„Wir werden einmarschieren“ – Türkei empört nach US-Tipps für Umbennung von PKK-nahe YPG

„Wir werden einmarschieren“ – Türkei empört nach US-Tipps für Umbennung von PKK-nahe YPG
Bildquelle: The Aspen Institute
Die USA haben ihren Hauptverbündeten im syrischen Krieg dazu gedrängt, sich wegen Druck aus der Türkei umzubenennen. Aus der YPG-Miliz, die der PKK nahesteht, wurden „Demokratische Kräfte Syriens“. RT Deutsch sprach mit hochrangigen Politikern und Analysten aus der Türkei.

von Ali Özkök

US-General Raymond Thomas, der das Kommando für Spezialkräfte (SOCOM) der USA anführt, sagte bei einer Sicherheitsveranstaltung am Freitag in Aspen Colorado, dass den kurdischen „Volksverteidigungseinheiten“, kurz YPG, dazu geraten wurde, den Namen der Organisation zu ändern. Das würde die benachbarte Türkei auf Distanz halten. Für Ankara ist klar, dass die YPG den syrischen Ableger der PKK darstellt, die in der Türkei als terroristische Vereinigung gelistet wird.

Der Parlamentsabgeordnete der türkischen Regierungspartei AKP Metin Külünk kritisierte auf Anfrage von RT Deutsch die US-Kooperation mit der YPG scharf. Külünk, der lange Vize-Vorsitzender der Abteilung für ausländische Beziehungen in der AKP war, sagte an die Adresse des US-Militärs:

Die Türkei wird niemals akzeptieren, dass über die PKK oder YPG ein Korridor an ihrer Grenze aufgebaut wird. Das ist eine Gefahr für die staatliche Integrität der Türkei.“

Der ehemalige Premier-Minister des Irak, Nuri al-Maliki, hier bei einem Interview mit Reuters in Bagdad, 12.  Januar 2014.

Laut Thomas nannte sich die PKK-nahe YPG kurze Zeit später tatsächlich um. Fortan hieß ihre Schirmorganisation „Demokratische Kräfte Syriens“, kurz SDF. Über diesen Schirm laufen inzwischen alle militärischen und administrativen Aktivitäten der YPG.

RT Deutsch sprach mit einem hochrangigen Analysten des regierungsnahen politischen Forschungsinstitut SETA in der Türkei. Can Acun, der die türkische Regierung im Raum Naher Osten berät, erklärte über den Namenswechsel:

Das ist für uns ein bekannter Fakt. Die USA wollen die syrische PKK, die sich vor Ort YPG nennt, maskieren, damit sie die Organisation instrumentalisieren können.“

Empört über die Offenheit des NATO-Alliierten merkte er an, dass sich die USA „auf diese Weise lediglich selbst entlarven“. Der hochrangige Regierungsanalyst warnte Washington:

Die Türkei wird gegen die YPG in Syrien militärisch intervenieren, wenn die richtige Zeit kommt. Die USA werden sich entscheiden müssen. Sind sie mit der Türkei oder der YPG. Die Beziehungen werden zerbrechen, wenn sich die USA der Türkei in den Weg stellen.“

Der ehemalige Offizier in einer türkischen Spezialeinheit Abdullah Agar sprach mit RT Deutsch und zeichnete ein pessimistisches Bild über die Zukunft Syriens und die Region. Agar, der in türkischen Medien als Insider für militärische Fragen zu Rate gezogen wird, sagte:

Die westliche Welt hat mit der Bewaffnung des syrischen PKK-Ablegers YPG Syrien und der Region großen Schaden angetan. Der Westen löst damit eine riesen Chaoswelle im Nahen Osten aus. Das wird nicht nur die Kurden betreffen, sondern auch alle anderen Völker. Die PKK und ihre Untergruppen entwickeln mit Hilfe des Westens eine massive destabilisierende Gefahr. Es werden noch große Probleme entstehen.“

Besonders pikant an den Aussagen ist, bei der Nutzungsempfehlung für „demokratisch“ im neuen Kampfnamen musste General Thomas schmunzeln. Auch die Zuschauer amüsierten sich nach den Kommentaren von Thomas.

Der Vorsitzende des Politikinstituts „Türkei im 21. Jahrhundert“ Cahit Dilek wies RT Deutsch darauf hin, dass das Gelächter während der Thomas Aussagen als Provokation in der Türkei aufgenommen wird. Seit 2015 führt der türkische Staat nach einem kurzen Waffenstillstand wieder einen Krieg mit der PKK im Südosten der Türkei. Regelmäßig bombardiert die türkische Luftwaffe die YPG im Irak. Im mehr als 30-jährigen Konflikt verloren rund 40.000 Menschen ihr Leben.

Der Namenswechsel war notwendig, um die notwendige internationale Legitimität zu erhalten. Die Mutterorganisation PKK wird von den USA, der EU und der Türkei als terroristische Vereinigung gelistet. Die YPG wird in Syrien inzwischen als Handlanger der USA wahrgenommen. Ihr wird jeglicher Anspruch als vollwertiger Akteur am Tisch um die Zukunft Syriens von lokalen Akteuren aller Lager größtenteils verwehrt. Mit dem Namen „Demokratische Kräfte Syriensc könnte der US-Sondergesandte zu Syrien Brett McGurk die YPG in diese Zukunftsdiskussionen einbinden, sagte General Thomas und zählte die syrischen Friedensgespräche in Genf und Astana auf.

„Sie wollten einen Sitz am Tisch", sagte Thomas „und weil sie als PKK gebrandmarkt wurden, konnten sie niemals an diesen Tisch kommen".

RT-Deutsch sprach mit dem Politikwissenschaftler Nicholas Heras, der für das einflussreiche US-Zentrum für Neue Amerikanische Sicherheit (CNAS) und die Jamestown Foundation tätig ist.

„Man kann nicht zu [PKK-Führer] Abdullah Öcalan gehören und eine Chance auf Legitimität haben im Konstrukt, in dem wir drin sind“, sagte Thomas laut der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu.

Dilek sagte, dass die Türkei zu gutgläubig war. Die Türkei kaufte die Verschleierungstaktik mit der YPG den USA ab. Nachdem sich die USA in Rakka für die YPG und nicht die türkische Armee entschieden hat, kommt heute das Geständnis der USA, fügte der Sicherheitsanalyst hinzu. Das Timing des Geständnisses beweise, dass sich die YPG in Syrien etabliert hat. Die Frage über die Rolle der YPG in Syrien habe sich erledigt, die Türkei ist zu spät.

Die USA betrachten die „Demokratischen Kräfte Syriens“ als verlässlichsten Partner im syrischen Konflikt. Die Gruppe wird mit Waffen und US-Soldaten unterstützt. Gegenwärtig versucht die Kurden-Miliz die vom „Islamischen Staat“ gehaltene Stadt Rakka einzunehmen. Die USA unterhalten mindestens 8 Militärbasen und zwei Luftwaffenstützpunkte auf dem Gebiet der Kurden-Miliz.

ForumVostok