitik gibt, die viele Fragen aufwerfen. Aber dennoch bleibt das Projekt interessant. Bisher gab es keinen [weltlichen] Tourismus in Saudi-Arabien und der Bereich muss von Grund auf geschaffen werden. Bisher gab es in diesem Land keine Kategorie eines Touristenvisums.