YPG/SDF-Pressesprecher im Exklusiv-Interview: Wir sind das Schild, das Europa verteidigt

YPG/SDF-Pressesprecher im Exklusiv-Interview: Wir sind das Schild, das Europa verteidigt
Der schwedische Pressesprecher der kurdischen YPG und ihrer Schirmorganisation SDF, Jesper Söder, sprach mit RT Deutsch über seine Beweggründe, sich dem Kampf gegen den "Islamischen Staat" anzuschließen. Er nahm auch Stellung zu Rakka und zum Terror in Europa.

von Ali Özkök

Was bewegt einen schwedischen Staatsbürger dazu, seine Heimat zu verlassen und sich dem Kampf der Kurden-Miliz YPG anzuschließen?

Ich verließ Schweden im Mai 2015, um mich dem Kampf gegen den "Islamischen Staat" zu widmen. Der Grund, warum ich ausreiste, war es, dem Volk in Syrien zu helfen. Ich will so viele Menschen wie möglich vor dem Zugriff und dem Terror von ISIS retten. Mir ging es wirklich darum, einen Unterschied zu machen. Ich wollte nicht nur hoffen.

Gibt es noch mehr westliche Kämpfer, die in deinen Reihen kämpfen?

Ja, es gibt Kämpfer, die aus dem Westen kommen und bei Kräften der YPG und den Demokratischen Kräften Syriens aktiv sind. Insgesamt schlossen sich zwischen August 2014 und heute nicht weniger als 1.500 Kämpfer aus dem Westen den YPG an.

Jesper Söder mit einer Kämpferin der YPG-Fraueneinheit YPJ, die aus Kanada kommt. Bildquelle: Jesper Söder

Was macht ihr in eurer Freizeit?

In unserer Freizeit versuchen wir einander besser kennenzulernen und trainieren für Szenarien, die hier in der Gegend so passieren können. Die meisten von uns sind Kämpfer oder trainierte Mediziner. Ich habe hier schon in den verschiedensten Positionen gearbeitet. Heute bin ich Medienbeauftragter.

Ich bin Pressesprecher für die YPG sowie die SDF. Hinzu kommt, dass ich mit unseren Anti-Terroreinheiten arbeite. Diese Tätigkeit ist eigentlich nicht normal für YPG-Mitglieder aus dem Westen. Um das machen zu dürfen, brauchst du Erfahrung als Kämpfer. Man muss sich als Mitglied bei den YPG verdient machen.

Jesper Söder trifft bei seiner Ernennung zum Pressesprecher die Leiterin der SDF-Abteilung für Pressearbeit, Cihan Shekh Ahmed.

Wie wichtig ist es, den "Islamischen Staat" aus Rakka zurückzudrängen?

Wenn es uns gelingt, den "Islamischen Staat" aus seiner selbsternannten Hauptstadt zu vertreiben, dann wird das in einen großen moralischen Absturz der Gruppe münden. Von diesem Punkt an wird es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis wir dem IS die absolute Niederlage beibringen. Worauf die Welt jetzt erstmal schaut, ist die Befreiung von Rakka. Dieser Kampf wird aber kein leichter sein.

Was bedeutet die Schwächung des IS für Europa?

Der Kampf hier in Syrien ist wichtig. Wir sind das Schild, das Europa verteidigt. Auf Grund unserer Erfolge hier gegen den IS versucht sich die Miliz in Ländern zu rächen, die unsere Kräfte unterstützen, Länder wie Großbritannien oder Frankreich. Europa sollte gewarnt sein und hart daran arbeiten, alle Terrorzellen im eigenen Land zu entlarven. Diesen Kampf mit Nächstenliebe zu beenden, das funktioniert nicht.

Wie unterscheidet ihr an den zahlreichen Fronten mit unterschiedlichen Milizen und Armeen, wer Freund oder Feind ist?

Es ist einfach, zwischen Freund und Feind zu unterscheiden: Die Kämpfer des IS sehen aus wie Gorillas. Wir versuchen, auf unsere Hygiene zu achten. Und wir wissen, dass diejenigen, die auf uns schießen, wohl nicht unsere Freunde sind.

Woher, wenn ich fragen darf, bekommt ihr eure Waffen?

Die Waffen, die wir kriegen, kommen von der US-geführten Anti-IS-Koalition. Zuletzt kamen Waffenlieferungen von den USA bei uns an. Diese sind auch schon im Kampf gegen den IS zum Einsatz gekommen.

Wie begegnet euch die Zivilbevölkerung nach Einnahme einer Siedlung, die unter IS-Kontrolle gestanden hatte?

Nach einer Befreiung von Dörfern und Städten, die vom IS besetzt waren, jubeln und schreien die Zivilisten vor Freude auf. Manche bitten uns um Zigaretten und Männer rasieren ihre Bärte. Sie umarmen uns und Frauen nehmen ihr Kopftuch ab.

Sind Sie in Kontakt mit pro-türkischen Rebellen in Syrien gekommen? Stellen diese eine Gefahr für die YPG dar?

Ja, ich habe pro-türkische Rebellen in der Region Manbidsch gesehen und gegen sie gekämpft. Sie starteten Offensiven gegen mich und meine Freunde. Auch führen sie Angriffe gegen unsere Truppen an den Grenzen durch.

Sie stellen eine Gefahr für die Sicherheit und Stabilität in der Region dar. Wir haben versucht, eine diplomatische Lösung zu finden, aber sie ignorieren unsere Versuche.

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