Putsch von oben: Architekt des Jemen-Kriegs und Trump-Freund wird neuer Kronprinz Saudi-Arabiens

Putsch von oben: Architekt des Jemen-Kriegs und Trump-Freund wird neuer Kronprinz Saudi-Arabiens
Muhammed bin Salman (rechts) ist nun der mächtigste Mann Saudi-Arabiens.
Muhammed bin Salman wird der neue Kronprinz in Saudi-Arabien. Sein Vater, König Salman, entthronte den Innenminister und bisherigen Kronprinzen Muhammed bin Nayif im anhaltenden internen Kampf um die Macht in der absoluten Monarchie am Persischen Golf.

Der saudische König, der selbst 81 Jahre alt ist, ernannte seinen 31-jährigen Sohn zum Kronprinzen. Muhammed bin Salman steigt damit zum mächtigsten Mann des ölreichen Landes auf. Der bisherige Kronprinz Muhammed bin Nayif, der sich gerne als mächtiger Anti-Terror-Zar und Freund der USA präsentiert hatte, sieht sich hingegen mit sofortiger Wirkung aus der Linie der königlichen Erbfolge ausgeschlossen.

Israels Fluggesellschaft El Al könnte schon bald saudischen Luftraum nutzen. Daneben weisen noch weitere Indizien auf eine mögliche Allianz Israels mit der absoluten Monarchie in Riad hin.

Der Journalist Ahmed al-Burai vom Sender TRT World nannte in einem Fernsehinterview den neuen Kronprinzen einen "Hardliner, der keinen Schritt zurückweicht". Der Grad an Aggressivität in der saudischen Außenpolitik unter bin Salman sei allerdings stark von den USA abhängig.

"Den Krieg in den Iran tragen"

Über die konkreten Aussichten einer künftigen saudischen Regionalpolitik sagte al-Burai:

Kürzlich schwor Muhammed bin Salman, den Krieg gegen den Iran auf iranischen Boden zu bringen. Er ist der größte Hardliner innerhalb der al-Saud-Familie gegenüber dem Iran. Er glaubt, dass er auf diese Weise der Regierung Trump helfen wird, die richtige Strategie im Nahen Osten zu finden.

Der neue Kronprinz der autokratischen Monarchie in Riad gilt zudem als Architekt des desaströsen Kriegs im Jemen. Dort kämpft eine arabische Allianz, angeführt von Saudi-Arabien, seit 2015 gegen die zaiditische Huthi-Bewegung, die sich mit dem ehemaligen Präsidenten und General Ali Abdullah Salih verbündete. Im Jemen unterstützt Saudi-Arabien Präsident Abdurrabu al-Hadi, der seinen Regierungssitz nach Aden verlegte.

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Als jüngster Verteidigungsminister der Welt mit wenig militärischer Erfahrung führte Muhammed bin Salman den Jemen in eine humanitäre Katastrophe. Tausende Menschen starben und hunderttausende wurden im Zuge der saudischen Intervention vertrieben.

Der König verdrängte Muhammed bin Nayif auch von seinem einflussreichen Posten als Innenminister. Diesen übernimmt künftig der 34-jährige Prinz Abdulaziz bin Saudi bin Nayif.

Der neue Kronprinz bleibt Verteidigungsminister und hat bei dieser Gelegenheit auch das Amt des stellvertretenden Premierministers an sich gerissen. Muhammed bin Salman ist es damit gelungen, seine Macht zu konsolidieren. Parallel zu seinen neuen Aufgaben ist er für die Modernisierung der stark Öl-abhängigen saudischen Wirtschaft zuständig. Er stellte das Riesenprojekt "Vision 2030" auf die Beine. Inzwischen nennen westliche Diplomaten Muhammed bin Salman in Anbetracht seiner politischen Multitasking-Fähigkeiten auch "Mr. Everything", berichtet Spiegel Online. Er soll inzwischen der mächtigste Mann in Saudi-Arabien sein.

Bin Salman galt lange als zu jung für einen Durchbruch

Analysten hatten den Aufstieg des neuen Kronprinzen schon lange vorhergesagt. Der Zeitpunkt, wann dieser einsetzen würde, war jedoch lange unklar. Das junge Alter bin Salmans, so hieß es stets, würde diesem im Weg stehen. Der nunmehrige Schritt kommt für viele unerwartet. Saudi-Arabien führt diese Umwälzungen durch, während sich der Golfkooperationsrat infolge der aktuellen Konflikte mit Katar in der größten Krise seit Jahrzehnten befindet.

Muhammed bin Salman gilt als enger Ansprechpartner der US-Regierung unter Präsident Donald Trump, berichtet das Nachrichtenportal The New Arab. Der Sohn des saudischen Königs steht außerdem hinter der massenhaften Veräußerung von Aktien des Staatskonzerns Saudi Aramco. Das Unternehmen ist das größte Erdölunternehmen der Welt.

 

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