Französischer Geheimdienst lässt eigene Staatsbürger beim "Islamischen Staat" jagen und töten

Französischer Geheimdienst lässt eigene Staatsbürger beim "Islamischen Staat" jagen und töten
Bildquelle: Französisches Militär
Spezialeinheiten aus Frankreich arbeiten laut Wall Street Journal seit Monaten mit Iraks Armee zusammen, um Franzosen zu verfolgen und zu töten, die sich Terrorgruppen wie dem IS angeschlossen haben. RT Deutsch sprach mit Analysten über die Hintergründe.

Von Ali Özkök

Französische Militärs überließen irakischen Einheiten für Terrorismusbekämpfung bereitwillig Informationen und Koordinaten über Dschihadisten des so genannten Islamischen Staates, so das WSJ am Montag. Auch rund 30 Namen von Staatsbürgern, die als hochwertige Ziele im Zusammenhang mit dem Terrorismus galten, gab Paris weiter. Die irakische Armee erhielt dabei sogar grünes Licht von französischen Geheimdiensten für die gezielte Ermordung einer insgesamt noch nicht bekannten Anzahl von Franzosen.

RT Deutsch sprach mit dem israelischen Sicherheitsanalysten Michael Horowitz von der Risikoberatungsgesellschaft für Geopolitik Prime Source, der davon ausgeht, dass der IS noch immer ein großes Gefahrenpotenzial birgt. Horowitz sagte:

Der IS stellt eine Gefahr für Frankreich und Europa dar, sogar wenn er Territorien verliert. Manche würden sogar sagen, dass die Gruppe ihre Niederlagen in Irak und Syrien mit Attacken in Europa wettmachen könnte.

Zivile Wohngebäude nach Bombardement durch die US-geführte Anti-IS-Koalition in Mosul, Irak.

Ein Berater der französischen Regierung erklärte dem Wall Street Journal, dass das Ziel der geheimen Kooperation ist, französische Staatsangehörige, die als mutmaßliche IS-Kämpfer ins Visier von Paris geraten sind, niemals nach Europa zurückkehren zu lassen.

Französische Spezialeinheiten schon seit 2016 im Irak

"Die französische Armee arbeitet eng mit ihren irakischen und internationalen Partnern zusammen", sagte eine Pressesprecherin im Pariser Verteidigungsministerium. Sie weigerte sich, die Art der Kooperation ausführlicher zu kommentieren.

Auf die Frage von RT Deutsch, ob Frankreich unter dem neuen Präsident Macron seine Präsenz in Nahost ausbauen könnte, sagte Horowitz:

Ich bezweifle, dass die Entsendung von Spezialeinheiten in den Irak von Macron selbst kam. Ich glaube, dass Paris das schon seit einer Weile verfolgt. Bereits zu Beginn des Vorjahres waren schon französische Sondereinsatzkräfte im Irak.

Dem Wall Street Journal, das am Montag einen umfassenden Bericht herausbrachte, hatte ein hochrangiger irakischer Polizeibeamter eine Liste von 27 mutmaßlichen IS-Mitgliedern vorgelegt. Diese werden von französischen Behörden mit Bild und weiteren Informationen gesucht. Die irakischen Regierungstruppen erhielten die Todesliste bei Beginn der Offensive auf Mossul im Oktober 2016.

Der Nahost-Analyst Kabir Taneja von der Observer Research Foundation teilte RT Deutsch mit, dass ähnliche Operationen wie jene der französischen Kräfte im Irak auch in Syrien denkbar sind. Er äußerte mit Blick auf das westliche Misstrauen gegenüber der Regierung Assad:

Für Operationen dieser Art ist Syrien komplizierter als der Irak. Frankreich und der Westen haben in der irakischen Armee einen Verbündeten, mit dem sie kooperieren können. Eine solche Kraft ist für sie in Syrien nicht vorhanden.

Am vergangenen Freitag räumte das Verteidigungsministerium von Frankreich ein, Spezialeinheiten ohne Autorisierung vonseiten der syrischen Regierung in Nordsyrien zur Unterstützung der PKK-nahen kurdischen YPG-Miliz zu unterhalten. Diese operieren gemeinsam mit rund 900 US-amerikanischen Sondereinsatzkräften.

Vorgehensweise hilft, Gesetzen des eigenen Landes auszuweichen

Der Experte Taneja erklärte weiter, dass Frankreich indirekt mit dem Krieg gegen den Terrorismus im Ausland eigene kriegsrechtliche Verpflichtungen umgehen könnte. RT Deutsch gegenüber bemerkte er:

Ich kann mir vorstellen, dass die französischen Spezialeinheiten auf diese Weise verhindern, selbst nationales oder europäisches Recht gegenüber eigenen Bürgern zu verletzen, wenn sie über die irakische Armee operieren. Frankreichs Militär spielt der Umstand in die Hände und es muss seine eigenen Bürger, die dem IS beigetreten waren, nicht direkt angehen.

Die Beziehungen zwischen Staaten der Anti-IS-Koalition seien durchaus auch von handfesten Interessen wirtschaftlicher Art geprägt. Demnach erläuterte Taneja von der Observer Research Foundation:

Länder wie Frankreich profitieren von der Zerstörung des IS im Irak oder jedem anderen Land. Unabhängig davon, ob solche Vereinbarungen in der Realität wirklich existieren, ist klar, dass Länder, die beim Kampf gegen IS aktiv sind, auch Lobbyarbeit in Bagdad betreiben. Sie wollen einen priorisierten Platz beim Wiederaufbau des Landes.

Der so genannte Islamische Staat brach 2014 von Syrien aus im Irak ein und eroberte weite Landstriche. Die Organisation nahm unter anderem Mossul ein, die zweitgrößte Stadt des Landes.

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