Attentat gegen russischen Botschafter: Bekennerschreiben von Al Nusra gefälscht - Aktuelle Übersicht

Attentat gegen russischen Botschafter: Bekennerschreiben von Al Nusra gefälscht - Aktuelle Übersicht
Der 22-jährige Polizist Mevlüt Mert Altıntaş verübte das Attentat auf den russischen Botschafter in Ankara.
Ein türkischer Polizist hat am Vorabend eines wichtigen Treffens zwischen Russland, Iran und der Türkei den russischen Botschafter in Ankara ermordet. RT Deutsch hat eine Übersicht der bisher bekannten Details zum Attentat erstellt. Ein angebliches Bekennerschreiben der Al Nusra Front stellte sich mittlerweile als Fälschung heraus.

Am Abend des 19. Dezember, gegen 19:00 Uhr Ortszeit, war der russische Botschafter in Ankara, Andrei Gennadjewitsch Karlow, dabei, eine Rede im Zentrum für moderne Kunst zu halten. Das Thema der Ausstellung war „Russland, wie es von Türken gesehen wird“.

Einige Minuten nachdem Karlow seine Rede begonnen hatte, feuerte plötzlich ein Mann von hinten mehrmals auf den Botschafter, der sofort zusammenbrach. Nach dem Schuss rief der gut gekleidete Angreifer zunächst auf Arabisch, dann auf Türkisch einige dschihadistische Losungen, unter anderem „Allahu akbar“ (Gott ist am größten), „Vergesst nicht Aleppo!“, „Vergesst nicht Syrien!“, „Jeder, der an dieser Grausamkeit Teil hat, wird einzeln Rechenschaft leisten!“.

Der Angreifer forderte die Anwesenden dazu auf, den Saal zu verlassen. Danach feuerte er erneut mehrere Schüsse auf Karlow ab. Türkischen Medienberichten zufolge verletzten die Schüsse des Attentäters drei weitere Personen.

Die türkische Polizei tötete den Angreifer nach einem viertelstündigen Gefecht. Süleyman Soylu, der türkische Innenminister, traf laut der türkischen Zeitung Cumhuriyet bereits nach 15 Minuten am Attentatsort ein.

Russischer Außenminister Sergej Lawrow und sein türkischer Kollege Mevlüt Çavuşoğlu heute während der gemeinsamen Konferenz in Moskau.

Türkische Rettungskräfte konnten den russischen Botschafter erst um zirka 19:45 Uhr Ortszeit, also 45 Minuten nach dem Angriff, in ein Krankenhaus bringen. Auch die Frau des Botschafters wurde nach etwa zehn Minuten zum Krankenhaus gefahren.

Kurze Zeit später verstarb der Botschafter an seinen Verletzungen.

Es kursierten schnell Berichte, wonach der Attentäter ein 22-jähriger türkischer Polizist namens Mevlüt Mert Altıntaş sei. Türkische Behörden bestätigten später, dass er in der Bereitschaftspolizei diente. Die türkische Zeitung Hürriyet berichtete, dass die Behörden ihn Anfang Oktober suspendiert hatten. Mitte November hätte er aber wieder seinen Dienst angetreten. 

Medienberichten zufolge reservierte Altıntaş am 14. Dezember ein Zimmer in einem Hotel in der Nähe des Kunstzentrums. Zeugen erklärten, dass er am 16. Dezember bei der Eröffnung der Ausstellung anwesend war. 

Die Ausstellung konnte der Attentäter laut Medienberichten dank seines Polizeiausweises betreten, ohne die üblichen Kontrollen zu passieren. 

Noch am selben Abend nahm die türkische Polizei die Familie von Mevlüt Mert Altıntaş in Gewahrsam, um sie zum Attentat zu vernehmen. 

In den vergangenen Tagen organisierten islamistische Kreise in der Türkei mehrere Demonstrationen, um gegen angebliche Massaker seitens syrischer und russischer Truppen in Ost-Aleppo zu protestieren.

Der türkische Präsident Erdogan sicherte dem russischen Staatsoberhaupt Wladimir Putin zu, dass russische Ermittler an der Aufklärung des Mordes mitwirken können. Ein Team sei laut Medienberichten bereits aus Moskau abgeflogen. 

Während regierungsnahe Kreise in der Türkei darüber spekulieren, dass der Attentäter Mitglied der Gülen-Bewegung war, bestritten Vertreter der Sekte dies. Die türkische Regierung macht die religiöse Bewegung um den umstrittenen türkischen Prediger Fetullah Gülen für den gescheiterten Putschversuch in der Türkei im Juli dieses Jahres verantwortlich.

Ungeklärt bleibt, warum er nach seiner Tat nicht lebend gefasst wurde. Einem Bericht des Nachrichtenportals Al-Monitor zufolge spekulieren die türkischen Ermittler, ob die Polizisten, die zum Tatort kamen, nicht auch Mitglieder der Gülen-Sekte sind. Ihr Ziel wäre in diesem Falle gewesen, den Attentäter zu liquidieren, um zu verhindern, dass er die Verschwörung aufdeckt. 

Die Al-Nusra-Front bekannte sich am 21. Dezember in einem Schreiben zum Attentat, allerdings konnte dies noch nicht bestätigt werden. (Anmerkung der Redaktion: Mittlerweile gilt es als gesichert, dass das Bekennerschreiben eine Fälschung ist.)

Das Attentat geschah am Vorabend eines wichtigen Treffens der Außenminister der Türkei, Irans und Russlands in Moskau, dessen Ziel es ist, eine Einigung für den Syrienkonflikt zu finden. Vertreter Russlands und der Türkei erklärten, dass der Mord eine Provokation ist, um die russisch-türkischen Beziehungen und die Friedensbemühungen zu sabotieren.

Zahlreiche Politiker aus der ganzen Welt haben inzwischen das Attentat verurteilt. Der 62-jährige Andrei Karlow diente seit Juli 2013 als russischer Botschafter in Ankara. Er hinterlässt seine Frau und einen Sohn. 

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