Katars Gastarbeiter und deren Familien in der Heimat tragen Hauptlast der arabischen Blockade

Katars Gastarbeiter und deren Familien in der Heimat tragen Hauptlast der arabischen Blockade
Katars Gastarbeiter müssen Hauptlast der arabischen Blockade tragen.
Das anhaltende arabische Embargo gegen das in Ungnade gefallene Golfemirat hat sich besonders negativ auf die Situation der ausländischen Arbeiter in Katar ausgewirkt. Dabei benötigt Doha diese dringend mit Blick auf die FIFA-WM 2022.

Saudi-Arabien, Ägypten, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate blockieren seit Juni die Grenze zu Katar und haben ein Embargo verhängt. Zuvor hatten sie das Land der Unterstützung des Terrorismus beschuldigt. Infolge der Blockade sieht sich Katar gezwungen, Schiffe und Flugzeuge zu deutlich höheren Preisen zu chartern, um notwendige Güter von Nahrungsmitteln bis hin zu Baumaterialien für die Stadien zur Fußball-WM zu importieren.

Durch die Versorgungsengpässe sind jedoch die Preise auf alles im Land stark angestiegen, was das ärmste Segment der Bevölkerung, die Gastarbeiter aus Ländern wie Indien und Nepal bislang am härtesten traf.

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Neunzig Prozent der 2,7 Millionen Einwohner von Katar sind Migranten. Nicht arabischstämmige Ausländer machen die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung des Landes aus. Inder stellen darunter die größte Gemeinde und zählten ungefähr 650.000 Angehörige im Jahr 2017. Im Jahr 2004 hatten sich noch weniger als 750.000 Migranten im Land befunden.

Katarische Bauern flohen aus Saudi-Arabien und ließen ihre Arbeiter zurück

Wanderarbeiter sind besonders wegen des in Katar geltenden Arbeits-Sponsoring-Systems Kafala gefährdet, unter die Räder zu kommen, denn sie sind in Bezug auf Visa, Unterkunft und die Erlaubnis der Ein- und Ausreise von ihren Arbeitgebern abhängig.

Human Rights Watch berichtete, dass Migranten, die auf katarischen Bauernhöfen in Saudi-Arabien beschäftigt sind, in dem Land festsitzen, da ihre Chefs im Juni nach Katar geflohen waren. Die südasiatischen Arbeiter bekommen nun keinen Lohn mehr, haben keinen Zugang zu Nahrung und Wasser und keine Ausreisemöglichkeit.

Während Katar insgesamt wegen seiner Gasressourcen reich genug ist, um notfalls auch jahrelang unter Sanktionen leben zu können, kann das Embargo wesentlich verschlechterte Lebensbedingungen für die Migranten nach sich ziehen.

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Die Auswirkungen der Krise könnten sich auch bis nach Südasien, auf die Philippinen und nach Ostafrika fortpflanzen, wo die Familien der Migranten stark von den Geldüberweisungen abhängen", sagte Mustafa Qadri, ein Forscher zum Arbeitsmarkt der Golfstaaten, gegenüber Reuters.

Katar will mehr Visa für ausländische Arbeitskräfte stornieren

Auch andere Arbeiter haben sich über die Auswirkungen des Embargos beschwert. So erfuhr ein Kranfahrer aus Bangladesch von seinem Arbeitgeber, dass die Löhne nur verzögert ausgezahlt werden könnten, da dem Bauunternehmen der Stahl ausgeht, der zuvor aus den Vereinigten Arabischen Emirate importiert werden konnte.

Während sich Berichte über Tausende von Migranten häufen, die das Land verlassen, verkündete Katar am vergangenen Mittwoch, dass es mehr Visa für ausländische Arbeitnehmer stornieren wird.