Jemen: Erneute Kommandoaktion der USA gegen Al-Kaida

Jemen: Erneute Kommandoaktion der USA gegen Al-Kaida
Symbolfoto: Nach Angaben des Pentagon wurde die Kommandoaktion von einer Lockheed AC-130 aus der Luft unterstützt.
Am Dienstag stürmten Spezialkräfte des US-Militärs eine mutmaßliche Al-Kaida-Zentrale im Jemen. Es war die zweite Bodenoperation innerhalb der Amtszeit von US-Präsident Trump. Der erste Einsatz endete mit einem Massaker. Dieses Mal lief alles glatt – zumindest laut Darstellung des Pentagon.

Nach eigenen Angaben hat das US-Militär bei einer Kommandoaktion der Navy SEALs im Jemen sieben Mitglieder Al-Kaidas getötet. Die Operation sei am Dienstag in der Provinz Marib erfolgt und richtete sich demnach gegen ein Anwesen, das von dem jemenitischen Ableger der Terrororganisation – Al-Qaida auf der arabischen Halbinsel (AQAP) – genutzt worden sei. In dem dort befindlichen Hauptquartier seien „ausländische Operationen“ geplant worden, erklärte Pentagon-Sprecher Jeff Davis.

Eine jemenitsche Krankenschwester mit einem Cholerapatienten.

Er sprach von „mindestens“ sieben getöteten AQAP-Mitgliedern. Nach CNN-Angaben wurden bei dem Einsatz auch zwei Angehörige des US-Militärs verletzt. Bei der von der US-Luftwaffe unterstützten Erstürmung des Geländes habe es sich um die erste Operation der USA in der Marib-Provinz gehandelt. Nie zuvor seien US-Kräfte so tief ins Landesinnere vorgedrungen, erklärte Davis. Der Angriff sei mit der „jemenitischen Regierung“ abgesprochen worden – gemeint ist die Exilregierung des Ex-Präsidenten Abed Rabbo Mansur Badi in Saudi-Arabien.

Es war der zweite Bodeneinsatz des US-Militärs in dem arabischen Land seit dem Amtsantritt von Präsident Donald Trump – und der erste seit der missglückten Operation im Januar, bei der laut einem ranghohen US-Militär „fast alles schief ging“. Dabei waren ein Angehöriger der Navy SEALs sowie laut einem Eingeständnis des Pentagon „bedauerlicherweise auch zahlreiche Zivilisten“ ums Leben gekommen.

Laut US-Militär wurden bei der jüngsten Operation keine Zivilisten in Mitleidenschaft gezogen. Es gebe „keinerlei glaubwürdige Hinweise“ auf zivile Opfer. Nach Angaben der britischen Journalistin Iona Craig, die seit Jahren aus dem Jemen berichtet, wurden jedoch fünf Stammesangehörige getötet, die nicht Al-Kaida angehören. Das habe sie von Verwandten der Getöteten erfahren, mit denen sie in Kontakt steht.

Die Kommandoaktion unterstreicht die Absicht der Trump-Regierung, sich stärker im Jemen-Krieg zu engagieren. So ist seit Jahresbeginn die Anzahl der US-Drohneneinsätze stark gestiegen. Laut einer Statistik des Analyseportals International Security waren es dieses Jahr bereits 24 unbemannte Einsätze. Zum Vergleich: In den Jahren 2013 und 2015 waren es während des gesamten Jahres 24 Einsätze, im Jahr 2014 lediglich 17. Vergangenes Jahr führten die USA 42 Drohnenoperationen durch.  

Alle in diesem Jahr erfolgten Drohnen-Angriffe richteten sich gegen AQAP. Die Terrororganisation konnte im Zuge des von Saudi-Arabien geführten Krieges große Landstriche einnehmen und ihre Position im Jemen deutlich ausbauen. Das Verhältnis Washingtons zu den Dschihadisten ist jedoch von Ambivalenz gezeichnet. Denn AQAP bekämpft die nord-jemenitische Regierung mit Sitz in der Hauptstadt Sanaa.

Deren Sturz ist auch das erklärte Kriegsziel Saudi-Arabiens. Durch den gemeinsamen Feind sind die Al-Kaida-Terroristen laut einer Einschätzung des Foreign Policy Journal „faktisch Partner der von den USA unterstützten und von Saudi-Arabien geführten Kampagne gegen den Jemen“.