Tausende inhaftierte Palästinenser treten aus Protest gegen Haftbedingungen in den Hungerstreik

Tausende inhaftierte Palästinenser treten aus Protest gegen Haftbedingungen in den Hungerstreik
Männer stellen die Rollen der hungerstreikenden palästinensischen Gefangenen und israelischen Soldaten nach; Palästinensisches Gebiet, Gaza-Stadt, 17. April 2017.
Mehr als Tausend inhaftierte Palästinenser sind in Israel in einen unbegrenzten Hungerstreik getreten. Sie fordern eine Verbesserung ihrer Haftbedingungen. Nach einer Welle der Gewalt gegen Israelis steigen die Haftzahlen. Auch Journalisten, die über die Bedingungen des Lebens in Haft berichten wollen, werden schnell festgenommen.

Mit dem "Tag der Gefangenen" wurde in Israel der Hungerstreik von über 1.000 palästinensischen Häftlingen eingeläutet. Angaben über die genaue Anzahl der Hungerstreikenden schwanken. Während die israelische Gefängnisbehörde von rund 1.100 palästinensischen Inhaftierten sprach, waren es laut Häftlingsvereinigung sogar 1.500. Der Hungerstreik soll zeitlich unbegrenzt sein. 

Als Reaktion wurden durch die Behörde disziplinarische Maßnahmen ergriffen und die Streikenden voneinander getrennt. Die palästinensische Politikerin Hanan Aschrawi kritisierte das Vorgehen der Haftverwaltung. Ohne eine Anklage könnten die Gefangenen sechs Monate lang festgehalten werden. Darüber hinaus könne die Inhaftierung beliebig fortgesetzt werden. Derzeit sitzen 6.300 Palästinenser in Haft, so die Gefangenenorganisation Addameer

Ein Überlebender von Auschwitz zelebriert den Jahrestag der Befreiung des nationalsozialistischen Vernichtungslagers und gedenkt der Opfer; Polen, 27. Januar 2014.

Laut eines Berichts der Organisation sollen allein im März diesen Jahres 509 Palästinenser aus dem Westjordanland, dem Gazastreifen und aus Jerusalem verhaftet worden sein. Darunter sind auch 13 Frauen und 75 Kinder. Unter den 6.300 Palästinensern sollen 300 Kinder sein. Die Organisation prangert die dauerhafte Drangsalierung der Gefangenen durch die Gefängnisangestellten an. Auch sei die Verweigerung medizinischer Hilfe in israelischen Gefängnissen an der Tagesordnung. Addameer beklagt auch die Festnahmen von Journalisten, die wegen ihrer Berichterstattung zur Lage der Palästinenser inhaftiert wurden. 

Der Initiator des Streiks war Marwan Barghuthi, der zu fünfmal lebenslanger Haft und zusätzlichen 40 Jahren für versuchten Mord verurteilt wurde. Trotz seiner Inhaftierung ist Barghuthi politisch aktiv und agiert für die Fatah. Manche sehen ihn als legitimen Nachfolger des palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas an. Die Inhaftierten fordern im Konkreten die Installation von Telefonen und Fernsehern sowie eine Erleichterung der Besuchszeiten und -möglichkeiten. Sie verlangen das Ende der Isolationshaft und der administrativen Inhaftierung. Einige Palästinenserorganisationen unterstützen den Streik, darunter die populäre Befreiungsfront Palästinas und die Gefangenen der Hamas. 

Auch die israelische Zeitung "Haaretz" verzeichnet einen Anstieg der Gefangenenzahlen innerhalb der vergangenen 18 Monate. Dies sei auf die Welle der Gewalt, die im Herbst 2015 begann, zurückzuführen. Seitdem greifen Palästinenser immer wieder Israelis an. 

Addameer verfolgt vier Hauptziele zur Verbesserung der Haftbedingungen: die Abkehr der Isolationshaft, Zugang zu Bildung, Haftbesuche der Familien und eine gesicherte medizinische Versorgung. 

(dpa/ rt deutsch)

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