Menschenrechtsorganisationen: US-Partner Emirate betreiben Foltergefängnisse im Jemen

Menschenrechtsorganisationen: US-Partner Emirate betreiben Foltergefängnisse im Jemen
Militärgerätschaften der Vereinigten Arabischen Emirate auf dem Flughafen in Aden, Jemen, August 2016.
Eine Elite-Einheit unter Kontrolle der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) soll Hunderte jemenitischer Männer verschleppt und gefoltert haben. Dies berichten lokale Menschenrechtsgruppen. Investigativ-Journalisten und UN-Experten bestätigen die Vorwürfe.

Laut Aussagen von lokalen Menschenrechtsgruppen, gestützt von Recherchen des britischen Journalisten-Vereins The Bureau of Investigative Journalism (TBIJ), verschleppt eine von den Emiraten unterhaltene Miliz mit dem Namen "Elite Forces" seit Jahren jemenitische Männer im kampffähigen Alter in ein Geheimgefängnis auf dem Militär-Flughafen Riyyan im Südosten des Jemens.

Dort sollen die Verantwortlichen die Verschleppten in metallene Schiffscontainer packen, in denen Temperaturen von bis zu 50 Grad herrschen. Von TBIJ befrage Menschenrechtsaktivisten verweisen auf Guantanamo Bay und Abu Ghraib als Blaupause für das Geheimgefängnis auf der Luftwaffenbasis.

Satellitenfoto des Militärflughafens Riyyan im Südosten des Jemens, Juli 2016.

Ein Zeuge, der im Interview den Decknamen Abu Ali  verwendet, berichtet, wie schwerbewaffnete Männer in beigen Uniformen sein Haus in Mukalla stürmten und seinen Sohn mitnahmen.

Er versteckte sich nicht. Es gab keine Notwendigkeit, so gewalttätig zu agieren, wie sie es taten. Mein Sohn war verheiratet, er brauchte Arbeit, also arbeitete er, auch während der Zeit, als bis April 2016 al-Kaida unsere Stadt kontrollierte.

Nach Wochen des Suchens bekam er einen Hinweis, dass sein Sohn auf dem Militärflughafen in Riyyan festgehalten werde.

Menschenrechtsaktivisten schätzen, dass die Fälle gewaltsamen Verschwindenlassens in die Hunderte gehen. Während einige wenige Betroffene mittlerweile wieder frei sind, gilt die übergroße Mehrheit nach wie vor als vermisst.

Hauptsächlich betroffen: Verwaltungsangestellte, die auch nach Al-Kaida-Machtergreifung im Amt blieben

Familienangehörigen von Verschwundenen verweisen darauf, dass viele der Verschleppten völlig normalen Tätigkeiten nachgingen. Streng genommen arbeiteten sie zu dieser Zeit jedoch für al-Kaida, denn diese stellte bis zu deren Rückeroberung unter Federführung von Militärs der VAE die De-facto-Regierung in der Region.

Ein UN-Expertengremium untersuchte bislang sechs Fälle von gewaltsamem Verschwindenlassen durch die Elite Forces in Mukalla zwischen April und November 2016. Laut Einschätzung der UN-Experten gab es in fünf von sechs Fällen keinerlei Verbindung zu al-Kaida, in einem Fall war ein Händler betroffen, der teilweise mit der Terrorgruppe Handel betrieb.

Menschenrechtsexperten kritisieren vor diesem Hintergrund die enge Zusammenarbeit der USA mit der Golfmonarchie und werfen dem US-Militär "Komplizenschaft" vor.

Da lächelten sie noch in die Kamera: Blackwater-Söldner im Jemen

Die Vereinigten Arabischen Emirate gelten als der bevorzugte Militärpartner der USA in der Region. Verteidigungsminister Jim Mattis nennt den kleinen Golfstaat liebevoll "unser kleines Sparta". Das Militärsystem der Emirate ist explizit so aufgebaut, dass es sich reibungslos in Operationen des US-Militärs integrieren lässt. Fast alle Militärgüter kommen aus US-Produktion. Die Eliteeinheiten des Golfstaates werden zudem direkt von den USA ausgebildet. So trainiert beispielsweise das US-Marine Corps die Präsidentengarde des Landes.

Haben auch die USA erfolterte Angaben verwendet?

Alex Moorehead, Projektleiter am Menschenrechts-Institut der Juristischen Fakultät der Columbia University in New York, argumentiert, dass, sollten ich die Vorwürfe zu den Geheimgefängnissen unter Kontrolle der Emirate im Jemen bestätigen, dies zahlreiche Fragen zur Kooperation der USA mit dem Golfstaat aufwerfen würde.

Die USA sollten sich laut Moorehead "sehr gut überlegen", wo sie und die Emirate ihre nachrichtendienstlichen Erkenntnisse herbekommen und inwieweit die USA selbst involviert sind in die Verschleppungen und Geheimgefängnisse im Jemen.  

Es stellt sich zudem die Frage, inwieweit unter Folter hervorgebrachte 'Erkenntnisse' von den USA genutzt werden und in ihre eigenen Anti-Terroroperationen im Jemen einfließen.

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