Russlands schwierige Mission im Kern-Einflussgebiet des "Islamischen Staates" in Ost-Syrien

Russlands schwierige Mission im Kern-Einflussgebiet des "Islamischen Staates" in Ost-Syrien
Symbolbild
Am Montag und Dienstag hat die syrischen Armee bei Deir ez-Zor mit russischer Hilfe einige leichte Terraingewinne gegen die Extremisten der Terrormiliz IS erzielt. RT Deutsch sprach mit zwei Syrien-Experten über die Herausforderungen, vor denen Russland in Ost-Syrien steht.

von Ali Özkök

Ein russischer Langstreckenbomber hat am Montag zwei Kommandostellen und mehrere Waffenlager in der ostsyrischen Region Deir ez-Zor bombardiert, teilte das russische Verteidigungsministerium mit.

Am 30. Januar starteten sechs Tu-22M3-Langstreckenbomber der russischen Luftwaffe von einer Luftwaffenbasis aus der Russischen Föderation. Sie flogen über die Staatsgebiete von Irak sowie Iran und führten in der syrischen Provinz Deir ez-Zor Luftschläge gegen ISIS-Terroristen aus", geht aus einer öffentlichen Mitteilung des Moskauer Verteidigungsministeriums hervor.

Bei den Luftangriffen zerstörten die Bomber zwei Kommandozentralen, Waffen- und Munitionsdepots und eliminierten zahlreiche IS-Dschihadisten, informiert die Stellungnahme weiter. Kampfjets vom Typ Suchoi-30SM und Suchoi-35S aus der russischen Luftwaffenbasis Hmeimim hatten die Bomber auf ihrem Einsatz begleitet.

Nach der Einnahme von Aleppo-Stadt im Dezember konzentriert sich die syrische Armee gegenwärtig auf die Stadt Deir ez-Zor, auf die der IS zuletzt einige erfolgreiche Angriffe gestartet hatte.

Sicherheitsexperte Gissur Simonarson betrachtet eine Einbindung der Golfmonarchien als Manöver, um den Einfluss Russlands, vor allem aber des Irans, in der Region zu begrenzen.

Weite Teile der Stadt und die umgebende Region stehen nach wie vor unter Kontrolle des "Islamischen Staates". Regierungstruppen halten in einigen Nachbarschaften im Westen der Stadt aus und kontrollieren den Militärflughafen im Osten der Stadt. Der IS schlug zuletzt eine Bresche zwischen den syrischen Regierungsgebieten im Westen und dem Flughafen im Osten.

Im Gespräch mit RT Deutsch klärt Suliman Mulhem, ein britisch-syrischer Journalist, der für die Nachrichtenseiten Sputnik International und Al Masdar News berichtet, über die Probleme der syrischen Armee in der umkämpften Stadt Deir ez-Zor auf. Mulhem sagte:

Obwohl die syrische Armee einige Gebiete zuletzt vom IS zurückerobern konnte, bleibt die Lage in der Stadt sehr schwierig. Laut Schätzungen befinden sich die Regierungstruppen in der Unterzahl und es ist fast unmöglich, neue Truppen zu verlegen, weil der IS in unmittelbarer Nähe des Flughafens steht.

Über die russische Rolle bei der Bekämpfung der Terrormiliz "Islamischer Staat" sagte der Journalist:

Die nächstgelegene Regierungsstellung liegt mehr als 200 Kilometer entfernt. Es wird lange dauern, bis Deir ez-Zor befreit ist. Die russische Luftwaffe nimmt eine Schlüsselrolle bei der Befreiung der Stadt ein. Russland wird auch weiterhin militärische Punkte des IS in der Region ins Visier nehmen.

Ein Ende der Märchenstunden über Syrien fordert die Kongressabgeordnete Tulsi Gabbard. Ihre Fact-Finding-Mission vor Ort habe ergeben, dass die syrische Bevölkerung keinen Regimewechsel will und die

Eliteeinheiten der Syrischen Republikanischen Garde halten den Luftwaffenstützpunkt. Ihnen war es im Laufe der vergangenen Jahre gelungen, mehreren Angriffen des IS standzuhalten und ihre Position bisher zu halten. Vergangene Woche belagerten die Dschihadisten den Flughafen und versuchten, die letzte Verteidigungslinie der syrischen Armee zu brechen.

Die russische Luftwaffe unterstützt die syrische Armee beim Zurückschlagen der IS-Angriffe auf die ölreiche Provinz. Am Montag hielten die Kämpfe im Süden der Stadt an, berichtete die staatliche syrische Nachrichtenagentur SANA. Auch die syrische Luftwaffe unterstützt die SAA-Stellungen in Deir ez-Zor.

Der Analyst Nidal Gazaui, der sich auf den "Islamischen Staat" spezialisiert hat, gab RT Deutsch Aufschluss darüber, weshalb der IS in Ostsyrien besonders angriffsstark ist. Er erklärte:

Der IS begann seinen Aufstieg in Syrien in Deir ez-Zor. Ein Grund für die Stärke des IS sind die weiten Wüstenräume rund um die Stadt, derer sich der IS bedient. Außerdem scheint der IS moderne Waffensysteme aus dem Irak, die er zuvor erbeutet hat, in Syrien zu verwenden. Ein weiteres Problem ist, dass der Miliz zahlreiche Stämme aus dem Raum Rakka, el-Qaim und el-Bukemal die Treue geschworen haben. In der Wüste zwischen Irak und Syrien unterhält der IS seine größte Machtbasis. In diesem weiten Grenzgebiet setzt der IS gleichermaßen Kämpfer aus Syrien und dem Irak ein.

Die Provinz Deir ez-Zor ist auch deshalb von strategischer Bedeutung für den "Islamischen Staat", weil vor Ort das Rückgrat der syrischen Ölförderindustrie angesiedelt ist. Mit Ölverkäufen auf dem Schwarzmarkt refinanziert der IS unter anderem seinen Expansionskrieg.