US-Armee verliert Waffen und Equipment im Wert von einer Milliarde US-Dollar in Nahost aus den Augen

US-Armee verliert Waffen und Equipment im Wert von einer Milliarde US-Dollar in Nahost aus den Augen
Eine Überprüfung des US-Verteidigungsministeriums hatte zum Ergebnis, dass Waffen und Ausrüstungen im Wert von einer Milliarde US-Dollar, die für Iraks Armee und Koalitionstruppen gedacht waren, vom Radar verschwunden sind. Wo sie landeten, ist ungewiss.

Eine kürzlich veröffentlichte und deklassifizierte Überprüfung des US-Verteidigungsministeriums hatte zum Ergebnis, dass nicht bekannt ist, was mit Waffen und Ausrüstung im Wert von einer Milliarde US-Dollar geschehen ist, die für die irakische Armee vorgesehen waren. Die Ursache dafür liege in einer nachlässigen Buchführung vonseiten der Armee und daraus resultierenden mangelhaften Berichten an das Pentagon.

Das Büro des Generalinspekteurs veröffentlichte die Erkenntnisse des Pentagons vom September 2016 am Mittwoch infolge eines Antrags der NGO Amnesty International gemäß des US-amerikanischen Informationsfreiheitsgesetz (FOIA).

Amnesty International: "Fehlerhaftes und potenziell gefährliches System"

Waffen und militärische Ausrüstung im Wert von einer Milliarde US-Dollar, die im Rahmen des Fonds zum Training und zur Ausstattung des Iraks (ITEF) an die irakische Regierung gehen und dieser bei der Bekämpfung des Islamischen Staates helfen sollten, konnten im Zuge der Untersuchung des US-Verteidigungsministeriums nicht aufgefunden werden.

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Das Erste Versorgungskommando im Einsatzgebiet (1st TSC) der US-Armee hatte, so hieß es im Bericht,

keine wirksamen Kontrollen, um die vollständige Transparenz und Rechenschaftspflicht für die ITEF-Ausrüstung in Kuwait und im Irak vor der Übergabe der Militärwaren an die Regierung des Irak zu gewährleisten.

Diese Prüfung biete einen beunruhigenden Einblick in das fehlerhafte und potenziell gefährliche System der US-Armee, um den Waffenverkehr im Wert von Millionen von US-Dollars in einer sehr brisanten Region zu kontrollieren, erklärte Patrick Wilcken, ein Amnesty International-Forscher im Bereich Waffenkontrolle und Menschenrechte in einer Meldung auf der Website der Organisation.

Es ist ein besonders ernüchternder Teil der langen Geschichte von Verlusten von US-Waffen an mehrere bewaffnete Gruppen, die Gräueltaten im Irak begehen, einschließlich jene bewaffneten Gruppierung, die sich selbst als der Islamische Staat bezeichnet.

Die ITEF begann als ein 1,6 Milliarden US-Dollar umfassendes Programm, aber im vergangenen Jahr hat der Kongress noch weitere 715 Millionen US-Dollar hinzugefügt.

Pentagon versprach bereits 2007 bessere Kontrollen

Die Transfers beinhalteten laut Amnesty "Zehntausende von Sturmgewehren im Wert von 28 Millionen Dollar, Hunderte von Mörsergranaten und Hunderte von Humvee-Panzerfahrzeugen". Sie waren für die irakische Armee und die Koalitionstruppen vor Ort gedacht, die überwiegend aus Truppen der schiitischen Volksmobilmachung und kurdischen Peshmerga-Kämpfern besteht.

Während das Pentagon verspricht, die Lage künftig zu verbessern, schenkt Amnesty International diesen Zusicherungen wenig Glauben. Amnesty weist darauf hin, dass Gleiches bereits gegenüber dem Kongress im Jahr 2007 zum Ausdruck gebracht wurde, als ähnliche Bedenken entstanden waren.

Nach all den Jahren und all diesen Warnungen tauchen die gleichen Probleme wieder auf. Dies sollte ein dringender Weckruf für die USA sein und für alle Länder, die Waffen an den Irak liefern, dass diese dringend die Kontrollen und Überwachungen besser steuern sollen. Waffen im Wert von Millionen US-Dollar in ein schwarzes Loch zu senden und dabei auf das Beste zu hoffen, ist keine tragfähige Anti-Terrorismus-Strategie - das ist grob fahrlässig", unterstrich Wilcken.

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