Türkei: Nach Terroranschlag in Kayseri Mob greift Parteibüros von HDP landesweit an

Türkei: Nach Terroranschlag in Kayseri Mob greift Parteibüros von HDP landesweit an
Bei einem Terroranschlag in der anatolischen Stadt Kayseri sind am Samstag über 14 türkische Soldaten gestorben. Nachdem die Regierung auf die kurdische PKK als mutmaßlichen Drahtzieher verwies, griffen türkische Bürger und Nationalisten zahlreiche Regionalbüros der HDP an, der vorgeworfen wird, Verbindungen zur PKK zu unterhalten.

In nur einer Woche ereigneten sich drei Bombenanschläge in der Türkei. Anfang der Woche erschütterte ein Doppelanschlag die Metropole Istanbul und am Samstag ein weiterer die zentralanatolische Stadt Kayseri. Der türkische Innenminister Süleyman Soylu sagte in einer Pressekonferenz, dass beim Anschlag mit einer Autobombe in Kayseri 14 Soldaten getötet und 56 weitere Menschen verletzt wurden. 12 Menschen befinden sich in einem kritischen Zustand.

Im Anschluss an den terroristischen Bombenanschlag stürmten wütende türkische Demonstranten, die sich zu einem Mob zusammenschlossen, mehrere Regionalbüros der pro-kurdischen Demokratischen Partei der Völker, auch als HDP bekannt.

Die Übergriffe begannen in Kayseri. Dort brachen Protestanten in das Gebäude des HDP-Parteibüros ein. Sie setzten dieses in Brand und hissten eine rote türkische Fahne mit drei Halbmonden. Die Fahne wird gerne von der Partei der Nationalistischen Bewegung, MHP, genutzt, deren Jugendorganisation die sogenannten „Grauen Wölfe“ sind. Die Parteischilder der HDP am Gemäuer wurden abgenommen.

Auch das türkische Militär zeigte auf den Straßen von Kayseri Präsenz. Im Video anbei ruft ein Sondereinsatzkommando der Armee einen Militärschwur und verspricht, Rache an der PKK zu nehmen.

Außerdem tauchten Berichte auf, wonach sich eine Explosion vor dem Parteibüro der HDP im Istanbuler Viertel Beylikdüzü ereignete.

Bilder aus dem Micro-Bloggingdienst Twitter zeigen, wie der Hauptsitz der HDP im Bezirk Kartal von Istanbul verwüstet wurde.

Bis jetzt bekannte sich keine Gruppe zum Anschlag in Kayseri. Die Art des Angriffs weist allerdings laut Sicherheitsexperten auf die PKK hin. Der türkische Innenminister erklärte, der Angriff „wurde von einem Selbstmordattentäter ausgeführt“. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan verlautbarte in einer amtlichen Stellungnahme, dass alle Indikatoren auf einen „Angriff der separatistischen Terrororganisation hinweisen“. Damit wird gerne auf die in der Türkei verbotene und als terroristische Vereinigung gelistete Kurdische Arbeiterpartei, PKK, verwiesen.

Erdogan droht Europa mit Plan B an

Der in den USA-ansässige Korrespondent der türkischen Tageszeitung Sabah, Ragip Soylu, argumentierte über Twitter, dass die Eskalation auf den Straßen der Türkei mit dem Umstand zu erklären ist, dass „PKK-Selbstmordanschläge die türkische Gesellschaft spalten und immer mehr auch gewöhnliche Türken auf die Straßen treibt“. Der Sicherheitsanalyst Michael Horrowitz hingegen weist auf das Gewicht von Ultranationalisten hin, die jene Angriffe in der Spitze anführten.

Der renommierte Universitätsdozent und Kolumnist beim Online-Fachmagazin Al-Monitor, Metin Gürcan, bemerkte, dass es sich bei den Getöteten Soldaten in Kayseri um „unbewaffnete Wehrpflichtige handelte, die für das Wochenende in Stadt gehen wollten“. Das schreckte die Bevölkerung zusätzlich auf und deutet auf den Radikalisierungsgrad hin, den der Konflikt zwischen türkischen Staat und PKK eingenommen hat. Er warnte, dass die türkische Gesellschaft am Rande steht, die „Straßen brennen" zu lassen. PKK-Fürsprecher verteidigen den Anschlag. Ihrer Meinung nach handelt es sich bei den getöteten Soldaten um Mitglieder von Anti-Terroreinheiten, die im Südosten Anatoliens gegen die PKK operierten.

 

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