US-Raketenwerfer gehen nach Süd-Syrien - Krieg gegen Regierungstruppen und Schiiten-Milizen?

US-Raketenwerfer gehen nach Süd-Syrien - Krieg gegen Regierungstruppen und Schiiten-Milizen?
FSA-Kämpfer in al Tanf-Region, die von den USA unterstützt werden, bei einer Lagebesprechung. Bildquelle: Adi Smajic
Das US-Militär hat zum ersten Mal moderne HIMARS-Raketenwerfersysteme aus Jordanien nach Südsyrien verlegt. Die Folgen für das geomilitärische Gleichgewicht könnten folgenschwer sein. RT Deutsch sprach mit Analysten, die ein unterschiedliches Bild zeichnen.

von Ali Özkök

Das auf Fahrzeuge aufmontierte offensive Raketensystem kann auf eine Entfernung von 300 Kilometer feuern. Diese Entscheidung erhöht die Feuerkraft der USA in al-Tanf, berichtete der US-Sender CNN.

Zum ersten Mal setzen die USA damit das HIMARS-System im Süden Syriens ein. Laut einem US-Beamten, der mit CNN sprach, ist das nicht das erste Mal überhaupt, dass US-Truppen die Waffe in dem kriegsgeschüttelten Land benutzen. Im Norden unterstützen die USA die PKK-nahen Kurden-Milizen der so genannten Volksverteidigungseinheiten (YPG) im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat". US-Marines setzten auch M777-Haubitzen in Nordsyrien ein.

Der Syrien-Analyst Adi Smajic, der die Region regelmäßig besucht, bemerkte gegenüber RT Deutsch, dass die USA HIMARS-Raketen bereits bei der ersten Offensive auf al-Tanf eingesetzt hatten.

Zuvor kam HIMARS bei der Bekämpfung von IS-Zielen von der Türkei und Jordanien aus zum Einsatz. Auch im Irak greifen die US-geführten Truppen auf dieses System zurück.

Iranische Drohne abgeschossen

Die Region um al-Tanf in Syrien ist zum Fokus latenter Spannungen zwischen syrischen Regierungstruppen und pro-amerikanischen FSA-Rebellen geworden, die beide gegen den IS vorrücken. Die Freie Syrische Armee, kurz FSA, erfährt sowohl von US-amerikanischen als auch von britischen Spezialeinheiten am Boden Unterstützung.

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Anbei zeigt RT Deutsch exklusives Bildmaterial von einem Mitglied US-amerikanischer Spezialeinheiten in Südsyrien, das syrische Quellen erworben hatten:

Außerdem erhielt RT Deutsch Videomaterial aus der US-Militärbasis in Al-Tanf:

Vergangene Woche schoss ein US-Kampfjet des Typs F-15E eine iranische Drohne Schahid 129 ab, die "Koalitionstruppen angegriffen" habe. Dies äußern US-Beamte.

Insgesamt hat die US-Luftwaffe seit Mai drei Mal regierungstreue Schiiten-Milizen in der Region von Al-Tanf angegriffen.

Der Militärexperte Qalaat al-Mudiq glaubt jedoch nicht, dass die USA eine Konfrontation mit der syrischen Armee und deren Verbündeten suchen werden. Er sagte RT Deutsch:

Das ist nur ein weiteres Instrument für die USA, um ihre Truppen und die FSA im Raum Al-Tanf zu schützen. Das ist ein defensiver Schritt. Sie wollen die Kontrolle aber auch nicht an pro-iranische Gruppen abgeben.

Vermutlicher Einsatz von Munitionen mit weißem Phosphor in Rakka.

Die Militärexperten der Twitter-Seite Military Advisor gaben auf Anfrage von RT Deutsch die Einschätzung ab, dass es für ein Durchstarten der USA und FSA im al-Tanf womöglich zu spät sei. Military Advisor erläuterte in einem Kommentar:

Es ist kaum denkbar, dass das Pentagon nach dem Scheitern im Süden von Palmyra und in Ost-Kalamun wirklich noch große Aktionen plant. Sie hatten die Möglichkeit, Al-Tanf mit Ost-Kalamun zu verbinden, aber sie sind gescheitert.

Wie hoch sind die Ambitionen der USA noch zu veranschlagen?

Der Analyst Adi Smajic bestätigte, dass Washington keinen Zusammenstoß mit der syrischen Armee riskieren wird. Qalaat al-Mudiq betonte allerdings:

Wenn die USA ihre Optionen am Boden stärken, dann bedeutet es, dass eine Kontrolle über den strategisch wichtigen syrischen Grenzübergang in den Irak, Al-Bukamal, immer noch möglich ist.

Cody Roche, der für das investigative Recherchenetzwerk Bellingcat schreibt, sieht das anders. RT Deutsch sagte er:

Es ist ein klares Zeichen der US-Koalition, dass sie ihre Unterstützung für die FSA, die sie ausbildet und bewaffnet, gegen pro-iranische Truppen bekräftigt.

Mit einem Vorrücken in die Provinz Deir ez-Zor könnten die USA die syrische Armee von freundlich gesinnten Schiiten-Milizen im Irak abschneiden und eine eigene Verbindung zu den so genannten Demokratischen Kräften Syriens aufbauen, die von der Kurden-Miliz YPG angeführt werden. Auf diese Weise würden die USA nicht nur die syrische Regierung unter Präsident al-Assad isolieren, sondern auch den Iran von dessen Ableger, der Hisbollah im Libanon, über den Landweg abschneiden, erklärte der türkische Politikwissenschaftler Ömer Özkizilcik, der für das türkischsprachige Fachportal Suriye Gündemi berichtet.

Am Montag behauptete der US-Generalstabschef Joseph Dunford, die syrische Armee habe die irakische Armee nicht erreicht, obwohl das russische Verteidigungsministerium am Freitag Gegenteiliges erklärt hatte.

Im Rahmen der Operation

Wir haben unsere Kampfkraft in diesem Raum erhöht", betonte der US-Offizier Ryan Dillon im Gespräch mit Reportern im Pentagon Anfang Juli. "Wir erhöhten unsere Präsenz und unseren Fußabdruck. Wir bereiteten uns auf jede Gefahr vor, die von Pro-Regierungskräften kommt."

Ein Verteidigungsbeamter, dessen Namen CNN nicht nannte, äußerte, dass die Verlegung des HIMARS eine Reaktion auf die Verlegung von Artillerie in die Al-Tanf-Region wäre.

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Eine hochrangige analytische Quelle aus dem britischen Außenministerium, die ebenfalls namentlich nicht genannt werden will, glaubt, dass die USA

eine starke Botschaft aussenden an die syrische Armee und pro-iranische Schiiten-Kämpfer: Wann immer ihr aufmuckt, werden wir euch bombardieren. Und wir werden euch bombardieren, bis ihr das gelernt habt.

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