Einmischung unerwünscht: Katar zeigt Saudi-Block kalte Schulter und will Flüssiggas-Vormacht bleiben

Einmischung unerwünscht: Katar zeigt Saudi-Block kalte Schulter und will Flüssiggas-Vormacht bleiben
Saad al-Kaabi bei einer Pressekonferenz in Doha.
Der weltweit größte Flüssiggas-Exporteur Katar geht in die Offensive. Trotz der diplomatischen Krise mit den Saudis will Doha seine Produktion schon bald um 30 Prozent erhöhen. Zudem hält Katar an den Beziehungen zu Ankara und an dessen Militärbasis fest.

Am Montag wies der katarische Außenminister, Scheich Muhammed bin Abdulrahman al-Thani, den Aufschub von 48 Stunden zur Erfüllung der Forderungen zurück, die eine von Saudi-Arabien geführte Koalition dem Emirat unterbreitet hatte. Die Erfüllung dieser 13 Forderungen sei die Bedingung für eine Wiederherstellung der vor einem Monat abgebrochenen diplomatischen Beziehungen.

Der Fernsehsender Al Mayadeen TV berichtete am Dienstag, dass Doha eine entschiedene Haltung gegen die Drohgebärden einnehme und seinerseits Gegenforderungen aufgestellt habe.

Doha betont erneut, das Land lasse Terroristen keine Unterstützung zukommen. Katar erinnerte Saudi-Arabien und dessen Verbündete daran, dass die Vereinten Nationen die Muslimbruderschaft nicht als terroristische Vereinigung listen. Der Anti-Katar-Block, der diesbezüglich auch Rückendeckung von US-Präsident Donald Trump erfuhr, drängte Doha, seine intensiven Beziehungen zu der umstrittenen Bruderschaft einzustellen, die einen konservativen, vor allem aber betont politischen Islam verficht.

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Demgegenüber betonte die katarische Seite, dass sich die Vereinigten Arabischen Emirate ihrerseits in die Angelegenheiten von Katar und Kuwait einmischen, berichtet der pro-iranische Sender Al Mayadeen TV.

"Türkische Militärbasis verschwindet, wenn ausländische Basen auch aus anderen Golfländern verschwinden"

Zudem erklärte Katar, das Land werde seine Beziehungen zu Iran lockern, wenn auch alle anderen arabischen Golfstaaten ihre Beziehungen zu Teheran aufgeben und alle iranischen Staatsbürger aus ihren Ländern ausweisen.

Doha würde demnach seine wirtschaftlichen Beziehungen zu Teheran einstellen, wenn insbesondere auch die Vereinigten Arabischen Emirate ihre Handelsströme zum Iran stoppen. Ob sie dazu bereit sein würden, ist ungewiss: Die Emirate kommen immerhin auf 80 Prozent des gesamten Handelsvolumens mit Iran im arabischen Golfraum.

Auch, was die türkische Militärbasis auf der kleinen Halbinsel anbelangt, zeigt sich Katar wenig kompromissbereit. Das Scheichtum wäre bereit, der Türkei die Tür zu weisen, wenn die von Saudi-Arabien unterstützten Golfstaaten gleichzeitig ihre ausländischen Militärbasen schließen.

Unterdessen lässt sich Katar auch von seinem Kurs nicht abbringen, seine Position als weltgrößter Flüssiggas-Exporteur zu behaupten. Der Vorsitzende des staatlichen Versorgers Qatar Petroleum, Saad Scherida el-Kaabi, sagte Reportern, Doha wolle die Förderung von Flüssiggas auf jährlich 100 Millionen Tonnen bis 2024 erhöhen.

Vergangenen April gaben wir unsere Absicht zur Entwicklung eines neuen Gasprojekts im südlichen Sektor des Nord-Feldes bekannt, das für den Export geeignet ist", sagte el-Kaabi.

Das Erdgasfeld werde in fünf bis sieben Jahren bereit für die Förderung sein. Das Projekt "wird die Produktion von Katar auf sechs Millionen Barrel pro Tag anheben", führte der Vorsitzende von Qatar Petroleum aus.

Saudische Isolationsbemühungen werden Katars Marktstrategie nicht beeinflussen

"Wir werden den Flüssiggas-Markt für eine lange Zeit anführen", sagte el-Kaabi. Diese Aussage gewinnt an zusätzlicher Pikanterie, wenn man bedenkt, dass die USA mit einem ambitionierten Plan ihrerseits versuchen, die Spitze des LNG-Marktes an sich zu reißen.

Die Stellungnahme des katarischen Energieriesen kommt zu einem Zeitpunkt, da ein von Saudi-Arabien angeführter Block arabischer Staaten das kleine Scheichtum wirtschaftlich und diplomatisch zu isolieren sucht. Der Saudi-Block unterstellt Katar, terroristische Gruppen zu unterstützen. Katar dementiert.

Der katarische Gas-Chef sagte, dass das Unternehmen seine Energielieferungen an kein Land einschränken wird. Er betonte, dass die Sanktionen des Saudi-Blocks gegen Katar zudem keine Auswirkungen auf sein operationelles Verhalten haben werden.

Wenn ein Unternehmen nicht mit uns zusammenarbeiten will, dann ist es seine Entscheidung. Wir werden neue Partner finden", schloss el-Kaabi mit Blick auf die Konkurrenz im Golfraum und die USA.