Türkischer Bürgermeister verteilt frauenfeindliche Broschüre: „Frauen dürfen geschlagen werden“

Türkischer Bürgermeister verteilt frauenfeindliche Broschüre: „Frauen dürfen geschlagen werden“
Eine Demonstration in Istanbul gegen die Regierung und frauenfeindliche Gewalt. 09.03.2014.
Die Verwaltung der türkischen Stadt Kütahya hat an neu Verheiratete eine Broschüre verteilt, die die Polygamie verherrlicht und Gewalt gegen Frauen rechtfertigt. Der Bürgermeister der Stadt ist Mitglied der islamistischen Regierungspartei AKP.

Das Berufsleben wirkt sich negativ auf die sexuelle Pflicht der Frau gegenüber ihrem Mann aus.“

"Eine Frau, die sich nicht für ihren Mann schminkt und die Herrschaft ihres Mannes nicht akzeptiert, kann geschlagen werden. Das erinnert sie daran, wer der Herr im Haus ist. Das ist wie eine Medizin.“

"Die Polygamie ist vorteilhaft.“

"Wenn der Herr des Hauses sich aufregt, muss die Frau des Hauses sofort schweigen, sich entschuldigen und um Vergebung bitten. Sie soll ihren Mann nicht verärgern.“

Nein, diese Zitate stammen nicht aus einem Lehrbuch des sogenannten Islamischen Staates oder der Taliban. Diese erschreckend frauenfeindlichen Sätze stehen in einer Broschüre namens „Ehe und Familienleben“, die die Stadtverwaltung von Kütahya an neuverheiratete Paare schenkt.  Der AKP-Bürgermeister Kamil Saracoglu hat sogar eine Widmung für die Broschüre verfasst.

Archivfoto

Ein ehemaliger Mitarbeiter der staatlichen Religionsbehörde verfasste die Schrift.

Neben mittelalterlichen Moralvorstellungen beinhaltet das Werk auch noch allerlei unwissenschaftlichen Unsinn:

Die Frau soll (beim Geschlechtsverkehr) nicht kalt und regungslos sein, als ob sie tot ist. Sie muss warm und beweglich sein. Durch ihr reizvolles Verhalten soll sie ihrem Mann Kraft und Zufriedenheit geben. Beim Geschlechtsverkehr muss auch die Frau begierig sein, weil (sonst) das Kind dämlich (sic) wird.“

Ein weiteres Beispiel der einleuchtenden Logik der Broschüre ist die Behauptung, dass die Kinder von Paaren, die beim Sex zu viel sprechen, stottern.

Hasan Caliskan, der Autor der Broschüre, beruft sich bei seinen wirren Aussagen auf den Koran und den Überlieferungen der Sprüche von Mohammed.

Eine Abgeordnete der oppositionellen Republikanischen Volkspartei (CHP), Fatma Kaplan Hürriyet, stellte während der Aussprache im türkischen Parlament zum Haushalt des Ministeriums für Familie und Soziales die Broschüre vor und verlangte, dass die Behörden eine Untersuchung gegen die Stadtverwaltung von Kütahya einleiten. 

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