"Nach Aleppo auch Waffenstillstand für ganz Syrien" - Russland ermöglicht humanitären Korridor

"Nach Aleppo auch Waffenstillstand für ganz Syrien" - Russland ermöglicht humanitären Korridor
Die syrische Armee und Russland sorgen dafür, dass Rebellen, die sich zum Abzug aus dem befreiten Aleppo bereitfinden, die Stadt unbehelligt verlassen können. Der russische Präsident Putin will nun einen landesweiten Waffenstillstand herbeiführen.
Am Donnerstag brachten neun Konvois über 6.000 Menschen aus Ost-Aleppo in die Rebellen-Provinz Idlib. Die Hälfte der Evakuierten waren Kämpfer, so das russische Aussöhnungszentrum. Am Freitag forderte Präsident Putin einen landesweiten Waffenstillstand.

Neun bewachte Konvois, auch als "grüne Busse" bekannt, evakuierten 6.462 Menschen aus der umkämpften nordsyrischen Stadt. Über den humanitären Korridor flüchteten auch mehr als 3.000 Rebellen und 301 verwundete Zivilisten.

Die Video-Nachrichtenagentur Ruptly dokumentierte eine Evakuierung in der Nacht zum Freitag. Der Konvoi, bestehend aus grünen Bussen, führte Rebellen und deren Angehörige durch einen eigens eingerichteten Korridor. Dieser führte vom Bezirk Selahaddin im Osten der Stadt nach Raschidin am westlichen Stadtrand.

In Raschidin wurden die Passagiere in andere Busse gesetzt, die sie weiter in die Provinz Idlib brachten.

Russische Soldaten aus dem russischen Zentrum für Aussöhnung in Hmeimim begleiteten alle Passagierbusse und Ambulanzen. Vertreter des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes waren ebenso anwesend.

Um Sicherheit zu gewährleisten, wurden spezielle Sicherheitskontrollpunkte entlang des humanitären Konvois eingerichtet. Das russische Verteidigungsministerium überwacht mit Kamerasystemen und Aufklärungsdrohnen den Korridor, um Provokationen zu verhindern.

Auch die syrische Regierung wird die Sicherheit eines jeden Mitglieds militanter Gruppen sicherstellen, das bereit ist, Ost-Aleppo zu verlassen. Das geht aus einer amtlichen Mitteilung des russischen Aussöhnungszentrums hervor.

Aussagen des UN-Sondergesandten zu Syrien zufolge befinden sich noch immer 50.000 Menschen in Ost-Aleppo. Sie könnten in den kommenden drei Tagen aus der lange umkämpften Stadt heraustransportiert werden.

Nach Aleppo kommt Waffenstillstand für ganz Syrien

Am Freitag erklärte der russische Präsident Wladimir Putin, dass der nächste Schritt zur Beendigung des blutigen Bürgerkrieges in Syrien die Verhandlung über einen landesweiten Waffenstillstand ist. Am Rande seines Staatsbesuchs in Japan sagte Putin:

Der nächste Schritt nach Aleppo wird die Ausarbeitung eines Abkommens über einen kompletten Waffenstillstand für das gesamte Land sein.

Syrische Soldaten sichern nach der Befreiung von Palmyra im Juli 2016 die historischen Grabanlagen und Bauwerke.

In diesem Zusammenhang betonte Putin die Hilfe der Türkei, die als einer der größten Rebellen-Unterstützer gilt:

Wir verhandeln aktiv mit einer Vielzahl an Mitgliedern der bewaffneten Opposition unter Vermittlung der Türkei.

Moskau und Ankara wollen die Gespräche über ein Waffenstillstand für Syrien nicht mehr in Genf führen. Die auch als Friedensgespräche gehandelten Konsultationen sollen in Kasachstans Hauptstadt Astana stattfinden, berichtet die türkische Tageszeitung Yeni Safak.

Putins Bemerkungen kommen noch vor dem anstehenden Zusammentreffen des UN-Sicherheitsrates am Freitag. Das Treffen widmet sich auf Antrag von Frankreich den Entwicklungen in Aleppo. Paris ruft dazu auf, internationale Beobachter zur Überwachung der Evakuierung und Hilfslieferungen nach Aleppo zu entsenden.

Auch Vertreter der Europäischen Union versuchten am Donnerstag, Druck auf Russland auszuüben. EU-Präsident Donald Tusk räumte wenig später jedoch ein, dass der Euro-Block faktisch machtlos ist.