Washington Post: Doch nicht Russland - Arabische Emirate führten Hackerangriff gegen Katar aus

Washington Post: Doch nicht Russland - Arabische Emirate führten Hackerangriff gegen Katar aus
Symbolbild
US-Geheimdienstkreise sollen einen Bericht der Washington Post bestätigt haben, wonach nicht Russland hinter den Hackerangriffen gegen Katar steht, sondern die Vereinigten Arabischen Emirate. Westliche Medien hatten zuvor die Cyber-Angriffe Russland zugeschrieben.

Die Monarchie der Vereinigten Arabischen Emirate führte demnach den berüchtigten Hackerangriff gegen die Nachrichtenagentur QNA am 24. Mai durch. Das geht aus einem Report der US-amerikanischen Tageszeitung Washington Post hervor. Der Artikel beruft sich auf Aussagen von US-Geheimdienstbeamten, die wegen des "sensiblen Charakters" der Angelegenheit namentlich nicht genannt werden wollten.

Die Beweise, von denen in den Beitrag die Rede war, zeigen auf, dass hochrangige emiratische Beamte einen Cyberangriff gegen Katar diskutierten. Der Angriff sollte dem Emir von Katar - so wie dies offenbar später auch tatsächlich erfolgt war - verfälschte Stellungnahmen in den Mund legen. Die staatliche Nachrichtenagentur QNA sollte diese anschließend als offizielle Erklärungen in den sozialen Netzwerken verbreiten.

Die manipulierten Presseaussagen hatten den Iran, die palästinensische Hamas und die pro-iranische libanesische Hisbollah zum Thema. Das Ergebnis war eine außenpolitische Konfrontation mit arabischen Staaten, die sich darüber empörten und bemerkenswert schnell unter dem diplomatischen Schirm Saudi-Arabiens gegen Doha versammelten. Die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Ägypten und Saudi-Arabien beschlossen Anfang Juni die diplomatische und wirtschaftliche Isolation Katars.

Katar behauptete schon nach einer Stunde Hackerangriff

Katar fühlt sich wiederum vom Saudi-Block zu Unrecht angegriffen und hintergangen. Doha fürchtet, dass Riad mithilfe weiterer arabischer Verbündeten die innen- und außenpolitische Autonomie des Emirats auf der Arabischen Halbinsel beenden will.

Die Saudi-geführte Koalition hat Katar sogar die Option entzogen, sich politisch zu erklären. Mehrere arabische Staaten verboten auch katarische Medien, obwohl die Regierung in Doha nur eine Stunde nach den Veröffentlichungen erklärt hatte, dass QNA gehackt wurde.

Der Washington-Post-Bericht führte weiter aus, es bleibe "unklar", ob der emiratische Hackauftrag auch an emiratische Hacker ging oder dieser an ausländische Hacker ausgelagert wurde.

Yousef Al Otaiba, der emiratische Botschafter zu Washington, reagierte auf den Washington Post-Report empört. Er nannte die Berichterstattung "falsch". Sein Land spielte keine Rolle bei den Hackangriffen, verkündete Al Otaiba.

Stattdessen erneuerte der Botschafter seinen Vorwurf an Katar, "Extremisten, die von den Taliban, Hamas bis zu Gaddafi reichen, zu finanzieren und zu unterstützen". Auch der emiratische Außenminister Anwar Qarqash wies den WP-Bericht in einer Rede auf einer Veranstaltung in London zurück, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters.

Der neue Bericht leitet auch einen Tonwechsel in den Mainstream-Medien der Vereinigten Staaten ein. Zuvor hatten noch im Juni Berichte suggeriert, dass angeblich "russische Hacker" hinter dem Cyberangriff gegen Katar standen.

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Ein Bericht des US-Fernsehsenders CNN titelte damals: "USA vermuten russische Hacker hinter Fake-News in Katar-Krise". Der Artikel verwies auf anonyme US-Beamte und behauptete, dass Geheimdienstinformationen vom FBI gesammelt worden wären, die auf russische Hacker hinweisen würden. In einem anderen Video-Bericht von CNN hieß es in einem Untertitel: "Russen verursachten neue Nahost-Krise mit falscher Story".

