Insel der Hoffnung? Künstliche Insel soll Gaza mit der Welt verbinden

Insel der Hoffnung? Künstliche Insel soll Gaza mit der Welt verbinden
Ein Reiter am Strand von Gaza neben Sandskulpturen des Künstlers Osama Sbeata, der im 2005 von der Regierung in Jerusalem geräumten Küstenstreifen Kunst gegen die vermeintliche israelische Besetzung betreibt; Gaza, Palästinensische Territorien, 9. März 2017
Eine künstliche Insel soll das isolierte Gaza mit der Welt verbinden, ohne die Sicherheit Israels zu gefährden. Zahlen sollen ausländische Geldgeber. Aber das Projekt kann nicht alle überzeugen und stockt. Die Palästinenser bleiben skeptisch.

Ein Hauch von Hoffnung für die 1,8 Millionen Einwohner Gazas nach Jahren der Blockade? Über eine Brücke soll der Küstenstreifen mit einer künstlichen acht Quadratmeter großen Insel verbunden werden. Israel verhängte 2007 eine Land- und Seeblockade über den 2005 an die Palästinensische Autonomiebehörde übergebenen Gazastreifen. Auch Ägypten hält die Grenzen zum benachbarten Gaza geschlossen. Zuvor hatte die radikal-islamische Hamas, die von Israel und mehreren Staaten als terroristisch eingestuft wird, in dem Gebiet die Macht übernommen.

Der jüngste Vorschlag kam von Israels Transportminister Yisrael Katz. Katz wird gemeinhin zu den Hardlinern der Likud-Partei Israels gezählt. Die Kosten für die geplante Insel sollen private Investoren und ausländische Geldgeber tragen, die an Gazas Ökonomie interessiert sind. Der Bau würde dortigen Palästinensern Beschäftigung ermöglichen und Israel hätte auf diese Weise keinerlei Verantwortung mehr für Gaza.

Mehr als 60 Prozent der Jugendlichen Gazas sind derzeit arbeitslos, 80 Prozent sind von humanitärer Hilfe aus dem Ausland abhängig. Täglich erlauben die Israelis 850 Lastern die Einreise in das abgeschottete Gebiet. Neben Unterstützung durch UNO und EU besteht seit Juni 2016 eine Vereinbarung zwischen der Türkei und Israel über eine Verbesserung der humanitären Situation in Gaza.

Nach wie vor prangert die UN an, dass diese Hilfslieferungen unzureichend seien, um die Menschen zu versorgen und die Schäden des letzten Kriegs von 2014 zu beheben. Israel hingegen erklärt, dass die Hamas finanzielle Zuwendungen und Baustoffe eher in den Bau von Schmuggel-Tunnelsystemen und Waffen für den Terrorkrieg investiert als in Einrichtungen zu Gunsten der Bevölkerung. Jüngst berichteten israelische Medien auch über personelle Verschränkungen zwischen vor Ort tätigen UN-Institutionen und der Hamas.

Das nun vorgeschlagene Projekt soll fünf Milliarden US-Dollar kosten und unter anderem einen Flughafen, einen Seehafen und Hotels beherbergen. Der einstige Flughafen von Gaza wurde 2002 als Vergeltung für den Tod von vier israelischen Soldaten im Zusammenhang mit der so genannten Zweiten Intifada zerstört. Gaza verfügt derzeit über einen sehr kleinen Seehafen, ohne Landemöglichkeit für Containerschiffe. Das Sicherheitspersonal würde nach dem Katz-Plan künftig von den Israelis gestellt, aber die Insel würde von den Palästinensern geführt werden. Katz zu seinem Prestigeprojekt:

Ich denke nicht, dass es richtig ist, zwei Millionen Menschen ohne eine Verbindung zur Außenwelt festzuhalten. Israel hat kein Interesse, das Leben der dortigen Menschen weiter zu erschweren. Aber aufgrund von Sicherheitsbedenken können wir keine Flughäfen und Schiffshäfen in Gaza bauen.

Der Plan ähnelt jenem Vorschlag, den vor wenigen Wochen bereits Verteidigungsminister Avigdor Lieberman angeregt hatte und der Gaza zu einem "zweiten Singapur" machen sollte. Die Hamas lehnte das Ansinnen jedoch ab. Die Palästinenserorganisation pflegen stattdessen weiterhin den - von Israels Linker und supranationalen Organisationen gestützten - Opfernarrativ.

Abseits des kritischen Dauerzustands im israelisch-palästinensischen Konflikt ist Israel für seinen Humor bekannt. Der israelische Komödiant Assaf Harel nutzte seine letzte Sendung und behauptete, dass in Israel Apartheid herrsche und die Lebensbedingungen in Gaza unmenschlich seien. Dies sei ein Verbrechen, dass von den israelischen Mitbürgern in Kauf genommen werde. 

Zur Realisierung fehlt dem Projekt zudem die bisherige Zustimmung des israelischen Premierministers Benjamin Netanyahu. Auch aus den Reihen der Palästinenser kommt Kritik. Sie glauben, es handle sich um ein israelisches Machtspiel, denn frühere Initiativen, Gaza zu neuem Leben zu verhelfen, wurden von der Knesset abgeschmettert. Zu den nennenswerten Projekten zählte etwa die palästinensische Initiative, einen Hafen in Zypern anzumieten, wo alle Güter von internationalen Inspektoren vor deren Weitertransport nach Gaza überprüft werden könnten. Eine französisch-niederländische Initiative plante zudem den Bau eines Seehafens in Gaza, um die Lebensbedingungen der Einwohner zu verbessern. 

Nabil Shaath, der Berater des Präsidenten der Palästinensischen Autonomiebehörde Mahmoud Abbas für ausländische Angelegenheiten, erklärte gegenüber AP:

Die Idee von Katz ist, einen Ort zu erbauen, der die israelische Kontrolle vereinfacht.

Im Falle der Realisierung des Projekts würden die Einwohner Gazas vorerst weiterhin nur einen schönen Ausblick auf unerreichbare Territorien bieten. Die Schiffe, die dort ihre Fracht entladen könnten, werden die Bewohner nicht mit an Bord nehmen dürfen. Katz sieht sich innenpolitisch als möglicher Nachfolger Netanjahus, will den derzeitigen Premierminister aber nicht herausfordern. Im Jahr 2019 wird in Israel wieder gewählt. Mit seinem Inselprojekt hat Katz nun seinen ersten Schritt in die globale Öffentlichkeit gemacht.