Israelischer Luftangriff auf Flughafen Damaskus: Informationen und Hintergründe

Israelischer Luftangriff auf Flughafen Damaskus: Informationen und Hintergründe
Straßenszene in der syrischen Hauptstadt Damaskus
Am internationalen Flughafen der syrischen Hauptstadt Damaskus haben sich am Donnerstagmorgen mehrere schwere Explosionen ereignet. Die Detonationen sollen noch im 25 Kilometer entfernten Damaskus zu hören gewesen sein. Große, schwarze Rauchwolken stiegen in den Himmel.

Nach bisher unbestätigten Angaben des libanesischen Fernsehsenders Al-Manar seien Öltanks und ein Lager getroffen worden und explodiert. Weiter hieß es, dass vermutlich die israelische Luftwaffe für den Angriff verantwortlich ist. Eine Sprecherin des israelischen Militärs sagte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters:

Wir können solche Berichte nicht kommentieren.

Nach Reuters-Informationen habe ein israelischer Luftangriff ein Waffenlager der Hisbollah zur Explosion gebracht. Demnach sein eine große Anzahl von Waffen vernichtet worden. Israels Geheimdienstminister Yisrael Katz sagte im Armee-Rundfunk, der Angriff entspreche Israels Politik, den "Iran am Schmuggel von Waffen nach Syrien" zu hindern und fügte hinzu:

Natürlich werde ich dies aber nicht näher ausführen.

Laut Al-Masdar News habe es in den frühen Morgenstunden fünf Luftschläge gegeben. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte mehrfach angekündigt, Israel werde handeln, wenn die Hisbollah weiter mit Waffen ausgerüstet werde. Israelische Regierungsvertreter hatten gedroht, mit der Lieferung fortschrittlicher Waffentechnik an Hisbollah-Stellungen in Syrien werde eine "rote Linie" überschritten, die zu Angriffen führen werde.

Die libanesische Hisbollah-Miliz kämpft in Syrien zusammen mit der regulären Regierung gegen Dschihadisten, die vom Westen und aus den Golfstaaten unterstützt werden. Insbesondere die Terrororganisation "Islamischer Staat" operiert an ihrer Südfront direkt an der Grenze zu Israel. Die Hisbollah gerät dabei immer wieder ins Visier der israelischen Luftwaffe.

Laut dem israelischen Minister für Nachrichtendienste, Yisrael Katz, seien die nächtlichen Explosionen "konsistent mit der Politik, Waffentransporte der Hisbollah zu verhindern".

Seit geraumer Zeit ist der israelischen Regierung daran gelegen, die US-Regierung davon zu überzeugen, härter gegen den Iran vorzugehen. Es geht demnach vor allem darum, den Iran daran zu hindern, eine dauerhafte militärische Präsenz in Syrien zu etablieren. Minister Katz plädierte gegenüber der US-Regierung in diesem Zusammenhang für weitere Sanktionen gegen den Iran und die libanesische Hisbollah:

Ich möchte eine Übereinkunft zwischen den USA und Israel herbeiführen. Der Iran muss daran gehindert werden, dauerhaft in Syrien zu Luft, zu Land und zu Wasser militärisch präsent zu sein", zitiert Reuters den israelischen Minister für Nachrichtendienste.

Vor allem möchte die israelische Regierung auch Moskau davon überzeugen, Teheran fallen zu lassen. Laut Katz gehe es nicht darum, die USA dazu zu bringen, weitere Einheiten nach Syrien zu verlegen, sondern den Iran "auch durch Gespräche mit den Russen" unter Druck zu setzen und gleichzeitig "dem Iran mit Sanktionen und anderen Dingen zu drohen".

Laut Reuters sei es Ziel der Israelis, Russland dazu zu bewegen, den Iran in seinen Aktivitäten in Syrien zu bremsen. Auch wenn Moskau demnach nicht Willens sei, seine Unterstützung des Irans in Syrien aufzugeben, zeichne sich mutmaßlich dennoch ab, dass Russland ein langfristiges militärisches Engagement Teherans in Syrien als potenziell destabilisierenden Faktor einordnen könnte. 

Bei einem mutmaßlichen israelischen Angriff auf ein Lager der syrischen Armee wurden nach Angaben von Beobachtern zudem am vergangenen Sonntag mindestens drei Soldaten getötet. Der Angriff habe demnach ein Lager der Nationalen Verteidigungskräfte (NDF) in Kunaitra auf der syrischen Seite der Golan-Höhen getroffen, hieß es aus syrischen Militärkreisen.

Bereits im Januar vermeldete die syrische Regierung, dass die israelische Luftwaffe den Militärflughafen Masseh im Südwesten der Hauptstadt Damaskus angegriffen habe. Durch die Explosionen sei es zu einem Feuer gekommen und vier Menschen wurden verletzt.

Bislang gibt es keine Angaben über mögliche, auch zivile Opfer des aktuellen Luftangriffs. Die syrische Regierung hat den Zwischenfall noch nicht kommentiert. (dpa/reuters/rt deutsch)

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