Katar-Krise: US-Außenminister will vor Ort vermitteln - Iran könnte von Krise profitieren

Katar-Krise: US-Außenminister will vor Ort vermitteln - Iran könnte von Krise profitieren
US-Außenminister Rex Tillerson will in der Katar-Krise vermitteln.
In der Katar-Krise will US-Außenminister Rex Tillerson vor Ort vermitteln. Unterdessen gab die Zentralbank Katars bekannt, über genug Reserven zu verfügen, um die gegen das Emirat verhängte Blockade durchzustehen. Iran könnte der große Profiteur der Krise sein, glaubt eine US-Denkfabrik.

US-Außenminister Rex Tillerson ist am Montag in Kuwait eingetroffen, wo er nach Lösungen für den Konflikt um Katar suchen will. Am Abend stand nach Angaben des US-Außenministeriums zunächst ein Treffen mit Kuwaits Emir Scheich Ahmed auf dem Programm. Kuwait vermittelt in dem Streit am Golf. Tillerson werde anschließend nach Saudi-Arabien und Katar weiterreisen, meldete die kuwaitische Nachrichtenagentur Kuna.

Saudi-Arabien, Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate und Ägypten hatten Anfang Juni alle Beziehungen zu Katar abgebrochen und eine Blockade über das Land verhängt. Sie werfen dem Emirat die Unterstützung von Terroristen und zu enge Beziehungen zum Iran vor.

In einem umfangreichen Forderungskatalog verlangen sie von Katar unter anderem, seinen TV-Kanal Al-Jazeera zu schließen. Das Emirat wies die Vorwürfe zurück und bezeichnete sie als Propaganda. Seine vier Kontrahenten drohten Katar zuletzt mit neuen Sanktionen.

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Katar ist für die USA ein wichtiger Verbündeter. Dort befindet sich der größte US-Militärstützpunkt der Region. Auf der Luftwaffenbasis Al-Udeid sind mehr als 10 000 US-Soldaten stationiert. Washington sei „zunehmend besorgt, dass sich der Streit derzeit in einer Sackgasse befindet“, erklärte die Sprecherin des US-Außenministeriums, Heather Nauert, vor der Abreise Tillersons.

Finanzreserven und neue Wirtschaftsabkommen

Unterdessen verkündete Katars Zentralbank, über genug Finanzreserven zu verfügen, um die von den Golfstaaten verhängte Blockade durchzustehen. Diese belaufen sich laut dem Zentralbankchef Scheich Abdullah Bin Saoud al-Thani auf insgesamt 340 Milliarden US-Dollar (298 Milliarden Euro). „Wir haben genug Geldmittel, die uns vor einem Schock jeglicher Art bewahre“, erklärte der Scheich. 

Auf den Export von Flüssiggas hat sich die Blockade Katars bislang nicht ausgewirkt. Trotz der Krise seien die Exportzahlen stabil, erklärte ein Vertreter des Mineralölkonzerns Royal Dutch Shell am Montag. „Katar ist ein sehr zuverlässiger und kompetenter Produzent von Flüssiggas“, so Shell-Vertreter Steve Hill. 

Am Montag gaben zudem die Qatar Petroleum und der französische Energiekonzern Total die Vereinbarung eines auf 25 Jahre befristeten Joint-Ventures zur Ausbeutung des Ölfeldes Al Shaheen bekannt, das sich rund 80 Kilometer nördlich von Katars Hauptstadt Doha befindet. 

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Iran könnte der lachende Dritte sein

Durch die von den Nachbarländern verhängte Blockade ist Katar zunehmend auf gute Beziehungen zum Iran angewiesen. Schon jetzt liefert Teheran Lebensmittel und andere wichtige Güter. Katars Fluggesellschaft nutzt seit dem 6. Juli für Flüge nach Europa und Afrika den Luftraum des persischen Landes. Vertreter beider Seiten bekräftigten ihre weitere Kooperation. Teheran bot dem Emirat zudem die Nutzung seiner Häfen an.

Nach Ansicht des Atlantic Council ist der Versuch, Katar vom Iran zu isolieren, wahrscheinlich zum Scheitern verurteilt. In einem am Montag veröffentlichten Artikel wies die US-Denkfabrik darauf hin, dass beide Länder von einer wirtschaftlichen Kooperation abhängig sind, da sie sich im Persischen Golf das weltgrößte Gasfeld teilen.

Der Vorwurf an Katar, extremistische Gruppen zu unterstützen, zeuge „von der tiefen Heuchelei des saudischen Königreichs angesichts der eigenen Rolle bei der Förderung des religiösen Extremismus“, heißt es in dem Artikel, der mit der Prognose abschließt: „Zur Überraschung der Saudis könnte Iran der große Gewinner der Katar-Krise sein.“

(rt deutsch/dpa)