Panzer stehen bereit: Israel bereitet sich auf die Zerstörung der Hisbollah vor

Panzer stehen bereit: Israel bereitet sich auf die Zerstörung der Hisbollah vor
Am Rande des Syrienkonflikts eskalieren auch die Spannungen zwischen Israel und der Hisbollah. Eine Neuauflage des Szenarios vom Sommer 2006 erscheint denkbar.
Den Waffenstillstand nach dem Krieg zwischen Israel und der Hisbollah 2006 haben beide Seiten zur Vorbereitung auf mögliche weitere Konflikte genutzt. Israels Militärdoktrin für diesen Fall orientiert sich am Krieg gegen die Hamas 2008.

Vor über zehn Jahren einigten sich Israel und die Hisbollah auf einen von der UNO vermittelten Waffenstillstand, nachdem es im Juli 2006 zu einem 34 Tage dauernden Konflikt in den von Israel besetzten Schebaa-Farmen im Grenzgebiet zwischen Israel, Syrien und dem Libanon gekommen war. Seither haben beide Seiten aufgerüstet.

Die derzeit aufgeheizte Rhetorik und die wiederholten Angriffe der israelischen Streitkräfte (IDF) auf Ziele in Syrien könnten zu einer Eskalation führen. Israel hat seit Januar 2013 immer wieder Luftangriffe auf vermutete Hisbollah-Konvois geflogen. Unter anderem sollte damit verhindert werden, dass die israelische Luftüberlegenheit gegenüber der vom Libanon aus operierenden Miliz durch deren Aufrüstung mit Flugabwehrwaffen bedroht würde.

Straßenszene in der syrischen Hauptstadt Damaskus

Sollte es eine weitere kriegerische Auseinandersetzung geben, würde Israel zu einer weitaus größeren Offensive als 2006 ausholen, so Nicholas Blanford, Autor des 2011 erschienenen Buchs Warriors of God: Inside Hezbollah's Thirty-Year Struggle Against Israel.

Eine Woche für die Zerschlagung der Hisbollah-Infrastruktur

Einflussreiche Stimmen in Israel rufen bereits seit einiger Zeit nach einem Angriff auf Hisbollah, solange die Miliz in Syrien aktiv ist. Man würde dafür ungefähr eine Woche Raketen-Attacken auf Israel in Kauf nehmen, um im Gegenzug Infrastruktur der Hisbollah im Libanon zu zerstören und damit deren Kapazitäten um einige Jahre zurückzuwerfen. Derzeit geht man in Israel davon aus, dass eine vierstellige Anzahl an Kassam-Raketen von Hisbollah-kontrolliertem Territorium im Libanon aus auf das Land gerichtet ist.

Doch Blanford hält die Überlegung, die Gunst der Stunde während der Hisbollah-Präsenz in Syrien zu einem solchen Schlag zu nutzen, für eine massive Fehleinschätzung. Er geht davon aus, dass Israel sich im Klaren ist, dass eine Attacke auf die Hisbollah, welche nicht ihrerseits provoziert wurde, auch international negativ auf Israel zurückfällt. Insbesondere dann, wenn es vermehrt zivile Opfer auf der libanesischen Seite geben sollte. Davon sei auszugehen, da Israel zweihundert Siedlungen im Süden Libanons bombardieren könnte, wo sich die meisten der Raketenwerfer der Hisbollah befinden, welche im Kriegsfall bis zu 1.500 Raketen gen Israel abfeuern könnten.

Nach Uno-Angaben starben infolge der israelischen Angriffe in dem kurzen Krieg im Libanon 1.200 Menschen, wobei eine exakte Aufschlüsselung zwischen Zivilisten, Soldaten und Hisbollah-Kämpfern vonseiten der proiranischen Miliz nicht stattgefunden hat. Hisbollah hingegen tötete 160 Israelis, in der Mehrzahl israelische Soldaten auf libanesischem Territorium, jedoch auch 44 Zivilisten durch Raketenangriffe auf Israel.

Hohe Verluste absehbar

Obwohl Israel und die Hisbollah nicht auf militärischem Gleichstand sind, birgt ein solcher Krieg auch für Israel einige Gefahren und könne verlustreicher sein als frühere Konflikte oder gar als alle bisherigen konventionellen Kriege Israels. Eine israelische Militärquelle sagte der Jerusalem Post, dass die Umstände im Jahr 2015 eine "Win-Win-Situation" für die Hisbollah darstellen würden. Wenn Israel angreift, würden Zivilisten getroffen. Wenn Israel nicht angreift, wäre das ebenfalls gut für Hisbollah. Israel hingegen müsste nach Einschätzung von Blanford im Fall eines Krieges vollständig stillgelegt werden, es könnte weder See- noch Lufttransport geben, Schulen und Geschäfte müssten geschlossen werden.

