Dutzende tote Zivilisten in Deir ez-Zor: USA leugnen Verantwortung für Luftangriff

Dutzende tote Zivilisten in Deir ez-Zor: USA leugnen Verantwortung für Luftangriff
Symbolbild: Ein Motorrad-Fahrer zwischen zerstörten Gebäuden in der von Dschihadisten gehaltenen Stadt Deraa; 23. April 2017.
Am Sonntag starben mindestens 40 Zivilisten, darunter viele Frauen und Kinder, in der syrischen Provinz Deir ez-Zor. Die Region kontrollieren die vom Westen unterstützten Rebellen. Syriens Regierung beschuldigt die US-geführte Anti-IS-Koalition.

Am Dienstag hatte die syrische Regierung bekannt gegeben, dass nach ihren Informationen die US-geführte Koalition für die Luftangriffe in der östlichen Provinz Deir ez-Zor verantwortlich ist. Der Einsatz führte zu zahlreichen zivilen Opfern. Damaskus sprach von einer "eklatanten Aggression gegen das syrische Volk" und einer "Verletzung der syrischen Souveränität und territorialen Integrität".

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Nun behauptet der zuständige Kommandant der US-Armee, dass seine Flugzeuge das Gebiet nicht bombardiert hätten. Der Angriff auf die Stadt Al-Bukamal im Osten der Proivinz Deir ez-Zor kostete mindestens 31 Menschen das Leben. Zahlreiche zivile Gebäude wurden zerstört.

Das zuständige Ministerium in Damaskus geht davon aus, dass die Zahl der Toten weiter steigt. Zahlreiche Bewohner seien vermutlich unter den Trümmern begraben. Außerdem sind in der Provinz Rakka mindestens 26 Menschen im Dorf Al-Ekirshi-in ums Leben gekommen. Auch dort trafen Bomben der so genannten Internationalen Koalition die Wohngebiete.

Auch Rebellen gehen von Angriff der Koalition aus

Selbst die Öffentlichkeitsarbeit der vom Westen unterstützten Rebellen benannte die Internationale Koalition als verantwortlich. Die Aktivisten nennen zwar geringere Opferzahlen, aber auch sie sprechen seit Montag von "unbestätigten Berichten über ein angebliches Massaker" in Al-Bukamal. Laut Quellen der Opposition handelt es sich um mindestens 42 Opfer, darunter mindestens elf Kinder, sechs Frauen und 14 irakische Flüchtlinge, die vor dem so genannten Islamischen Staat geflohen waren.

Die syrische Regierung in Damaskus verurteilte die Luftangriffe erneut als Verletzungen des Völkerrechts. Sie verweist auf die UN-Charta und fordert, dass er Sicherheitsrat der UNO sich mit den Vorfällen beschäftigt. Da jedoch die USA, Frankreich und Großbritannien dort die Untersuchung gegen die von ihnen geführte Koalition leiten müssten, bestehen wenig Chancen für die syrische Regierung, die "wahllose Bombenkampagne" zu stoppen.

USA: "Unsere Flugzeuge waren anderswo im Einsatz"

Mittlerweile widersprach ein Vertreter der US-Armee den Berichten über eine Beteiligung der US-geführten Koalition an den Angriffen auf Al-Bukamal. Nach Darstellung der US-Armee haben deren Flugzeuge zur selben Zeit Ziele in anderen Regionen angegriffen.

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Wir haben zu diesem Zeitpunkt, als es angeblich zu zivilen Opfern kam, keine Angriffe durchgeführt", erklärte Oberst Ryan Dillon von der US-Armee gegenüber Reuters. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass die Koalition Angriffe gegen "terroristisch kontrollierte Öl-Infrastruktur" etwa 50 Kilometer vor Al-Bukamal durchgeführt habe.

Nach Meinung von Oberst Dillon hätten "einige andere Länder", die er nicht identifizieren wollte, die Bombenangriffe auf Al-Bukamal geflogen. Im vergangenen Monat hatte die Koalition gegen den IS überraschend niedrige Zahlen in Bezug auf zivile Opfer bekannt gegeben. Nach Darstellung der Koalition seien bei Luftangriffen in Syrien und im Irak von August 2014 bis März 2017 nur 352 Menschen ums Leben gekommen. 

Menschenrechtsorganisation sprechen von höheren Opferzahlen

Obwohl sich belegte Berichte über zivile Opfer im Irak und Syrien immer stärker häufen, gibt die Leitung der Operation Inherent Resolve an, dass weniger als ein Prozent aller Luftangriffe druch die Koalition zivile Opfer fordern. Unabhängige Schätzungen halten die von den USA offiziell anerkannten Zahlen für stark untertrieben. Menschenrechtsorganisationen gehen von mehreren tausend Opfern der alliierten Luftangriffe aus.

Besonders kritisch ist die Situation im irakischen Mossul. Dort sind bis zu 350.000 Menschen eingeschlossen, während die internationale Koalition seit Monaten die belagerte Stadt bombardiert. Neben dem Mangel an Nahrung und Wasser besteht für die Bevökerung täglich das Risiko, von Luftangriffen getroffen zu werden. Etwa 630.000 Menschen haben es bisher geschafft, aus der Stadt zu fliehen.