Medienbericht: Trump beendete CIA-Programm in Syrien nach Anblick eines Enthauptungs-Videos

Medienbericht: Trump beendete CIA-Programm in Syrien nach Anblick eines Enthauptungs-Videos
September 2016 in Nordsyrien: Kämpfer von Nour al-Din al-Zenki drängen sich auf einem Pick-Up. Auf der Ladefläche eines solchen Fahrzeugs hatten sie zwei Monate zuvor ein Kind geköpft.
Nach dem Anblick eines Videos soll US-Präsident Donald Trump den Entschluss gefasst haben, das CIA-Programm zur Unterstützung der Aufständischen in Syrien einzustellen. Die Aufnahme zeigt die grausame Hinrichtung eines Kindes. Die Mörder erhielten Waffen und Gelder aus den USA.

Wie The Weekly Standard am Dienstag berichtete, gab es einen entscheidenden Moment, der US-Präsident Donald Trump dazu veranlasste, das CIA-Programm zur Unterstützung von Regierungsgegnern in Syrien einzustellen

Anfang dieses Jahres wurde Präsident Donald Trump ein verstörendes Video syrischer Rebellen gezeigt, die ein Kind in der Nähe der Stadt Aleppo köpften. In den Medien hielt sich die Aufregung in Grenzen, da die dort zu sehenden Kämpfer der Nour al-Din al-Zenki-Bewegung angehörten, einer Gruppe, die von der CIA als Teil ihres Rebellen-Hilfsprogramms unterstützt wurde.

Es ist eine gespenstische Aufnahme. Mit einem Grinsen im Gesicht umzingeln fünf bärtige Männer einen Jungen, der auf der Ladefläche eines Pick-Ups sitzt. Einer von ihnen hält den Kopf des Jungen fest und zieht an seinem Schopf, während ein anderer ihm Ohrfeigen verpasst. Dann nimmt einer der Männer ein Messer und trennt den Kopf vom Körper des Jungen, um diesen anschließend wie eine Trophäe in die Luft zu halten. Es ist eine Szene, die an die Horrorvideos des Islamischen Staates erinnert, nur war es in diesem Fall nicht das Werk der Männer von Abu Bakr al-Baghdadi. Die Mörder zählen eigentlich zu den guten Jungs: Sie sind unsere Verbündeten.

Bildquelle: FSA Maghawir

Die Bluttat ereignete sich im Sommer vergangenen Jahres. Die vermeintlich moderate al-Zenki-Gruppe erhielt im Rahmen des CIA-Programms Gelder und Waffen aus den USA, darunter moderne Panzerabwehrraketen.

Laut The Weekly Standard habe Trump seine Geheimdienstberater zu Rede gestellt, wie es sein könne, dass die CIA Gruppen unterstützt, die Kinder köpfen und damit anschließend im Internet prahlen. Die Antworten sollen nicht zufriedenstellend ausgefallen sein. 

Nachdem er weitere besorgniserregende Details über den Schattenkrieg der CIA in Syrien erfuhr – einschließlich, dass US-gestützte Rebellen oftmals an der Seite von Extremisten kämpfen, darunter der syrische Al-Kaida-Ableger – entschied sich der Präsident, das Programm komplett einzustellen.

Mehr zum Thema:  CIA-Programm zur Förderung des Terrors in Syrien: Offiziell Hunderttausend Tote und Verletzte

"Ein Vorfall hier und da"

Das US-Außenministerium konnte sich seinerzeit nicht zu einer Distanzierung von den al-Zenki-Rebellen durchringen, nachdem die Enthauptung des Kindes bekannt geworden war. Zunächst wollte der Sprecher des Ministeriums, Mark Toner, den Vorfall nicht bestätigen – „wir bemühen uns um mehr Informationen“ – obwohl dieser durch das von der Terrorgruppe selbst erstellte Video zweifelsfrei belegt war. Was Toner anschließend indirekt eingestand, als er zur Entlastung der Terrorgruppe sagte, diese habe nach internen Ermittlungen die Tatbeteiligten festgenommen. Über eine „Pause“ bei den Waffenlieferungen werde man nachdenken, sollten die Berichte über die brutale Hinrichtung des Kindes zutreffend sein, erklärte Toner abschließend.

Auf ihrem inzwischen gesperrten Twitter-Account hatte das Generalkommando von al-Zenki zuvor verkündet, dass es sich bei der Tat um einen „individuellen Fehler“ gehandelt habe, der „weder unsere typische Praxis noch unsere allgemeinen Prinzipien“ widerspiegele. Die daran Beteiligten seien festgenommen worden - tatsächlich konnten die in dem Video gezeigten Männer aber noch in später angefertigten Aufnahmen der Terrorgruppe identifiziert werden.

In ihrer Erklärung bekannte sich al-Zenki außerdem zu den „allgemeinen Menschenrechten“ – Wochen später setzte sie gegen die Bevölkerung Aleppos Chemiewaffen ein. Damaliger Kommentar des Weißen Hauses: „Ein Zwischenfall hier und dort macht einen noch nicht zur Terrorgruppe“.

Das Webportal Zero Hedge ruft in Erinnerung, dass nicht alleine Washington die al-Zenki-Terroristen unterstützt hatte. Die Gruppe wurde auch von westlichen Medien und Thinktanks als vorbildliches Beispiel für eine moderate Kampfgruppe gepriesen. Nach der Enthauptung des Jungen gerieten deren Unterstützer jedoch in eine argumentative Bredouille:

Einer der größten britischen Sender – Channel 4 – versuchte sogar, seine Online-Inhalte zu löschen, in denen die Kindesmörder als ‚moderat‘ und heroisch dargestellt wurden, nachdem das Video an die Öffentlichkeit gelangte.

Ein eifriger Fürsprecher al-Zenkis wollte aber auch nach deren Untaten nicht auf Distanz gehen. Die Rede ist von Charles Lister, der bestens in der Welt der US-Thinktanks vernetzt ist und häufig in westlichen – auch deutschen – Medien als „Terrorexperte“ zitiert wird. In einem Tweet äußerte er sein Wohlwollen über einen Artikel, der für die weitere Unterstützung der USA für al-Zenki warb – trotz der Enthauptung des Kindes.

Das Motto lautete: „Die USA können sich in Syrien die Hände sauber halten, oder aber etwas auf die Reihe kriegen.“ Dank Donald Trump müssen sich die al-Zenki-Terroristen künftig die Hände wohl ohne US-amerikanische Hilfe schmutzig machen.

Mehr zum Thema:  Fünf geleakte Geheimdokumente zu Syrien, die man gelesen haben muss

ForumVostok