RT-Exklusiv: USA wollen Ost-Syrien von Damaskus abspalten

RT-Exklusiv: USA wollen Ost-Syrien von Damaskus abspalten
RT-Deutsch sprach mit dem Politikwissenschaftler Nicholas Heras, der für das einflussreiche US-Zentrum für Neue Amerikanische Sicherheit (CNAS) und die Jamestown Foundation tätig ist.
Die USA haben in Südsyrien eine Militärbasis zur Unterstützung syrischer Rebellen aufgebaut. Die USA wollen Ost-Syrien mit der Kurden-Miliz YPG im Norden und der Freien Syrischen Armee im Süden föderalisieren. Dies erklären Experten im Gespräch mit RT-Deutsch.

von Ali Özkök

Am Sonntag schossen die USA erstmals ein Kampfflugzeug der syrischen Armee ab. Nach einer weitgehenden Befriedung West-Syriens und laufenden Friedensgesprächen in Astana ist in Ost-Syrien ein Rennen ausgebrochen, vor dem der ehemalige US-Botschafter zu Syrien, Robert Ford, am Dienstag warnte. Er sagte:

Es gibt eine reale Eskalationsgefahr, insbesondere wenn die USA darauf beharren, ihre syrischen Verbündeten am Boden zu unterstützen, ohne ein Abkommen mit Assad zu finden.

FSA-Kämpfer in al Tanf-Region, die von den USA unterstützt werden, bei einer Lagebesprechung. Bildquelle: Adi Smajic

Der Politikwissenschaftler vom Zentrum für Neue Amerikanische Sicherheit (CNAS) und Analyst an der Jamestown Foundation, Nicholas Heras, sagte im Interview mit RT Deutsch, dass die gegenwärtigen Spannungen in Ost-Syrien nur der Anfang sind. Er wies mit Blick auf die laufende Offensive der US-unterstützten Kurden-Miliz YPG gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" in Rakka auf folgenden Sachverhalt hin:

Das übergeordnete Ziel ist die Schaffung dreier föderaler Regionen, zweier im Raum Rakka und einer im Osten von Deir Zor. Die Sicherheit der Regionen wird vom US-Militär, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten garantiert.

Auf Nachhaken von RT Deutsch erklärte der Politikwissenschaftler mit Fokus auf dem Nahen Osten, dass das Hauptanliegen der US-unterstützten Demokratischen Kräfte Syriens die Schaffung einer "zusammenhängenden föderalen Autonomieregion" ist. Ost-Syrien soll damit aus dem Kontrollbereich seiner Hauptstadt Damaskus fallen.

USA riefen Schutzzone nahe jordanischer Grenze aus

Am Montag schoss die US-Armee eine bewaffnete Drohne aus iranischer Produktion ab. Das Pentagon bestätigte den Abschuss einer Drohne vom Typ Schahed 129 in der Nähe einer US-amerikanischen Militärbasis unweit der jordanischen Grenze in Südsyrien. Die USA haben auf syrischem Territorium eine Schutzzone im Radius von 55 Kilometern um den Stützpunkt erklärt und gedroht, jedes Flugzeug, das dort eindringt, abzuschießen, berichtet das Nachrichtenportal Telepolis.

Über die Militärbasis, die in der Ortschaft al-Tanf liegt, ist der Öffentlichkeit bislang sehr wenig bekannt. Nicholas Heras gab RT Deutsch exklusiv Einsicht in Details hinsichtlich der von der Regierung nicht autorisierten Militärpräsenz der USA in Südsyrien. Er informierte:

Auf der Basis befinden sich 50 FSA-Kämpfer und rund 150 Angehörige von Koalitionstruppen. Diese kommen aus den USA, Großbritannien und Norwegen.

In einem Bericht bestätigte der norwegische Fernsehkanal TV2, dass norwegische Spezialeinheiten in Syrien operieren. Auf die Frage, ob die US-geführte Koalition plant, von der jordanischen Grenze auf die strategisch wichtige Provinz Deir ez-Zor vorzurücken, antwortete Heras:

Das Ziel der FSA-Gruppen in al-Tanf ist die Einnahme der Grenzstadt al-Bukamal, die in den Irak führt. Von dort kommen die meisten FSA-Kämpfer in al-Tanf her.

US-Verbündete werden sich nicht mit Rakka begnügen

Unterdessen bekämpft die Kurdenmiliz YPG, die die so genannten Demokratischen Kräfte Syriens anführt, den "Islamischen Staat" in der zentralsyrischen Stadt Rakka. Dort wird die Miliz allerdings nicht haltmachen, merkte der Analyst aus Washington an. Heras sagte:

Die Demokratischen Kräfte Syriens werden auf Deir ez-Zor vom Norden vorrücken. Sie werden das mit Vorstößen aus Rakka und al-Schaddadi durchführen.

Nach Meinung von Analysten und Experten, mit denen RT Deutsch exklusiv sprach, wollen die USA die Syrien-Friedensgespräche in Astana aus Gründen des Eigennutzes unterminieren und den militärischen Konflikt neu anheizen.

Am Ende dürfte der syrischen Regierung nicht viel in Ost-Syrien bleiben, sollten die strategisch bedeutsamsten Städte Rakka, Deir ez-Zor und al-Bukamal in die Hände der US-nahen Stellvertreter fallen.

Während die USA also versuchen, eine Nord-Süd-Achse in Syrien aufzubauen, verfolgt Damaskus gemeinsam mit seinen Verbündeten im Iran das Ziel eines schnellen Durchmarsches zur irakischen Grenze, wo pro-iranische Schiiten-Milizen zunehmend präsenter sind, um die Grenze abzusichern.

Die USA fürchten, dass die Achse Russland-Iran-Assad-Hisbollah gestärkt aus dem Konflikt in Ostsyrien hervorgehen könnten. Das hätte weitreichende Implikationen für die Vormacht der USA im Nahen Osten. Insbesondere US-Verbündete wie Israel und der arabische Golfraum würden angesichts eines geopolitischen Machtzuwachs Irans ins Hintertreffen geraten.

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