Der russische Präsidentensprecher Dimitry Peskow verurteilte bereits damals die Berichterstattung von CNN. Er beschrieb die Anschuldigungen gegen Russland als "eine weitere Lüge, die veröffentlicht wurde". Peskow zählte mehrere nicht verifizierbare Informationen von CNN auf und fügte hinzu:

Eine Verfälschung bleibt eine Verfälschung.

Emiratische Botschaft unterhält enge Beziehungen zu neokonservativer US-Denkfabrik

Auch was den Sonntagsbericht der Washington Post anbelangt, gibt es zwar keine zweifelsfreie Klärung hinsichtlichg des Hackerangriffs. Die Washington Post veröffentlichten diesmal aber einen E-Mail-Leak des emiratischen Botschafters in den USA, Yousef Al Otaiba. Die Hackergruppe GlobalLeaks hatte die folgenschweren E-Mails des Botschafters publik gemacht.

Aus der E-Mail-Sammlung geht hervor, dass Al Otaiba regelmäßig in Kontakt zum einflussreichen neokonservativen Think Tank "Stiftung für die Verteidigung von Demokratien", kurz FDD, steht, die als besonders pro-israelisch in Nahost-Fragen gilt. Die Denkfabrik gehört auch zu jenen Organisationen in den USA, die sich im politischen Washington für eine harte Linie gegen Iran einsetzen. Die Denkfabrik ist auch an Bestrebungen beteiligt, den Einfluss Irans mit politischen, wirtschaftlichen und Cyber-basierten Instrumenten zu unterminieren. Sowohl Israel als auch Saudi-Arabien betrachten die iranische Regierung als regionalen Erzfeind.

In diesem Zusammenhang ist bemerkenswert: Die Krise zwischen Katar und dem Saudi-geführten arabischen Block schließt auch Anschuldigungen mit ein, wonach sich Doha der iranischen Regierung zu sehr angenähert habe.

Die oberste Forderung des Saudi-Blocks im Rahmen eines 13-Punkte-Katalogs, dessen Erfüllung dieser als Vorbedingung für eine Normalisierung der wechselseitigen Beziehungen an Katar gestellt hatte, sieht die vollständige Auflösung von diplomatischen Beziehungen mit Iran vor.

Weitere Forderungen an das Scheichtum Katar sind die Beendigung angeblicher Unterstützung für Terroristen, die Schließung der türkischen Militärbasis im Land, die Schließung des extremismusverdächtigen Fernsehsenders Al Jazeera und Wiedergutmachungszahlungen.

USA ohne klare Position - Russland fordert diplomatische Einigung

Flaggen Ägyptens und Saudi-Arabiens

Washington sandte im Verlauf der Katar-Krise gemischte Signale aus. Präsident Donald Trump unterstützte zu Beginn den harten Kurs des Saudi-Blocks, auch mit Veröffentlichungen auf dem Micro-Bloggingdienst Twitter. US-Außenminister Rex Tillerson hingegen distanzierte sich vom Kurs seines Präsidenten. Er drängte in einem hektischen Reisemarathon am Persischen Golf die beteiligten Konfliktparteien dazu, Kompromisse einzugehen und miteinander das Gespräch zu suchen.

Vor Ausbruch der Katar-Krise traf sich US-Präsident Trump mit zahlreichen arabischen Staatenvertretern in der saudischen Hauptstadt Riad. Bei dem Treffen diskutierten die Staatsführer darüber, wie der wachsende regionale Einfluss Irans bekämpft werden kann. Trump stellte eine Kooperationsstruktur im Stile des westlichen Militärbündnisses NATO in Aussicht. Zum Zeitpunkt des Hackangriffs gegen QNA weilte Trump auf Staatsbesuch in Israel.

Russland setzt sich für eine friedliche Beilegung des Konflikts am Persischen Golf ein. Bei mehreren Telefongesprächen mit Führern der arabischen Konfliktparteien rief Präsident Wladimir Putin zur Konfliktlösung mit diplomatischen Mitteln auf. Diplomatische Quellen in Moskau erwarten, dass der saudische König in nächster Zeit Russland einen Staatsbesuch abstatten könnte.