Streit um russische Verluste in Syrien: Verteidigungsministerium wirft Reuters Lüge vor

Streit um russische Verluste in Syrien: Verteidigungsministerium wirft Reuters Lüge vor
Die Angehörige der russischen Streitkräfte am 9. Mai 2017 während der feierlichen Parade zum Tag des Sieges.
Der Streit um russische Verluste zwischen Reuters und dem russischen Verteidigungsministerium hält bereits seit Monaten an. Die britische Nachrichtenagentur misstraut den offiziellen Statistiken und betreibt eigene Recherchen. Das Ministerium sieht darin politisch motiviertes Schlechtreden.

Seit Beginn seines Militäreinsatzes in Syrien wollte Russland durch Transparenz und Rechtskonformität seines Einsatzes punkten. Als die ersten Verluststatistiken publik wurden, begannen einige Medien, diese zu hinterfragen. So geht Reuters vom Herunterspielen der sensiblen Daten vonseiten des Verteidigungsministeriums aus. Bei eigenen Recherchen stützt sich die Nachrichtenagentur auf Angaben nicht namentlich genannter Bekannter angeblich getöteter russischer Militärangehöriger.

Im heutigen Reuters-Beitrag „Exklusiv: Die Verluste Russlands in Syrien sind drastisch gestiegen“ geht es um mindestens 40 Russen, die in Syrien seit Anfang des Jahres ums Leben gekommen sind, davon seien 17 Angehörige der regulären Streitkräfte und 21 Mitglieder der privaten Militärunternehmen. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau sind in diesem Zeitraum zehn russische Armeeangehörige ums Leben gekommen.

Die Regierung in Moskau reagierte prompt. Die Reuters-Meldung sei kein Grund, die amtlichen Angaben zu überprüfen, sagte Peskow in einem Gespräch mit Journalisten. Das Verteidigungsministerium sei die einzige offizielle Informationsquelle zu den Verlusten in Syrien. Peskow räumte jedoch ein, dass sich in Syrien russische Freiwillige aufhalten könnten, die keinen Bezug zum Verteidigungsministerium haben.

Das Verteidigungsministerium ging auf die Meldung ausführlicher ein. Der Pressesprecher des Amtes, General-Oberst Igor Konaschenkow, merkte an, dass die britische Agentur mit allen Mitteln versucht, die russische Operation in Syrien zu diskreditieren, auch mithilfe der Angaben über „geheime Verluste“.

Wieder Gerüchte?

Als Quellen fungieren wieder irgendwelche Gerüchte, Angaben aus sozialen Netzwerken und erfundene Gespräche mit angeblich ,eingeschüchterten', anonymen Freunden und Verwandten“, konstatierte er.

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Die Geschichte über Kontrakt-Militärs aus einer „geheimnisvollen“ Organisation sei ein Mythos. Die Auftraggeber solcher Publikationen seien bekannt. Deshalb

gibt es keine „geheimen Begräbnisse für russische Militärangehörige, die in Syrien ums Leben gekommen sind, gab es nicht und wird es nicht geben. Versuche, private Personen, die mit russischen Streitkräften und der Operation in Syrien nichts zu tun haben, für sie auszugeben, sind von Anfang bis Ende lügnerisch."

Doch es blieb nicht nur bei Dementi. Konaschenkow wies ausdrücklich darauf hin, dass es einen großen Unterschied zwischen der russischen und britischen Militärpräsenz in Syrien gibt. Die Briten seien gesetzwidrig da, die Russen hingegen riskierten ihr Leben bei den Bemühungen, die streitenden Parteien zu versöhnen und humanitäre Hilfe zu liefern.

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Spekulationen über den Tod russischer Militärspezialisten vonseiten Reuters sei deswegen ein Hohn und hätte unsererseits nur „Verachtung“ verdient.

Konaschenkow erinnerte an die Reuters-Meldungen über die massenhafte Opfer wegen russischer Bombardements in Syrien.

Es ist schwer, die Hysterie von Reuters wegen angeblichen massenhaften Opfern russischer Luftwaffe in Aleppo Anfang 2017 zu vergessen, als keiner unserer Flugzeuge nicht einmal in der Nähe der Stadt war. Genauso die „Taubheit“ der Agentur zu den Zeugnissen der Gräueltaten der Terroristen in Aleppo und jetzige „Blindheit“ zu massenhaften zivilen Opfern der Bombardements vonseiten der US-Koalition in Rakka und Mosul, sagte Konaschenkow."

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Was ist mit Freiwilligen? 

Das Misstrauen gegenüber Reuters angesichts ihrer bisherigen Berichterstattung zum Krieg in Syrien ist völlig nachvollziehbar. Von der Verwicklung Großbritanniens in den Konflikt abgesehen ist für die russische Reuters-Redaktion die innerpolitische Dimension des Themas über Verluste wichtig. Im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen in Russland seien russische Medien an positiven Meldungen aus Syrien interessiert, schreibt Reuters in seiner umstrittenen Meldung.  

Nichtsdestotrotz: Russische Behördenvertreter ließen die Frage offen, ob in Syrien in der Tat auch andere bewaffnete Menschen im Auftrag z. B. russischer Unternehmen tätig sind. Die Daten zu den Verlusten der russischen Streitkräfte hat der russische Präsident drei Monaten vor dem Beginn der Syrien-Operation im September 2015 unter Verschluss gestellt.

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