Betende Juden an der Klagemauer in Jerusalem, Israel; 3. September 2013.

Raketen der Hisbollah könnten gezielt auf Infrastruktur, Militärbasen, Regierungsgebäude und Häfen oder Industriezentren abgefeuert werden. Auch könnte die Hisbollah Guerilla-Taktiken nutzen, um Chaos zu stiften.

Der Hisbollah-Generalsekretär Nasrallah drohte am 11. Mai gar, dass Israel seit zehn Jahren nur leere Drohungen gegen die Hisbollah ausspreche, weil es befürchten müsse, dass der nächste Konflikt auf israelischem Territorium stattfinde. Dadurch wären sowohl israelisches Ansehen als auch Kampfgeist stark getroffen.

Manöverkrieg gegen die Hisbollah im Libanon

Blanford, der auch als Analyst beim Atlantic Council arbeitet, sieht die Lösung darin, dass Israel Bodentruppen schicken müsse. Denn durch Luft- und Artillerieangriffe in den Jahren 1993, 1996 und 2006 ist Israel kein langfristiger strategischer Sieg gelungen. Hisbollah habe nun elf Jahre Zeit gehabt, um seine Verteidigungsreihen für den Fall einer israelischen Bodenoffensive in Stellung zu bringen.

Auch Brigadegeneral Sharon Afek spricht sich für Bodeneinsätze aus, da sich Hisbollah-Kämpfer typischerweise in urbanen Umgebungen aufhalten. Daher bereite die IDF eine großangelegte, zügige Bodeninvasion im Süden Libanons vor, einen Manöverkrieg, der dazu dient, den Kampf in das feindliche Territorium zu tragen, um Reaktionen der Hisbollah zu provozieren und dadurch die Kämpfer einfacher erkennen und töten zu können.

Der Analyst Matthew F. Quinn schreibt mit Blick auf den Kriegsverlauf 2006, dass israelische Infanterie angesichts der unkonventionellen Taktik der Hisbollah dazu hätte eingesetzt werden müssen, Raketenwerfer ausfindig zu machen und genauer zu treffen. So konnten bis zum Waffenstillstand Kurzstreckenraketen auf den Norden Israels abgefeuert werden.

Die Bodenkräfte der IDF seien dabei lediglich als Wachtruppen eingesetzt worden, statt sie in die Kriegsführung zu integrieren. Der hybride Gegner konnte effektiver kämpfen als die Palästinensermilizen während der Intifadas, wodurch es auch zu einer relativ hohen Anzahl an Verlusten unter israelischen Soldaten kam.

Bildquelle: IDF

Dabei sollte genau dies vermieden werden, indem man auf Luftangriffe und Artillerie setzte, zumal der israelischen Bevölkerung solche Opfer widerstrebten. Daher sei die Armee zudem übermäßig vorsichtig vorgegangen. Dennoch seien mindestens 121 Soldaten ums Leben gekommen und 1.200 verletzt worden.

Der israelische Militäroffensive gegen die Hamas im Gaza-Streifen Ende des Jahres 2008 wird von der IDF hingegen als Erfolg gewertet. Die so genannte Operation Gegossenes Blei, der schwerste Luftangriff des Nahostkonflikts seit 1967, überraschte die Hamas durch seine Vehemenz. Israel setzte dabei auf eine Kombination von Waffen, Infanterie, Artillerie, Geheimdienst und Luftwaffe und verlor selbst nur zehn Soldaten, davon vier durch eigene Kräfte.

Quinn sieht daher diese Art des Angriffs als Erfolgsrezept, zumal ansonsten das Kriegsergebnis 2009 im Gaza-Streifen ähnlicher jenem von 2006 gegen die Hisbollah gewesen sei.

Die IDF haben seither auch ihre Aufklärungs- und Spezialeinheiten verstärkt, darunter stark bewaffnete Namer-Panzer, welche darauf ausgerichtet seien, kleine Kampftruppen wie die der Hisbollah ausfindig zu machen und zu zerstören.