Kurdenführer Aldar Xelil im Exklusiv-Interview: "Wir sind bereit für Verhandlungen mit Assad"

Kurdenführer Aldar Xelil im Exklusiv-Interview: "Wir sind bereit für Verhandlungen mit Assad"
Im Interview mit RT Deutsch weist der nordsyrische Kurdenpolitiker Aldar Xelil Vorwürfe zurück, die kurdischen Verbände würden eine Loslösung vom syrischen Staats anstreben.
RT Deutsch hat mit einem hochrangigen Vertreter der international nicht anerkannten Föderation Nordsyrien-Rojava über die türkische Intervention in Nordsyrien, den Kampf um Aleppo und Möglichkeiten einer diplomatischen Lösung des Krieges gesprochen.

von Dennis Simon

Aldar Xelil ist Vorstandsmitglied der Bewegung für eine demokratische Gesellschaft (TEV-DEM) und Vertreter der kurdischen Autonomiebehörden in Syrien. Angesprochen auf die Rolle, die Russland bei einer möglichen diplomatischen Lösung des Syrienkonfliktes spielen könnte, erklärte der Kurdenpolitiker, dass Russland starken Einfluss auf die syrische Regierung ausübt.

Kurdischer Protest an der syrisch-türkischen Grenze.

Russland kann das Regime auf die Linie des Kompromisses, des Dialogs ziehen. Wir sind dafür bereit. Wenn Russland Garantien gibt, wären wir schon morgen bereit, über eine politische Lösung zu verhandeln, nicht nur für ein bestimmtes Gebiet, sondern für ganz Syrien", sagte Xelil.

Der Kurdenführer dementierte zudem die vorwiegend vonseiten der Türkei erhobenen Vorwürfe, denen zufolge die syrischen Kurden versuchen, einen eigenen Staat zu errichten:

Wir möchten uns nicht von Syrien trennen. Wir verteidigen die Einheit Syriens. Wir suchen eine innersyrische Lösung.

Es benötige aber noch Zeit für eine solche Lösung, da die internationale Staatengemeinschaft noch keine einheitliche Position gefunden habe. Russland unterstütze eine derartige Lösung. Moskau habe entsprechend auch einige diplomatische Initiativen ergriffen.

Die Vereinigten Staaten würden sich auch bald für eine diplomatische Lösung entscheiden, meint Xelil. Der Krieg könne nicht für immer weitergehen.

Im Interview mit RT kritisierte der Präsident der Arabischen Republik Syrien, Baschar Al-Assad, die einseitige Reaktion des Westens auf den Angriff der Terrormiliz

Im Zusammenhang mit den jüngsten Entwicklungen rund um den Kriegsschauplatz betonte Xelil die strategische Bedeutung der Stadt Aleppo. Sie sei "die zweite Hauptstadt Syriens". Allerdings bedeute eine Einnahme der Stadt seitens der Regierungstruppen nicht, dass "der Krieg jetzt vorbei ist oder dass das Regime alle Gebiete kontrolliert. Die [radikalislamischen] Gruppen könnten eine andere Politik einschlagen oder in anderen Gebieten aktiv werden".

Der Vertreter der kurdischen Autonomiebehörden in Syrien dementierte, dass kurdische Einheiten bei der Befreiung der Stadt von den islamistischen Terrorgruppen mit der syrischen Armee kooperiert hätten. Es habe lediglich zeitgleiche Operationen gegeben. Die YPG habe die Gelegenheit genutzt, um ihrerseits weitere Viertel in der Stadt einzunehmen.

Das bedeutet aber nicht, dass die YPG mit der Armee zusammen kämpft.

Der türkische Präsident Erdogan beabsichtige durch die türkische Militärintervention in Nordsyrien den IS zu retten, meint Xelil.

Der IS kämpft jetzt in Mossul und al-Rakka. In al-Bab ist er eingekesselt. Die Türkei sieht das. Sie hat in Syrien interveniert, um ihm eine Lebensader zu ermöglichen.

Aus der geplanten Pipeline wurde nichts. Danach begann der Konflikt.

Darüber hinaus habe die türkische Regierung Angst davor, dass im Norden Syriens, an der Grenze zur Türkei, ein demokratisches System entsteht.

Erdogan ist gegen so ein demokratisches System. Er möchte ein islamisches Modell. Erdogan agierte dafür, dass die Muslimbrüder die Herrschaft übernehmen. Jetzt hat er gesehen, dass sich [in Syrien] alle Kräfteverhältnisse verändert haben. [Daher] intervenierte er in Syrien.

Die Türkei und Vertreter der mit dieser verbündeten Kurdischen Autonomieregierung im Nordirak werfen der in den nordsyrischen Kurdengebieten dominanten Demokratischen Unionspartei (PYD) und deren Volksverteidigungseinheiten (YPG) hingegen vor, selbst in den von ihnen kontrollierten Gebieten keine Opposition zu dulden.

Xelil verurteilte den Abbruch der zuvor seit Ende 2012 geführten Friedensgespräche zwischen der Regierung und der kurdischen PKK im letzten Jahr und forderte Erdogan auf, den Friedensprozess wieder einzuleiten.

Egal, wo Krieg herrscht, es ist schlimm. Keiner möchte Krieg. Wir teilen eine 900 Kilometer lange Grenze mit der Türkei. Wir möchten nicht, dass ein Krieg in einem unserer Nachbarländer herrscht. […] Wir hoffen, dass in der Türkei/Nordkurdistan eine Lösung gefunden werden kann, sonst wird dieser Krieg weiter eskalieren. Das wäre nicht gut. Aber das [kurdische] Volk wäre dazu gezwungen, weil ihm keine Alternativen gelassen worden wären.

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