Anti-IS-Mission der Bundeswehr unterbrochen: Deutschland zieht Truppen aus türkischem Incirlik ab

Anti-IS-Mission der Bundeswehr unterbrochen: Deutschland zieht Truppen aus türkischem Incirlik ab
Deutschland hat mit dem Abzug seiner Truppen aus der Militärbasis Incirlik in der Südtürkei begonnen. Die Truppenpräsenz hat die US-geführte Anti-IS-Koalition mit Aufklärungsmissionen in Syrien und Irak unterstützt. Die Entscheidung folgt bilateralen Spannungen zwischen Berlin und Ankara.

Die Militärverlegung deutscher Soldaten und Flugzeuge von der Türkei nach Jordanien wird die Beteiligung der Bundeswehr beim Kampf gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ im Rahmen der US-geführten Koalition für zwei oder drei Monate unterbrechen. Das geht aus einer öffentlichen Mitteilung des Verteidigungsministeriums in Berlin hervor.

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Soldaten, ein Luftbetankungsflugzeug, Ausrüstung und Flugzeugteile verließen Incirlik. Sie wurden nach Jordanien an die al-Asrak-Militärbasis am Sonntag verlegt, bestätigte der Pressesprecher des deutschen Verteidigungsministeriums gegenüber den Nachrichtenagenturen Reuters und dpa.

Die in Incirlik stationierten Tornado-Aufklärungsjets werden nach Deutschland zurückgeschickt. Die deutsche Militärstationierung in Jordanien ist noch nicht bereit, die Kampfflugzeuge unterzubringen. Bauarbeiten in al-Asrak dauern an. Die Tornados können voraussichtlich im Oktober verlegt werden, heißt es aus Medienberichten.

Die al-Asrak-Militärbasis ist im Vergleich zum türkischen Incirlik weitaus kleiner. In Incirlik sind zahlreiche westliche Länder wie die USA und arabische Staaten stationiert. Um die Basis den deutschen Ansprüchen gerecht zu werden, muss Berlin die Basis in Jordanien umfangreich modifizieren. Zu diesem Zweck schließt die deutsche Regierung zahlreiche technische Vereinbarungen mit Amman ab, die die Stationierung deutscher Kampfflugzeuge regeln, berichtete Der Spiegel.

Deutschland beharrt auf dem Recht von Bundestagsabgeordneten, deutsche Soldaten auf Incirlik zu besuchen. Die Türkei besteht auf der Auslieferung putschverdächtiger Soldaten, denen Deutschland Asyl gewährt.

Um die deutsche Umsiedlung zu beschleunigen, unterstützt das US-Militär die Bundeswehr mit zusätzlichen Transportkapazitäten wie den Einsatz von einem großen Transportflugzeug vom Typ C17, informierte Der Spiegel weiter.

Deutschland hatte sechs Tornado-Kampfflugzeuge, ein Tankflugzeug und etwa 280 Truppen auf der Incirlik Militärbasis stationiert. Das Kontingent wurde als Reaktion auf die Pariser Terroranschläge des „Islamischen Staates“ im Dezember 2015 entsandt.

Die Entscheidung, deutsche Truppen aus der Türkei abzuziehen, erfolgte, als sich die deutsch-türkischen Beziehungen Mitte Mai verschlechterten. Ankara blockierte zum zweiten Mal in Folge einen Besuch deutscher Abgeordneter in Incirlik.

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Die Türkei verteidigt ihre Entscheidung damit, dass Deutschland türkischen Putschisten vor der türkischen Justiz Schutz gewährt. Berlin gewährt seit Juli 2016 hunderten Diplomaten und Offizieren politisches Asyl, die mutmaßlich in Verbindung mit dem Fethullah-Gülen-Netzwerk stehen. Die türkischen Offiziere waren Teil türkischer NATO-Programme in Europa.

 

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