Vor den Wahlen im Iran: Grubenunglück wird zum Politikum

Vor den Wahlen im Iran: Grubenunglück wird zum Politikum
Hassan Rouhani, iranischer Präsident, besucht die Unglücksstelle in Azadshahr, Provinz Golestan; Iran, 7. Mai 2017.
Eine Gasexplosion in der Provinz Golestan forderte 35 Menschenleben. Tage danach besuchte Irans Präsident Rouhani die Unglücksstelle. Dabei griffen ihn mutmaßliche Revolutionsgardisten an. Das Unglück kurz vor der Wahl am 19. Mai wird politisch ausgebeutet.

Im Norden des Iran ereignete sich vergangene Woche in einem Kohlebergwerk eine Gasexplosion. Das Unglück forderte 35 Menschenleben, mehr als 70 Menschen wurden verletzt. Tage nach dem Unglück, am 7. Mai, besuchte der iranische Präsident Hassan Rouhani die Provinz Golestan und den Unglücksort in Azadshahr.

Nach Gesprächen mit den Arbeitern und deren Familienangehörigen bildete sich inmitten der zuvor friedlichen Zusammenkunft eine gewaltbereite Menge. Es tauchten Männer auf, die Hassan Rouhani mit Eiern bewarfen und sein Auto angriffen.

Hassan Rouhani nach der Registrierung für seine erneute Wahlteilnahme; Teheran, Iran, 14. April 2017.

Über die Identitäten der festgenommenen Demonstranten gibt es unterschiedliche Angaben. Gerüchten zufolge soll es sich bei ihnen nicht um Arbeiter oder deren Angehörige gehandelt haben, sondern um Angehörige der Iranischen Revolutionsgarden, die dem geistlichen Oberhaupt der Islamischen Republik, Ayatollah Ali Khamenei, unterstehen.

Am 19. Mai wählt der Iran einen neuen Präsidenten. Hassan Rouhani, der als Reformer gilt, ist den Konservativen verhasst. Er stellt sich erneut zur Wahl. Auf dem Spiel steht das Nuklearabkommen, welches Rouhani unter seine Amtszeit unterzeichnet hatte. Die Konservativen werfen ihm vor, dass sich der Iran mit diesem Abkommen dem Westen beuge.

Hassan Rouhani hatte zudem Reformen versprochen, um die strengen islamischen Regeln zu lockern und die Rechte des Einzelnen zu stärken. Auch der ehemalige Präsident Mahmoud Ahmadinejad wollte wieder an die Macht. Khamenei aber verbot ihm die Teilnahme. 

Maryman Rajavi, Anführerin der Peoples' Mujahedin of Iran, einer im Exil ansässigen und von mehreren Ländern als terroristisch eingestuften Organisation, die die iranische Regierung stürzen will, hat das Grubenunglück auf ihrem Twitteraccount wie folgt kommentiert:

Bilder des Unglücks:

Die iranischen Fars News mit Verbindungen zu den iranischen Revolutionsgarden machten auf den Protest anlässlich des Rouhani-Besuchs aufmerksam, in den iranischen Medien der Press-TV-Gruppe fand dieser hingegen keine Erwähnung.

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