Al-Assad über Friedensverhandlungen: "Wir sind bereit für alles, aber mit wem sollen wir reden?"

Al-Assad über Friedensverhandlungen: "Wir sind bereit für alles, aber mit wem sollen wir reden?"
Eine mögliche Annäherung zwischen Russland und den USA nach dem Amtsantritt Donald Trumps würde die Chancen erhöhen, auch auf regionaler und internationaler Ebene eine Einigung im Syrienkonflikt zu erzielen, so Assad.
Gegenüber einer französischen Delegation erklärte Syriens Präsident Assad, uneingeschränkt bereit zu sein, mit einer patriotischen Opposition zu verhandeln. Vom Ausland gesteuerte Kräfte oder Islamisten sollen jedoch nicht über Syriens Zukunft bestimmen.

Das Problem bezüglich der bevorstehenden Friedengespräche in Syrien besteht darin, zu erkunden, wer die "wirkliche Opposition" im Land sei und ob diese am Tisch vertreten sein wird. Das bemerkte der syrische Präsident Baschar al-Assad im Gespräch mit französischen Parlamentsabgeordneten, nachdem eine Delegation aus Paris die lange umkämpfte Stadt Aleppo besucht hatte.

Al-Assad erklärte, dass er bereit sei, eine syrische Regierungsdelegation zu den Friedensverhandlungen in die kasachische Hauptstadt Astana zu entsenden. Die Verhandlungen werden durch russische und türkische Vermittlung ermöglicht. Das Staatsoberhaupt sagte:

Wir haben angekündigt, dass unsere Delegation für diese Konferenz bereit sein wird, sobald der genaue Zeitpunkt bestimmt wurde. Wir sind bereit, alles zu verhandeln, alles. Es ist völlig offen und es gibt keine Limits hinsichtlich dieser Verhandlungen.

Im Interview mit RT Deutsch kritisierte der Gründer der Hilfsorganisation Ashsham CARE, Oscar Bergamin, die Praktiken der USA:

Eine entscheidende Frage bleibe jedoch, mit wem die Delegation verhandeln wird, gab al-Assad zu bedenken.

Aber wer kommt von der anderen Seite? Wir wissen es noch nicht. Wird es die wirkliche syrische Opposition sein? Und wenn ich syrische Opposition meine, dann nicht jene Vertreter mit Wurzeln in Saudi-Arabien, Frankreich oder Großbritannien. Es sollte die Opposition sein, die über syrische Fragen diskutieren möchte", sagte der syrische Präsident laut der staatlichen syrischen Nachrichtenagentur SANA.

Gegenüber RT Deutsch erklärte der syrische Journalist der Nachrichtenagentur Sputnik und Gründer des Nachrichtenportals "Damascus Insider", Suliman Mulhem, die Erwägungen al-Assads mit folgenden Worten:

Im Grunde genommen will Präsident al-Assad damit aussagen, dass nicht jede Gruppe der bewaffneten Opposition es verdient, Teil der Verhandlungen zu sein. Die Interessen dieser Gruppen stehen im direkten Konflikt mit den Interessen Syriens und des syrischen Volkes. Dabei bezieht sich al-Assad vor allem auf ultra-islamistische Organisationen wie den Islamischen Staat, die al-Qaida-nahe Dschabhat Fatah al-Scham und andere. Diese sind einfach nicht kompatibel mit den Zielen der syrischen Regierung, einen säkularen Staat aufrechtzuerhalten."

Auf die Frage, ob er bereit sei, die Präsidentschaft aufzugeben, falls dies notwendig würde, sagte das syrische Staatsoberhaupt:

Meine Position ist abhängig von der Verfassung Syriens. Und diese hat einen sehr klaren Mechanismus, wenn es darum geht, einen Präsidenten an die Macht zu bringen oder ihn loszuwerden. Wenn sie also über diesen Punkt reden wollen, dann müssen sie auch die Verfassung diskutieren, welche sich vom Volkswillen ableitet, also bräuchten wir ein Referendum.

Um jeden Preis auf seinem Sessel kleben bleiben möchte al-Assad nicht, machte er deutlich. Aber er werde nicht auf Zuruf aus dem Ausland oder in dessen Interesse seinen Platz räumen. "Wenn ich das Gefühl ausmache, dass mich das syrische Volk nicht mehr als Präsident haben will, dann werde ich es natürlich nicht mehr sein", schloss al-Assad.

Hinsichtlich jüngster Bewegungen in der internationalen Politik sowohl jenseits des Atlantiks als auch in Europa mahnte al-Assad zu Vorsicht. Er sagte:

Wir hoffen, dass die nächste US-Regierung die Realitäten anerkennen will. Aber was wir in den letzten Jahren gelernt haben, ist, dass zu viele Beamte bestimmte Dinge sagen und dann das Gegenteil tun.

Er fügte hinzu, dass Mainstream-Medien regelmäßig versuchen, Öl ins Feuer zu gießen, obwohl dies "im Westen" weitgehend zum Scheitern verurteilt war. Diese Praxis führte dazu, dass Menschen begannen, "nach der Wahrheit zu suchen".

Die Wahrheit war das Hauptopfer während der Ereignisse im Nahen Osten", kritisierte das syrische Staatsoberhaupt.

Nichtsdestotrotz zeigte sich al-Assad mit Blick auf den Machtwechsel in den USA optimistisch. "Das syrische Problem ist nicht isoliert zu betrachten. Es ist kein syrisch-syrischer Konflikt. Ein großer Teil des Konflikts ist regional und internationalisiert. Der einfachste Teil, der behandelt werden könnte, ist der syrisch-syrische Teil. Die regionale und die internationale Komponente sind hauptsächlich von den Beziehungen zwischen den USA und Russland abhängig", beschrieb er.

Wenn es einen echten Ansatz oder eine Initiative zur Verbesserung der Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Russland gibt, dann wird sich das auf jedes Problem in der Welt einschließlich Syrien auswirken. Also ja, wir denken, das ist positiv", äußerte das syrische Staatsoberhaupt.

ForumVostok