USA stationieren neue Truppen in Syrien & Irak: „Washington hintergeht das syrische Volk"

USA stationieren neue Truppen in Syrien & Irak: „Washington hintergeht das syrische Volk"
Das Pentagon will den „Islamischen Staat“ mit unangekündigten Truppenstationierungen „überraschen“. Die Stationierungen in Syrien und Irak werden „vorübergehende“ Missionen genannt. Sie müssen der Öffentlichkeit nicht preisgegeben werden.

Von Ali Özkök

Der syrische Kurdenpolitiker Jian Omar kritisiert gegenüber RT Deutsch die US-Syrien-Politik: „Washington missbraucht das syrische Volk für seine eigenen Interessen. Es will nur seinen Einfluss gegenüber Russland ausbauen, das sich um die Syrer bemüht.“

„Um einen taktischen Überraschungsmoment und Operationssicherheit gewährleisten zu können, wird die Koalition keine routinemäßigen Informationen mehr über die Kräftezahl, Fähigkeiten, Operationsorte oder Bewegungen von Kräften im Irak und Syrien bekanntgeben“, erklärte Pentagon-Pressesprecher Eric Pahon gegenüber den Los Angeles Times diese Woche.

Ein Vertreter der US-geführten Operation „Inherent Resolve“ bestätigte der Nachrichtenagentur Sputnik, dass Ankündigungen von Truppenstationierungen unter Donald Trump gestoppt wurden. „Der IS soll der Erste sein, der über die zusätzlichen Truppen oder Fähigkeiten der Koalition auf dem Schlachtfeld Bescheid wissen soll“, argumentierte der Militärvertreter.

Ned Price, Sprecher des nationalen Sicherheitsrates unter Präsident Barack Obama, kritisierte den neuen Ansatz der Trump-Verwaltung. Dieser halte entscheidende Details über das US-Militär für die amerikanische Gesellschaft zurück.

„Die Position der Obama-Regierung war, dass das US-Volk ein Recht hatte zu wissen, ob Soldaten in Gefahr sind“, sagte Price. „Es ist wirklich schockierend, dass die gegenwärtige Regierung die Truppen ohne öffentliche Debatte verlegen kann.“

Anfang dieses Monats leakten einige US-Sicherheitsbeamte, dass rund 400 US-Soldaten entgegen der Einladung der syrischen Regierung nach Nordsyrien verlegt wurden. Die Truppen verstärken die Reihen der Kurden-Miliz YPG, die die Demokratischen Kräfte Syriens, SDF, anführt. Andere Berichte weisen auf Pentagon-Beamte hin, die über zusätzliche 300 US-Fallschirmspringer-Einheiten für den Kampf gegen den IS in Mossul informieren.

Während keiner dieser Einsätze offiziell vor ihrer Umsetzung angekündigt wurden, räumte der kommandierende General für Operationen im Nahen Osten Joseph Votel nun am Mittwoch ein, dass die USA ihre Truppenpräsenz erhöht haben.

Jian Omar, Pressesprecher der kurdischen Zukunftsbewegung in Syrien, Teil des größten Oppositionsbündnisses im Rojava-Gebiet, kritisierte gegenüber RT Deutsch die US-amerikanische Kurdenpolitik. Demnach seien die USA nicht nur ein Problem für Syrien, sondern auch ein Problem in Fragen innerkurdischer Angelegenheiten. Er sagte:

Symbolbild

„Die sogenannten Demokratischen Kräfte Syriens sind alles andere als demokratisch, wie du USA das behaupten. Dort kooperieren die USA faktisch mit der kurdischen PKK-Organisation aus der Türkei zusammen, die sich im irakischen Kandil-Gebirge verschanzt haben. Wir können diese Kräfte nur als ausländische Söldner ansehen, die mit den USA auf syrischem Boden operieren und die kurdische Gesellschaft zerreißen. Die Waffen, die der syrische Ableger der PKK, auch als YPG bekannt, von den USA erhält, werden auch zur Unterdrückung der Zivilbevölkerung mit Billigung Washingtons missbraucht. Unsere Parteibüros werden immer wieder von der YPG angegriffen.“

Der syrisch-kurdische Politiker befürwortet den Kampf gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“. Er warnt allerdings davor, dass die USA mit ihren Demokratischen Kräften neue Fakten schaffen könnten, die nicht nur undemokratisch sind, sondern auch Syrien spalten könnten. Omar erläuterte:

„Wegen den USA und ihren Verbindungen zur SDF werden die Probleme Syriens immer größer. Mit dem Aufbau der YPG-geführten SDF, die wegen ihrer Feindschaft zu allen anderen regionalen und nationalen Akteuren ein treuer Vasall Washingtons ist, verfolgen die USA einzig und allein ihre eigenen nationalen Interessen in Syrien.“

„Auf diese Weise entwickeln sich die USA zum Problem in Syrien. Sie sind alles andere als hilfreich, den Krieg in Syrien zu beenden. Sie haben bereits drei Militärbasen auf dem von der YPG kontrollierten Gebiet eröffnet. Die USA bauen quasi ihre eigene Armee auf und rüsten sie seit Monaten mit schwerem Kriegsgerät aus. Diese Strategie wird allen Syrern langsam deutlich, die die USA in Nordsyrien beobachten“, bemerkte Omar von der kurdischen Zukunftsbewegung.

Der Politiker glaubt, dass sich Russland, in seiner Art zu handeln, als ehrlicherer Einflussfaktor in Syrien bewiesen hat. Gegenüber RT Deutsch betonte Omar:

„Die USA streben lediglich danach, ihre Macht gegenüber Russland in Syrien auszubauen. Das bringt die Syrer, die sich nicht instrumentalisieren lassen wollen, unweigerlich in die Nähe Russlands. Moskau ist nicht nur um sein eigenes Interesse besorgt, sondern bemüht sich auch um die Interessen der Syrer, die es unter einem Dach vereinen möchte. Washington tut das nicht.“

Irans Verteidigungsminister Hussein Dehqan weist Vorwürfe aus den USA zurück, der Iran würde in der Region einen destabilisierenden Einfluss ausüben.

Rund 5.262 US-Truppen sind gegenwärtig im Irak präsent, sagte ein US-Militärbeamter gegenüber dem Nachrichtenportal Military Times am Donnerstag. Autorisiert in Syrien sind 502 US-Soldaten laut Washington. Für die Regierung in Damaskus sind die Operationen der USA in Syrien eine illegale Invasion.

US-Beamte stellten ferner fest, dass die realen Zahlen weit höher liegen dürften, da sich diese nur auf sogenannte „nicht dauerhafte“ Missionen beschränken. Alleine 1.000 Spezialeinheiten aus den USA sollen derzeit auf syrischem Boden operieren. Diese Zahl könnte weiter ansteigen.

„Wir haben erkannt, dass wir, da wir unsere Ziele in Syrien fortsetzen wollen, für die Demokratischen Kräfte Syriens noch mehr Feuerkraft brauchen“, sagte US-General Votel. „Wir helfen unseren Partnern zu kämpfen, aber wir kämpfen nicht für sie.“

 

ForumVostok
MAKS 2017