Nach Blockade Katars: Saudi-Arabien und Israel diskutieren politische und wirtschaftliche Allianz

Nach Blockade Katars: Saudi-Arabien und Israel diskutieren politische und wirtschaftliche Allianz
Israels Fluggesellschaft El Al könnte schon bald saudischen Luftraum nutzen. Daneben weisen noch weitere Indizien auf eine mögliche Allianz Israels mit der absoluten Monarchie in Riad hin.
Saudi-Arabien und Israel bauen ihre diplomatischen Beziehungen in rasantem Tempo aus. Nur Wochen zuvor hatte US-Präsident Trump Riad und Jerusalem besucht. Wenig später beschloss Saudi-Arabien, Katar diplomatisch und wirtschaftlich zu isolieren.

Nach einem Bericht des britischen Nachrichtenmagazins The Times bereiten sich Saudi-Arabien und Israel darauf vor, bilaterale diplomatische Beziehungen aufzubauen. Auch soll es in Zukunft Direktflüge zwischen beiden Staaten geben.

Hinter verschlossenen Türen verhandeln die Führungen beider Länder über die Entwicklung politischer und wirtschaftlicher Beziehungen. Saudi-Arabien, das der Hüter der heiligen muslimischen Stätten von Mekka und Medina ist, könnte als Zeichen des guten Willens der staatlichen israelischen Fluggesellschaft El Al die Erlaubnis erteilen, saudischen Luftraum zu nutzen.

Die britische Tageszeitung mutmaßte zudem, dass die Verhandlungen zwischen Israel und Saudi-Arabien einen Zusammenhang mit der Blockade gegen Katar haben könnten, die Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain und Ägypten vor zwei Wochen gegen Doha verhängt hatten.

Die verborgene Seite der Blockade

Zuvor kommentierte der Verteidigungsminister von Israel, Avigdor Lieberman, die diplomatische Krise am Persischen Golf mit folgenden Worten:

Die Katar-Krise eröffnet Chancen für Israel.

Seit Monaten führen Golfstaaten, angeführt von Riad, Berichten zufolge Gespräche mit der Regierung in Jerusalem. Die beteiligten Golfstaaten teilten der Regierung Netanjahu mit, dass die Beziehungen zu Israel im Falle der Erfüllung einiger Anforderungen normalisiert werden können, berichtete das Wall Street Journal.

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Am Tag, als der Saudi-Block begann, Katar zu isolieren, lobte der Generaldirektor des israelischen Geheimdienstministeriums, Chagai Tzuriel, die Entscheidung, berichten The Times of Israel. Er nannte Katar eine "Nervensäge" für das "pragmatische" sunnitische Lager, das Saudi-Arabien repräsentiere.

Eine derartige Einschätzung Riads mag überraschen, da es in Saudi-Arabien regelmäßig zu Menschenrechtsbrüchen kommt, Frauen kaum Rechte besitzen und der saudische Wahhabismus unter Sicherheitsexperten als Durchlauferhitzer für Dschihadisten gilt. Allerdings haben sich terroristische Gruppen, hinter denen saudische Unterstützer vermutet werden, bis dato eher proiranische, schiitische Zusammenhänge angegriffen und sich gegenüber Israel zurückgehalten.

Ein Grund für die sich anbahnende Allianz Israels mit Saudi-Arabien könnte aber auch sein, dass Katar regelmäßig im Zusammenhang mit Israels Politik in den umstrittenen Gebieten des Westjordanlandes Partei zu Gunsten der Palästinenserorganisationen ergreift. Katar unterstützt außerdem die radikale Hamas im Gazastreifen. So räumte Doha der Führung der militanten Islamisten lange Zeit auf eigenem Territorium ein ruhiges Hinterland ein. Auch das bekannte Nachrichtennetzwerk Al-Dschasira, das sich mit Blick auf die Lage in den umstrittenen Gebieten ebenfalls regelmäßig gegen Israel stellt, hat in Doha seinen Hauptsitz.

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Die große Hoffnung von Netanjahu

Das US-Staatsoberhaupt Donald Trump war der erste Präsident, der einen Direktflug nach Israel aus der saudischen Hauptstadt Riad absolvierte. Am 20. Mai besuchte der US-Präsident den israelischen Premierminister. Netanjahu sagte damals an die Adresse der saudischen Monarchie:

Ich hoffe, dass eines Tages der israelische Premierminister von Tel Aviv-Jaffa nach Riad reisen kann.

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Ein Beamter der israelischen Zivilluftfahrtbehörde erklärte laut der türkischen Tageszeitung Yeni Safak, dass der Trump-Flug zwischen Saudi-Arabien und Israel der erste Flug entlang der neuen Route gewesen sein könnte.

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