WSJ: Geheime Verhandlungen zwischen USA und Russland um Syrien?

WSJ: Geheime Verhandlungen zwischen USA und Russland um Syrien?
Die Offiziere des russischen Zentrums für Versöhnung in der syrischen Provinz Latakia verteilen humanitäre Hilfe, 27. Mai 2017.
Russische und US-Regierungsvertreter haben geheime Verhandlungen über die Regulierung der Situation im Südwesten Syriens geführt. Dies berichtet die Zeitung Wall Street Journal (WSJ) unter Berufung auf Quellen in der US-Administration.

Den WSJ-Informanten zufolge sollen vor etwa zwei Wochen mindestens zwei Treffen von russischen und amerikanischen Regierungsvertretern in Jordanien stattgefunden haben, berichtet die Nachrichtenagentur Sputnik. Die Gespräche sollen nach dem Moskau-Besuch von US-Außenminister Rex Tillerson im April in Gang gesetzt worden sein.

Eine weitere Gesprächsrunde sollte in dieser Woche in Amman zustandekommen, wurde dann aber auf unbestimmte Zeit verschoben.

Wichtiger Durchbruch in Astana

Wie die Zeitung schreibt, erklärt die Geheimhaltung der Verhandlungen das Streben des Weißen Hauses, die Kontakte mit Moskau vor dem Hintergrund der in den USA anhaltenden Ermittlungen zur angeblichen Einmischung Russlands in die US-Präsidentschaftswahlen in Gang zu bringen. 

Ferner heißt es, das Pentagon habe zuvor mit Bedenken die Kontakte mit Russland über die Errichtung der sogenannten Deeskalationszonen in Syrien aufgenommen. Das Weiße Haus glaube jedoch, dass die Verhandlungen mit Moskau die Vernichtung der Terrormiliz Islamischer Staat voranbringen und den Erfolg im Südwesten Syriens auch in anderen Regionen des Landes ausbauen würden. 

WSJ zufolge sollen an der Verhandlungen unter anderem Brett McGurk und Michael Ratney, zwei Sondergesandte in der von den USA geführten Anti-Terror-Koalition, teilgenommen haben. 

Das US-Außenministerium nahm vorerst keine Stellung zu den Geheimtreffen. Es hieß lediglich, man wolle eine diplomatische Lösung des Syrien-Konflikts finden und den Terror besiegen. Die russische Botschaft in den USA wollte diese Informationen bis jetzt nicht kommentieren.

Im Rahmen der Operation

Russische Medien berichten, dass die Frage der Kontakte zu Russland von denjenigen Senatoren gestellt worden sein könnte, die die Aufhebung der antirussischen Sanktionen erörtern. Dabei soll das US-Außenministerium den Senat gebeten haben, diese Frage wegen des Zusammenwirkens mit Russland in der Syrien-Krise zu verschieben. Sollten sich die Deeskalationszonen ihre Effektivität beweisen, könnten Washington und Moskau zu einer ähnlichen Einigung für andere Territorien kommen, betonen die Informanten der Zeitung.

In den letzten Tagen werden widersprüchliche Signale zur amerikanischen Haltung in der Beilegung der Syrien-Krise gemeldet. Letztens wies das amerikanische Verteidigungsministerium auf Russlands positive Rolle in Syrien hin, weil Moskau Kontakte zu den Behörden des Landes habe.

Andererseits greift die US-Luftwaffe regelmäßig die Stellungen der syrischen Regierunsgeinheiten an, was Moskau stark kritisiert.

"Mit ihren Handlungen stört die Koalition die Regierungskräfte daran, die Daesh-Gruppierungen zu zerschlagen", sagte der Chef der Operativen Hauptabteilung im russischen Generalstab, Sergei Rudskoi am 9. Juni. Moskau sehe keine nennenswerten Resultate des Kampfes der Koalition gegen den IS.