Post-Brexit: Theresa May trotzt dem Kopftuch und sucht nach neuen Bündnispartnern im Orient

Post-Brexit: Theresa May trotzt dem Kopftuch und sucht nach neuen Bündnispartnern im Orient
Die britische Premierministerin Theresa May und der saudi-arabische Finanzminister Mohammed al-Jadaan beim Besuch der Börse in Riad, Saudi-Arabien; 4. April 2017.
Der zweijährige Brexit-Verhandlungsprozess hat begonnen und Theresa May begab sich in die Ferne, um nach neuen Bündnispartnern zu suchen. In Saudi-Arabien trotzte sie der Kopftuch-Vorschrift und wollte so ein Vorbild für dortige unterdrückte Frauen sein.

Theresa May verweigerte sich bei ihrem Besuch in Saudi-Arabien den dortigen strengen islamischen Kleidervorschriften. Zuvor hatte sie bekannt gegeben, dass sie sich auf diese Weise als Vorbild für unterdrückte saudische Frauen präsentieren wolle. Aber der eigentliche Grund ihrer Reise war nicht die Befreiung der Frau von gesellschaftlichen Zwängen, sondern die Suche nach neuen Bündnispartnern, die dabei behilflich sein könnten, Großbritannien nach dem Brexit auch außenpolitisch wieder zu neuer Stärke zu verhelfen.

Ihr Besuch in Saudi-Arabien erfuhr im eigenen Land starke Kritik, denn Großbritannien fördert die von Riad angeführte Koalition im Jemenkrieg. Jeremy Corbyn von der Labour-Partei sagte, dass britische Waffen dort zu einer humanitären Katastrophe beitragen würden. Die Premierministerin konterte, dass ihr Land auch ein großzügiger Spender von Hilfeleistungen sei. Vor ihrem Besuch in Riad machte sie einen Zwischenstopp in Jordanien.

May traf sich in Saudi-Arabien mit Sarah al-Suhaimi, der Leiterin der saudischen Börse, und mit Kronprinz Mohammed bin Nayef, dem Innenminister des Landes. Saudi-Arabien ist Großbritanniens größter Handelspartner im Mittleren Osten. Die Exporte beliefen sich 2015 auf britische Waren im Wert von mehr als acht Milliarden US-Dollar und diverse Dienstleistungen an die saudischen Regierung.  

NATO-Konvoi trifft in Zentralböhmen ein; Tschechien, 25. März 2017.

Am 29. Mai 2019 wird im Zusammenhang mit dem Brexit der zweijährige Prozess nach Artikel 50 enden und die Europäer sorgen sich um ihr Recht, sich künftig noch frei in Großbritannien bewegen zu können. Theresa May beschwichtigte, wollte sich aber auch nicht zu Entscheidungen drängen lassen. Sie sprach davon, dass auch in den kommenden Jahren EU-Bürger weiterhin ungehindert nach Großbritannien reisen könnten.

Menschenrechte könne May erst mit den Saudis besprechen, wenn sie eine gute Beziehung mit dem Land unterhalte. Von dem saudi-arabischen Regierungsprogramm Vision 2030 erhofft sich May positive Entwicklungen für die Frauen. Dieses Programm will mehr Frauen am Arbeitsplatz sehen. Bisher dürfen Frauen in der Golfmonarchie nicht einmal selbst mit dem Auto fahren.

Mit der zunehmenden Notwendigkeit eines zweiten Einkommens für viele Familien und den zu hohen Kosten für Chauffeurdienste wurden Rufe laut, die unter dem Banner der ökonomischen Notwendigkeit mehr Gleichberechtigung forderten. In der Substanz dient die Vision 2030 allerdings hauptsächlich einer Abkehr des Landes von seiner Abhängigkeit vom Öl und der Suche nach neuen Auslandsinvestitionen. Theresa May erklärte dazu:

Wie ich bereits gesagt habe, als ich am Ende des letzten Jahres in die Golf-Region reiste: Sicherheit am Golf ist Sicherheit bei uns und Wachstum am Golf ist Wachstum bei uns.

Theresa May folgte mit ihrer Anti-Kopftuch-Haltung Michelle Obama und Hillary Clinton, die ebenfalls bei ihren Besuchen in Saudi-Arabien den dortigen strengen Kleidervorschriften eine Absage erteilten.

Am heutigen Tag wird May auf König Salman treffen.