Syrien: Millionen Menschen droht humanitäre Katastrophe wegen Sabotage durch Terrorgruppen

Syrien: Millionen Menschen droht humanitäre Katastrophe wegen Sabotage durch Terrorgruppen
Im Interview mit RT Deutsch hatte ein Vertreter der syrischen Terroristen vor einigen Wochen angedroht, man werde im Fall einer Befreiung Aleppos auf Angriffe gegen die Infrastruktur umsatteln. Nun haben die Aufständischen die Wasserversorgung ins Visier genommen. Archivfoto
Sogenannte Rebellen haben die Trinkwasserversorgung von Damaskus sabotiert. Jetzt leiden etwa fünfeinhalb Millionen Menschen in der Metropole an Wassermangel. Die syrische Armee leitete eine Offensive ein, um die Wasserquellen von den Extremisten zu befreien.

Den fünfeinhalb Millionen Einwohnern der syrischen Hauptstadt Damaskus droht aufgrund der Aktionen der "Rebellen" eine humanitäre Katastrophe.

Pioniere des russischen Militärs räumen von

Die zu einem erheblichen Teil vom Ausland mit Geld und Waffen unterstützten Milizen kontrollieren seit 2012 die wichtigen Wasserquellen im Tal Wadi Barada, das etwa 20 Kilometer von Damaskus entfernt liegt. Diese Quellen decken fast drei Viertel des Wasserbedarfs der syrischen Metropole.

In den letzten Wochen hatten die Dschihadisten wiederholt die Wasserversorgung der Stadt zu unterbrechen versucht. So verübten sie unter anderem einen Anschlag auf eine Wasserleitung in Damaskus. Der syrischen Regierung zufolge verseuchten sie zudem ein Wasserreservoir mit Treibstoff. Seit dem 22. Dezember ist die Wasserversorgung von Damaskus deshalb stark eingeschränkt.

Die Behörden mussten daher das Trinkwasser rationieren. Aktivisten zufolge haben die Terroristen seit 2012 bereits fast ein Dutzend Mal den Wasserzufluss zur Hauptstadt unterbrochen. In der Vergangenheit konnte die syrische Regierung allerdings durch Verhandlungen bewirken, dass die Dschihadisten die Blockaden nach wenigen Tagen aufhoben.

Als Reaktion auf die Sabotageakte der Rebellen leitete die syrische Armee jedoch diesmal zusammen mit verbündeten Kräften eine Offensive ein. In dem Gebiet befinden sich laut diversen Berichten auch Verbände des Al-Kaida-Ablegers JFS ("Dschabhat Fatah asch-Scham", ehemals "Al-Nusra-Front"). Diese hatte bereits im Vorfeld der Befreiung Aleppos durch die syrische Armee angekündigt, im Fall einer Eroberung der Stadt durch Regierungstruppen Anschläge gegen Einrichtungen der Infrastruktur zu richten.

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Einige Terrorgruppen wie der Al-Kaida-Ableger sind ausdrücklich von dem Waffenstillstand ausgenommen, den Russland und die Türkei Ende Dezember zwischen der syrischen Regierung und bewaffneten Islamisten vermittelt hatten. In der Praxis erwies sich der Übergang zwischen den vom Westen oder der Türkei unterstützten Gruppen und der JFS regelmäßig als fließend. Am augenscheinlichen Unvermögen, vom Westen so genannte moderate Rebellen und Al-Kaida-Verbände voneinander zu trennen, scheiterte unter anderem ein Waffenstillstandsabkommen, das die Russische Föderation im September 2016 mit den USA ausgehandelt hatte.

Die Rebellengruppen bestreiten jedoch die Präsenz von JFS-Kämpfern in Wadi Barada und werfen den Regierungstruppen ihrerseits vor, bei den Kämpfen die Infrastruktur des Wasserwerkes angegriffen und zerstört zu haben. Mehrere aufständische Organisationen erklärten auch, dass sie ihre Mitarbeit an den Vorbereitungen für die Friedenskonferenz, die für Ende Januar in Kasachstan vorgesehen war, abbrechen.

Die Kämpfe gefährden den ohnehin wackeligen Waffenstillstand zwischen der syrischen Armee und einigen bewaffneten Gruppen, der am 30. Dezember in Kraft trat. Die Konfliktparteien und einige Analysten hatten zunächst die Hoffnung geäußert, dass die Vereinbarung zu einem dauerhaften Frieden führen könnte, weil die wichtigsten Verbündeten der Konflikteilnehmer, Russland und die Türkei, den Friedensprozess garantieren.

Allerdings warnten Beobachter auch vor allzu viel Optimismus. Die Rebellen sind in mehrere Dutzend Fraktionen zersplittert, die sich auch oft untereinander bekämpfen. Die Terroristen lassen sich auf diese Weise nur schwer kontrollieren. Auf der Regierungsseite kämpfen neben den regulären Truppen der syrischen Armee auch verbündete Gruppen, etwa die libanesische Hisbollah-Miliz.

Darüber hinaus besteht die türkische Regierung darauf, dass die wichtigste politische Vertretung der syrischen Kurden, die "Demokratische Unionspartei" (PYD), von der Friedenskonferenz fernbleibt. Die der PYD unterstehenden kurdischen "Volksverteidigungseinheiten" (YPG) kontrollieren aber weite Teile Nordsyriens und erwiesen sich im Kampf gegen die Terror-Miliz IS als eine der effektivsten Kampfgruppen in Syrien. Die YPG werden sowohl durch westliche Staaten als auch durch Russland unterstützt. Derzeit befinden sich YPG-Truppen zusammen mit arabischen Verbündeten auf dem Vormarsch zur IS-Hochburg Rakka.

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