Lawrow: Westliche Staaten für Chaos und Terrorismus in Nahost und Nordafrika verantwortlich

Lawrow: Westliche Staaten für Chaos und Terrorismus in Nahost und Nordafrika verantwortlich
Der russische Außenminister hob die Verantwortung westlicher Staaten für die Ausbreitung terroristischer Bewegungen im Nahen Osten hervor.
Die Politik der westlichen Staaten im Nahen Osten hat in der Region zum Chaos geführt. Dies erklärte der russische Außenminister während eines Besuchs in Ägypten. Libyen etwa habe sich zu einem "Hinterhof für Terroristen" entwickelt.

Die westlichen Staaten, die im so genannten Großraum Mittlerer Osten Regimewechsel unterstützt und Kämpfer finanziert haben, tragen die Verantwortung für das Chaos, das jetzt in der Region wütet, erklärte der russische Außenminister Sergej Lawrow während seines Besuchs in Kairo. Der Spitzendiplomat Russlands flog am Montag zusammen mit dem russischen Verteidigungsminister Sergej Schoigu in die ägyptische Hauptstadt. Dort trafen sie sich mit ihren ägyptischen Amtskollegen. 

Der Kampf gegen den Terrorismus stand an der Spitze der Tagesordnung. Beide Seiten bekräftigten, dass der Kampf gegen die globale terroristische Bedrohung vereint geführt werden muss, um wirksam zu sein. 

Der jüngste Angriff auf die koptischen Christen zeigt erneut, dass Aufmerksamkeit geboten ist. Wir stehen vereint in unserem Bestreben, die gegen den Terrorismus gerichteten Anstrengungen weltweit zu stärken", erklärte Lawrow auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem ägyptischen Außenminister.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow und sein philippinische Kollege Alan Peter Cayetano in Moskau am 25 Mai 2017.

In diesem Zusammenhang verwies er auf den Terrorangriff in der Stadt al-Minya am Freitag der Vorwoche, bei dem 28 Menschen starben und Dutzende verletzt wurden. Der so genannte Islamische Staat bekannte sich zum Anschlag. Daraufhin bombardierten die ägyptischen Luftstreitkräfte Stellungen dschihadistischer Kämpfer im benachbarten Libyen.

Europa gab seinen Dschihad-Touristen freies Geleit

Am Samstag erklärte das ägyptische Verteidigungsministerium, dass die Streitkräfte erfolgreich alle Ziele der Operation vernichtet haben, einschließlich der Rückzugsgebiete der Kämpfer und deren Ausbildungslager. 

Während der Pressekonferenz sprach Lawrow die immer noch andauernde libysche Krise an, die eine Sicherheitsbedrohung für benachbarte Staaten wie Ägypten darstelle. Er verwies auf das Mitwirken westlicher Staaten hinsichtlich der Krise im nordafrikanischen Land, die nur zur Demontage seiner Staatlichkeit geführt habe. Letztendlich habe sich Libyen dadurch zu einem "Hinterhof für Terroristen" entwickelt. 

Libyen wurde bombardiert und seine Regierung gewaltsam gestürzt. Es wurde in einen Hinterhof für Terroristen und Kriminellen verwandelt. Man hat dem Land mithilfe von Kämpfern aus Europa einen Regimewechsel aufgezwungen. Die Extremisten konnten ihre Länder verlassen, weil jeder wusste, wohin sie gingen und was sie dort tun wollten. Und dann konnten sie wieder zurückreisen", erklärte der russische Außenminister. "Jetzt sehen wir die Konsequenzen dieser verantwortungslosen Politik." 

Die westlichen Staaten müssten die Verantwortung für das Chaos übernehmen, das aus ihren Aktionen resultierte, fügte Lawrow hinzu.

Kurz zuvor hatte sich Lawrow mit dem Generalsekretär der Arabischen Liga, Ahmed Aboul-Gheit getroffen. Dieser sagte später zur RT-Korrespondentin Maria Finoshina, dass er die ägyptischen Luftangriffe auf die Terroristenstellungen in Libyen befürwortet. 

Flugverkehr zwischen Russland und Ägypten soll wieder stattfinden

Schoigu besprach mit seinem ägyptischen Kollegen primär die Bekämpfung des Terrorismus und des Extremismus. Die Minister vereinbarten, weiterhin Geheimdiensterkenntnisse miteinander zu teilen. Auch besprachen sie, gemeinsame Truppenübungen und militärische Ausbildungsgänge durchzuführen.

Die russischen und ägyptischen Minister hielten anschließend ein gemeinsames Treffen mit dem ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi durch, auf dem sie die regionalen Konflikte im Nahen Osten und in Nordafrika erörterten.

Im Oktober 2015 starben 224 Menschen, überwiegend russische Bürger, nachdem eine selbstgebaute Bombe an Bord eines Flugzeugs über der Sinai-Halbinsel detoniert hatte. Der Islamische Staat bekannte sich zu dem Anschlag. Anschließend untersagten mehrere Staaten, einschließlich Russlands, ihren Bürgern und Fluglinien Flüge nach Ägypten. Derzeit arbeite Kairo jedoch an einer Verbesserung der Sicherheitsvorkehrungen. Dem ägyptischen Außenministerium zufolge sollen innerhalb kürzester Zeit wieder Flüge von Russland nach Ägypten aufgenommen werden können.