Syrien schießt israelische Militärdrohne ab - Netanjahu droht mit militärischer Eskalation

Syrien schießt israelische Militärdrohne ab - Netanjahu droht mit militärischer Eskalation
Bildquelle: Hisbollah
Seit einer Woche liefern sich Israel und die syrische Regierung intensive militärische Auseinandersetzungen im Luftraum von Syrien und mit grenzüberschreitendem Beschuss. Der Abschuss einer israelische Militärdrohne durch die syrische Luftabwehr führte zu weiteren Drohgebärden aus Tel Aviv.

Erste Berichte von libanesischen und syrischen Medien informierten darüber, dass eine israelische Aufklärungsdrohne vom Typ Sky Rider (Hebräisch: Rochev Schamayim) von der syrischen Armee abgefangen wurde. Später bestätigte auch das israelische Militär den Abschuss.

Die Militärdrohne wurde in der Nähe der südsyrischen Stadt Kuneitra auf den Golanhöhen vom Himmel geholt. Es gäbe keine unmittelbaren Bedenken, dass klassifizierte Geheimdienstinformationen abhandengekommen sein könnten, schreibt das Nachrichtenportal Times of Israel unter Berufung auf die IDF.

Die libanesische Schiiten-Miliz Hisbollah veröffentlichte Bilder der abgestürzten israelischen Drohne in sozialen Netzwerken. RT Deutsch zeigt einige dieser Aufnahmen:

Der Vorfall kommt inmitten eskalierender Spannungen zwischen Israel und Syrien, die durch eine Reihe von militärischen Zusammenstößen in der vergangenen Woche ausgelöst wurden.

Am Freitag führte die israelische Armee einen Luftangriff auf einen Militärkonvoi der libanesischen Hisbollah-Miliz durch. Die Regierung in Jerusalem stuft diese neben Iran als regionalen Erzfeind ein. Die syrische Luftverteidigung reagierte mit Beschuss auf israelische Kampfflugzeuge, die in den syrischen Luftraum eindrangen.

Die syrische Armee soll in diesem Zusammenhang Boden-Luft-Raketensysteme vom Typ S-200 gezündet haben. Ein Kampfflugzeug der israelischen Luftwaffe wurde zerstört, schreiben syrische Medien. Jerusalem will einen Abschuss aber nicht bestätigen.

Ein darauffolgender Drohnenschlag von israelischer Seite am Sonntag in Kuneitra resultierte im Tod eines hochrangigen Kommandeurs einer SAA-nahen Drusen-Miliz auf den Golanhöhen.

Israels Luftwaffe hat seit Ausbruch des Krieges in Syrien mehrfach Ziele jenseits der Grenze ins Visier genommen. Die Regierung in Jerusalem möchte damit verhindern, dass Waffen aus dem Kampfgebiet der libanesischen Hisbollah in die Hände fallen.

Der israelische Verteidigungsminister Avigdor Liberman drohte am Wochenende, dass Tel Aviv die syrische Luftverteidigung "ohne geringstes Zögern" zerstören werde, sollten israelische Kampfflugzeuge wieder beschossen werden. Auf der anderen Seite verteidigte die al-Assad-Regierung das Handeln als angemessen und "im Einklang mit der Operation Israels".

Die israelische Regierung ist darüber besorgt, dass die pro-iranische Hisbollah-Miliz versuchen könnte, eine aktive Präsenz auf den Golanhöhen einzurichten, die für die Verteidigung der Grenzen Israels von strategischer Bedeutung sind.

Israels Premierminister Benjamin Netanjahu bat Russland bei seinem letzten Staatsbesuch in Moskau, sicherzustellen, dass sich Iran nicht im Umfeld der Golanhöhen etabliert. Russland wägt seine Optionen ab. Moskau versteht sich als ein enger Partner des syrischen Präsidenten Baschar al-Assads und Irans. Andererseits haben sich auch die Beziehungen zur Regierung in Jerusalem im Laufe der letzten Jahre stetig verbessert.

Die israelische Luftwaffe führte bislang im Laufe des syrischen Konfliktes mehrere Luftangriffe auf den Golanhöhen gegen die Hisbollah und andere Assad-nahe Milizen durch.

Zahlreiche Hisbollah-Kämpfer wurden dabei getötet, darunter auch 2015 Dschihad Mughniyeh, der Sohn des 2008 in Damaskus getöteten Hisbollah-Kommandanten Imad Mughniyeh. Sicherheitskreise vermuten, dass Israel auch an der Tötung Mughniyehs beteiligt war. Dieser leitete den Nachrichtendienst der Hisbollah.

Israels besetzt seit dem Ende des Sechstagekrieges im Jahre 1967 die Golanhöhen. Die internationale Gemeinschaft lehnt die Okkupation ab. Israel betrachtet die Kontrolle des Golans hingegen als zwingend erforderlich, um die eigene Verteidigungsfähigkeit zu erhalten.

Die israelische Regierung erklärte unlängst, dieses Gebiet aus strategischen Erwägungen heraus nicht zurückgeben zu wollen.

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