USA geben Gas: Katar soll als weltgrößter LNG-Lieferant untergehen - RT Deutsch spricht mit Experten

USA geben Gas: Katar soll als weltgrößter LNG-Lieferant untergehen - RT Deutsch spricht mit Experten
Offiziell geht es im Streit zwischen Saudi-Arabien und Katar um die Terrorfinanzierung. Faktisch arbeiten die USA daran, Katar als weltgrößten Flüssiggas-Exporteur abzulösen. Energieexperte Volkan Özdemir meint, die USA wollen Katars Isolation für sich nutzen.

von Ali Özkök

Laut offiziellen Erhebungen der Internationalen Gas-Union und der Internationalen Gruppe für Flüssiggas-Importeure verkaufte das Golfemirat Katar 2016 rund 77 Millionen Tonnen Flüssiggas an das Ausland.

Das Gros der Exporte geht derzeit nach Asien. Etwa 60 Prozent seiner Verkäufe realisiert Katar in Japan, Südkorea, Indien und China. Aber auch Großbritannien gehört zu den bedeutendsten Zielmärkten.

Im Wettrennen um die Marktanteile im lukrativen LNG-Geschäft positionierten sich vor allem die USA als stärkster Herausforderer der Vormacht Katars. Vor allem an der Stärke Katars in Asien stört sich Washington. Deshalb wollen die USA zwischen 2018 und 2024 in Asien in ein eigenes riesiges Netzwerk von LNG-Terminals investieren. Noch 2015 exportierten die US-Firmen rund 330.000 Tonnen Flüssiggas.

Die saudische Marine bei einer Übung im Roten Meer. Insgesamt 48 Patrouillenboote erhält das Königreich aus Deutschland, die möglicherweise auch bei der Seeblockade gegen den Jemen zum Einsatz kommen.

Die US-Ambitionen stehen im direkten Zusammenhang mit den jüngsten Entwicklungen im Golfraum. Nach dem Riad-Gipfel, den US-Präsident Donald Trump anführte, entschied eine Allianz aus arabischen Staaten unter Saudi-Arabien, Katar politisch und wirtschaftlich zu isolieren. Im Gespräch mit RT Deutsch betonte der Energieanalyst des Instituts für Energie-Märkte und -Politik, kurz EPPEN, Dr. Volkan Özdemir:

Die Katar-Krise hat direkt mit der neuen Politikausrichtung der USA unter Trump zu tun. Hinzu kommt die Rivalität Saudi-Arabiens mit Iran.

Die USA seien der Ausgangspunkt für die Zuspitzung der Situation am Persischen Golf. Özdemir bemerkte:

Die Krise mit Katar ist ein Produkt der regionalen Rivalität zwischen Riad und Teheran, aber anders als Präsident Barack Obama stellt sich der neue US-Präsident Donald Trump auf die Seite traditioneller Alliierter wie Israel und Saudi-Arabien. Katar ist das Schlachtfeld, auf dem die Konflikte ausgetragen werden.

Auf die Frage, was die Krise um Katar an regionalen Auswirkungen mit sich bringt, sagte der Energie-Experte aus der Türkei:

Katar ist für den internationalen Energiemarkt als weltgrößter Flüssiggas-Exporteur sehr bedeutsam. Sollten die Spannungen weiter eskalieren, dann sind die Flüssiggas-Ausfuhren Katars in Gefahr. Das hätte ernsthafte Auswirkungen auf den Energiemarkt. Preise könnten abrupt ansteigen. Dennoch konkurrierende LNG-Firmen wie jene aus den USA würden deutlich von einer solchen Entwicklung profitieren.

Exportkapazitäten von 300 Millionen Tonnen denkbar

Die USA verfügen derzeit über zwei aktive Terminals für den LNG-Export. Darunter befindet sich der Kenai LNG-Terminal mit einer Kapazität von 1,5 Millionen Tonnen, der noch 2016 nicht in Betrieb war. Dazu kommt der Sabine Pass LNG-Terminal, der vergangenes Jahr 2,9 Millionen Tonnen Flüssiggas verlud. Die USA führen weitere Pläne für eine massiven Ausweitung der Verladekapazität ins Feld. Dafür will die Trump-Administration bis zu 30 neue LNG-Terminals errichten, berichtet die türkische Tageszeitung Sabah. US-Firmen bauen bereits an sechs aktuellen LNG-Terminals. 

Mit der Fertigstellung der sechs im Bau befindlichen Projekte gewinnen die USA eine zusätzliche Kapazität für den Export von 57,55 Millionen Tonnen. Sollten alle 30 Terminals fertiggestellt werden, kämen die USA im Flüssiggas-Geschäft gar auf eine Exportkapazität von über 300 Millionen Tonnen.

Analysten erwarten, dass sich die USA an Zielmärkten in Asien und Lateinamerika ausrichten werden. Dabei soll Katar als dominanter Spieler in der Region verdrängt werden.

USA treiben mit Saudi-Arabien Keil zwischen Katar und Iran

Auch Iran plant, im großen Stil in den LNG-Markt einzusteigen. Aufgrund internationaler Sanktionen konnte das Land seine geplanten Projekte bislang noch nicht umsetzen. Anders als die USA setzt Iran jedoch auf Zusammenarbeit.

Recep Tayyip Erdoğan sagt Katar weitere Unterstützung zu

Katar verfolgt eine Business-Allianz mit Iran im Bereich des Erdgases. Washington versucht unterdessen, ein gesundes Arbeitsverhältnis zwischen beiden Staaten zu unterminieren. Am 7. Juni stellte der US-Kongress einen Gesetzesentwurf unter dem Namen "Irans destabilisierenden Aktivitäten entgegenwirken - 2017" vor. Dieses Gesetz soll einer Ausweitung der Kooperation einen Riegel vorschieben.

Am Montag vor einer Woche beschlossen fünf arabische Staaten, angeführt vom US-Verbündeten Saudi-Arabien, alle diplomatischen Beziehungen zu Doha aufzulösen. Saudi-Arabien isoliert das Land wirtschaftlich, Katar muss Lebensmittel inzwischen aus der Türkei und dem Iran kaufen. Saudi-Arabien, das selbst dschihadistische Gruppen in Syrien unterstützt, wirft Katar vor, den Nahen Osten mittels islamistischer Bewegungen zu destabilisieren.