Israelischer Vertreter droht mit Militärschlägen gegen Iran und Hisbollah in Syrien

Israelischer Vertreter droht mit Militärschlägen gegen Iran und Hisbollah in Syrien
An der Grenze zu Syrien hat Israel in dem von ihm kontrollierten Teil der Golanhöhen mobile Artillerie aufgefahren. Wiederholt nahm die israelische Armee in der Vergangenheit von dort aus Stellungen der syrischen Armee unter Beschuss, in denen man Aktivitäten der Hisbollah vermutete.
Israel fühlt sich von der militärischen Präsenz Irans und der Hisbollah im Nachbarland Syrien bedroht. Der ehemalige Vorsitzende des Nationalen Sicherheitsrates droht mit Militärschlägen. Der Syrien-Krieg dürfe nicht mit dem Sieg der Verbündeten Assads enden.

Der ehemalige Vorsitzende des Nationalen Sicherheitsrates Israels, Yaakov Amidror, droht damit, Militärstützpunkte Irans und der Hisbollah in Syrien anzugreifen. Israel werde eine dauerhafte Präsenz des persischen Landes und der schiitischen Miliz in seinem Nachbarland nicht dulden. "Jeder Versuch, eine permanente Infrastruktur in Syrien aufzubauen, könnte zu einer Intervention der israelischen Armee führen", sagte Amidror gegenüber der Jerusalem Post.

Israel habe ein Interesse an einem Ende des Blutvergießens in Syrien, betont der ehemalige Leiter der analytischen Abteilung des israelischen Militärgeheimdienstes.

Aber der Preis dafür kann nicht sein, dass wir Iran und die Hisbollah an unseren Grenzen stehen haben.

Amidror: Kriegsende nicht um jeden Preis

Laut Amidror strebt Israel ein dauerhaftes Ende des Krieges nicht um jeden Preis an:

Wir werden nicht zulassen, dass die Kräfte Irans und der Hisbollah siegreich aus diesem brutalen Krieg hervorgehen.

Eine Niederlage der Hisbollah und Irans als neben Russland wichtigster Verbündete der syrischen Regierung käme jedoch deren eigener Niederlage gleich. Kritiker behaupten deshalb, Amidrors Ankündigung stelle ein Bekenntnis dar, den Krieg in Syrien bis zum Sturz des Präsidenten Baschar al-Assads ausgefochten sehen zu wollen. In der Vergangenheit hatten Aussagen einiger israelischer Think-Tank-Vertreter für Irritationen gesorgt, die den Eindruck erweckten, Israel sähe Damaskus lieber von Al-Kaida-Terroristen regiert als von der Hisbollah gestützt.

Laut Amidror habe sich Israel bisher aus dem Konflikt in Syrien herausrausgehalten und sei nur eingeschritten, um Waffenlieferungen an die Hisbollah zu unterbinden. Regierungstreue syrische Kräfte sehen in Israel jedoch keinen neutralen Akteur im Syrien-Krieg. So unterstütze Jerusalem deren Berichten zufolge seit Jahren islamistische Aufständische in dem von ihm kontrollierten Teil der Golanhöhen, die zum Teil laut UN sogar mit Al-Kaida verbündet wären. Die Angriffe Israels auf syrische Armeeeinrichtungen seien im Ergebnis einer Unterstützung der dort kämpfenden Terroristen gleichgekommen. Die syrische Armee habe bislang auf Vergeltungsschläge verzichtet. 

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Israel weiter gegen Waffenstillstandsabkommen

Die Golanhöhen befinden sich im Südwesten Syriens und grenzen neben Israel noch an Jordanien. Auf dem G20-Gipfel in Hamburg hatten US-Präsident Donald Trump und sein russischer Amtskollege Wladimir Putin einen Waffenstillstand für den Südwesten Syriens ausgehandelt. Jerusalem lehnt das Friedensabkommen bislang in seiner derzeitigen Form ab und erklärte, sich nicht daran gebunden zu fühlen, soweit es nicht die israelischen Sicherheitsinteressen berücksichtige. Laut Premierminister Benjamin Netanjahu lasse das Abkommen Israels "größte Albträume" wahr werden.

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Russlands Außenminister Sergej Lawrow wies den Vorwurf zurück, Israels Interessen seien nicht berücksichtigt worden.

Ich kann garantieren, dass die amerikanische Seite und wir unser Bestes getan haben, um Israels Sicherheitsinteressen vollständig zu berücksichtigen,"

erklärte Russlands Chefdiplomat. An der Vorbereitung des Waffenstillstands seien alle betroffenen Seiten beteiligt gewesen, einschließlich Israel und auch Jordanien.

"Israel verbirgt seine Motive nicht: Es fürchtet die Stärkung der iranischen Position in der Region und außerdem, so scheint es, verfügt Israel nur über begrenzte Optionen, selbst gegen Assad vorzugehen", sagte der Vorsitzende des außenpolitischen Ausschusses des russischen Parlaments, Konstantin Kosachew, gegenüber der russischen Nachrichtenagentur TASS.

Es wird jedoch niemand diesen wichtigen Vertragsabschluss, der Hoffnungen auf einen Durchbruch in der Syrien-Krise macht, widerrufen, nur weil Israel Mutmaßungen über Irans hypothetische Absichten anstellt.

Es wäre vernünftiger für Israel, Wege zu finden, sich mit dem Abkommen zu arrangieren und von dem Sieg über den "Islamischen Staat" zu profitieren, als die Einigung weiter zu untergraben, so Kosachew.

Jerusalem hat allerdings nach wie vor Bedenken, wenn es darum geht, sich mit dem von Washington und Moskau vermittelten Ende der Kämpfe in der syrisch-israelischen Grenzregion abzufinden.

Am Ende des Tages steht es in unserer Verantwortung, nicht in der Verantwortung der Amerikaner oder der Russen, unsere Sicherheit zu garantieren, und wir werden dafür die notwendigen Maßnahmen ergreifen",

erklärte Amidror.

Er bezeichnete das Atomabkommen mit Iran als "Quelle aller Probleme", da es Teheran Legitimität verschaffe und dazu beitrage, dessen Position in der Region zu stärken. "Es ist noch viel gefährlicher als wir dachten, als es unterzeichnet wurde."

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