Interview zum Wasserkonflikt bei Damaskus: "Assad bleibt ausschließlich eine militärische Lösung"

Interview zum Wasserkonflikt bei Damaskus: "Assad bleibt ausschließlich eine militärische Lösung"
Trotz des Waffenstillstands in Syrien werden Wasserversorgungseinrichtungen angegriffen und unbrauchbar gemacht, die der Bevölkerung der Stadt Damaskus dienen und zu einem akuten Wassermangel führen. RT Deutsch hat mit regierungs- sowie oppositionsnahen Experten über Verantwortliche und die Hintergründe gesprochen.

von Ali Özkök

Rund vier Millionen Menschen im Raum Damaskus leiden nach der Zerstörung von Wasserquellen wenige Kilometer außerhalb von Damaskus seit einer Woche unter akutem Wassermangel. Das berichtete das UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) in einer öffentlichen Erklärung am 29. Dezember.

Der Wasserzufluss aus den Quellen Wadi Barada und Ain al-Fidscha wurde unterbunden, als die entsprechende Infrastruktur bei militärischen Auseinandersetzungen zerstört wurde. Die Wasserquellen versorgen rund 70 Prozent der Bevölkerung in und um Damaskus. Das OCHA beschrieb die Schäden an der Wasserversorgung als "bewusst herbeigeführt", ohne zu nennen, wer dafür verantwortlich war.

Eine mögliche Annäherung zwischen Russland und den USA nach dem Amtsantritt Donald Trumps würde die Chancen erhöhen, auch auf regionaler und internationaler Ebene eine Einigung im Syrienkonflikt zu erzielen, so Assad.

Die syrische Regierung und Rebellen schieben einander gegenseitig die Schuld an der Entwicklung in einem Territorium zu, das seit langem von Rebellengruppen gehalten wird.

Die syrische Armee drängt seit der Ausrufung des landesweiten Waffenstillstands auf eine Rückeroberung des Gebietes. Gemeinsam mit der schiitischen Hisbollah aus dem Libanon startet sie immer wieder Offensiven auf das schwer zugängliche Gebiet.

Die Regierung in Damaskus erklärte, dass die Rebellen die Wasserquellen in Wadi Barada mit Diesel verschmutzen. Das zwinge die Behörden dazu, die Wasserversorgung nach Damaskus zu unterbrechen. Rebellen weisen diese Aussagen allein aus dem Grund zurück, weil zahlreiche mit ihnen verbündete Kräfte selbst in Damaskus operieren, namentlich in den Vierteln Duma, Beit Sahm und Saqba.

RT Deutsch sprach mit dem syrischen Redakteur des regierungsnahen Nachrichtenportals Al-Masdar, Yusha Yuseef, über die Ziele der syrischen Regierung in der umkämpften Region. Yuseef erklärte:

Die syrische Regierung möchte die Region kontrollieren, weil dies zur Wahrung der Versorgungssicherheit von Damaskus von der al-Fidscha-Quelle aus unabdingbar ist. Dabei ist es egal, ob eine militärische oder politische Lösung erreicht wird.

Seiner Meinung nach existieren in Wadi Barada zahlreiche Kräfte, die nicht vom Waffenstillstandsabkommen eingeschlossen werden, das von Russland und der Türkei vermittelt wurde. Der Al Masdar-Redakteur sagte:

Derzeit sehe ich in der Region nur eine militärische Lösung. Nach der Beilegung der Konflikte können die Rebellen als nationale Verteidigung vor Ort bleiben, aber islamistische Kämpfer müssen in die Provinz Idlib abgeschoben werden.

Der Nahost-Analyst Tallha Abdulrazaq, der als Assad-kritisch gilt, bewertet die Frage einer islamistischen Präsenz in Wadi Barada gegenüber RT Deutsch grundlegend anders:

Was in Wadi Barada passiert, hat nichts mit 'Dschihadisten' wie der al-Nusra-Front oder dem 'Islamischen Staat' zu tun. Dort gibt es keinen IS und kaum eine nennenswerte Anzahl von Kämpfern einer al-Nusra-Gruppe. Die syrische Luftwaffe nahm die Ain-al-Fidscha-Quelle ins Visier und sabotierte damit ihre eigene Wasserquelle.

RT Deutsch hakte nach und fragte, wieso die syrische Armee ihre eigene Wasserquelle zerstören sollte:

Das könnte auf dem ersten Blick der Intuition widersprechen. Aber nach der Niederlage der Rebellen in Aleppo fühlt sich die Regierung beflügelt. Die syrische Armee versucht ihr Bestes, um jene Syrer, die im Einflussbereich der Rebellen im Raum von Damaskus leben, gegen diese aufzubringen. Während Russland mit der Türkei die Rolle des Vermittlers eingenommen hat, sehen sich die syrische Regierung und der Iran dem Problem ausgesetzt, dass die Friedengespräche einen landesweiten Waffenstillstand erzwingen könnten. Das würde die Fronten einfrieren und den bewaffneten Konflikt beenden. Das ist der Grund, warum die syrische Armee zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch so viele Gebiete wie nur möglich an sich reißen möchte.

Abschließend umriss er, dass die Wasserversorgung der gesamten Hauptstadtregion in der Hand von Rebellen langfristig ein gewaltiges politisches Problem für die al-Assad-Regierung langfristig darstellen wird. Abdulrazaq beschrieb:

Al-Assad möchte seine Hauptstadt endgültig absichern. Das kann er nur, wenn er jegliche lebenswichtige Infrastruktur auch kontrolliert, ohne Konzessionen an seine Gegner machen zu müssen. Die Rebellen auf der anderen Seite scheinen nach den Kämpfen um Aleppo ausgelaugt zu sein. Andernorts in Idlib fürchten sie, dass die syrische Armee eine Offensive auf die Rebellenhochburg starten könnte.

Die Rebellen befinden sich in keiner Position mehr für eine Offensive, bemerkte der Analyst, der regelmäßig zum Nahost-Fachmagazin "Middle East Monitor" beiträgt. Er schloss mit den Worten:

Der Waffenstillstand ist im Gange und die Rebellen brauchen Zeit, um sich zu erholen. Das Einfrieren der Fronten wird ihnen Zeit zum Atmen geben.

Der syrische Konflikt brach 2011 aus. Inzwischen sind rund eine halbe Millionen Menschen im Zuge des Krieges ums Leben gekommen. Rund die Hälfte der syrischen Bevölkerung ist entweder ins Ausland geflüchtet oder fristet ein Dasein als Binnenflüchtling.

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