RT-Exklusiv: "Chemieangriff eine False-Flag-Operation von Rebellen"

RT-Exklusiv: "Chemieangriff eine False-Flag-Operation von Rebellen"
Dass die syrische Armee mit geächteten Waffen gegen die Dschihadisten in Idlib vorgehen würde, widerspricht aus Sicht der russischen Regierung jedweder Logik - zumal die letzten Wochen von einer Verständigung zwischen Armee und den kampfstarken kurdischen YPG-Einheiten gekennzeichnet waren.
Der russische Präsidentensprecher Peskow betont, es gebe keinen Hinweis auf einen Giftgasangriff durch Syriens Armee in Idlib. RT Deutsch sprach mit Experten über den Zwischenfall und Russlands Optionen im Kampf gegen islamistische Rebellen in Nordsyrien.

Russland wird auch weiterhin den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" und Dschihadisten unterstützen, sagte Präsidentensprecher Dimitri Peskow. Auf die Frage, ob Russland weiterhin Assad nach dem Chemieangriff in Idlib unterstützen wird, auch wenn dadurch eine Verschlechterung der Beziehungen zu den USA zu erwarten wäre, sagte Peskow:

Russland und seine Streitkräfte halten an ihren Operationen fest, bis das Land durch die Syrische Arabische Armee befreit ist.

Am Dienstag machten Rebellen die syrische Luftwaffe für einen Chemiegasangriff in Idlib verantwortlich. Insgesamt 80 Menschen starben und 200 weitere wurden verletzt. Die syrische Regierung argumentiert, dass sie keine Chemiewaffen mehr besitzt, nachdem sie sich 2013 mit den Vereinten Nationen darauf einigte, diese zu zerstören. Damaskus wies zurück, chemische Systeme gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt zu haben.

Das russische Verteidigungsministerium meldete am Mittwoch, dass die syrische Luftwaffe in der Nähe von Chan Scheychun einen Luftangriff durchgeführt hat. Dieses traf ein Lager von Terroristen, das mutmaßlich Chemiewaffen aus dem Irak lagerte.

Der Syrien-Experte Enrico Ivanov ist im Gespräch mit RT Deutsch der Meinung, dass der syrische Präsident einen Angriff dieser Art angesichts seiner militärischen Erfolge nicht nötig hat. Ivanov sagte:

Das erscheint mir wie eine False-Flag-Operation. Mit einem Chemieangriff wäre Assad die Person, die am meisten verlieren würde. Er mag durchaus schlecht sein, aber er ist kein Psychopath. Er wird keine Chemiewaffen benutzen, wenn er bereits auf der Gewinner-Seite steht. Der Angriff ist zum Vorteil der Rebellen und Dschihadisten. Die syrische Armee hat bereits fast alle verlorenen Gebiete in Hama zurückerobert.

Bereits in Aleppo hatten die islamistischen Terrormilizen Giftgas eingesetzt. Bisherigen Informationen zufolge, die dem russischen Verteidigungsministerium vorliegen, sollen sie auch in Idlib in der Nähe ziviler Siedlungen an C-Waffen für Gleichgesinnte im Irak gearbeitet haben.

Der Professor für internationale Politik an der britischen Universität von Birmingham, Scott Lucas, widerspricht. "Alle Hinweise weisen auf die syrische Luftwaffe hin. Russland und Assad weisen alle Schuld von sich. Es wird ermittelt, welcher chemische Stoff eingesetzt wurde. Wir warten auf die Reaktion der internationalen Gemeinschaft über die Vereinten Nationen", stellt Lucas auf Anfrage von RT Deutsch dar.

Für den syrischen Journalisten vom Nachrichtenportal al-Masdar, Suliman Mulhem, ist der Zwischenfall ein Hinweis darauf, dass die Rebellen in einer verzweifelten Situation sind. Mulhem sagte RT Deutsch:

Es macht keinen Sinn für Assad, einen Chemieangriff zu riskieren. Die Rebellen versuchen wohl mit diesem Zwischenfall, Damaskus zu diskreditieren. So könnten sie auf zusätzliche militärische Hilfen aus dem Ausland spekulieren, die sie angesichts ihrer schwachen Ausgangslage dringend benötigen, wenn sie in Idlib überleben wollen.

Rebellen in Idlib am Ende?

Straßenzug im zerstörten Mossul, 2. April 2017

Die letzte Hochburg der Rebellen in Nordsyrien nach dem Rebellengebiet unter türkischer Kontrolle in al-Bab ist die Provinz Idlib. Die Freie Syrische Armee und islamistische Rebellen wie das Bündnis Hayaat Tahrir Scham kontrollieren die Provinz an der Grenze zur Türkei. Dem Rebellengebiet werden Teile der Provinzen Aleppo, Latakia und Hama hinzugerechnet. Die einzige Versorgungsroute, die das Rebellengebiet versorgt, ist der Grenzübergang Atmeh in die Türkei. Dieser liegt keine 35 Kilometer vom Kurden-Gebiet der PYD/YPG in Efrin entfernt. Die Kurdenmiliz kooperiert inzwischen eng mit der russischen und syrischen Armee. Anfang März richteten russische Truppen ein Koordinationszentrum im Kanton Efrin ein.

Die Entscheidung löste unter zahlreichen Rebellen-Organisationen in Idlib die Sorge aus, dass Russland gemeinsam mit der YPG den Versorgungsweg in die Türkei kappen könnte, wie Rebellen-Vertreter RT Deutsch mitteilten. Auch der Nahost-Experte Timur Akhmetov bestätigte auf Anfrage von RT Deutsch:

Russland wird sich definitiv auf die Bekämpfung von terroristischen Gruppen im Raum Idlib fokussieren. Um Druck auf diese Gruppen zu machen, insbesondere in Hinblick auf ihre Nähe zur türkischen Grenze, wird Russland seine Anti-Terror-Bemühungen mit kurdischen Kämpfern vor Ort koordinieren.

ForumVostok
MAKS 2017