Russischer Verteidigungsminister: Palmyra zeigt, dass man Terroristen keine Atempause geben darf

Russischer Verteidigungsminister: Palmyra zeigt, dass man Terroristen keine Atempause geben darf
Der russische Verteidigungsminister Sergei Schoigu
Die Terroristen des IS hatten eine Ruhephase der US-geführten Koalition genutzt, um eine Offensive auf Palmyra beginnen. Zudem verließen sie sich darauf, dass Russland keine Luftangriffe auf Wohngebiete fliegen würde, so das russische Verteidigungsministerium.

Der Rückschlag zeige, dass man Terroristen nicht die Gelegenheit geben dürfe, sich neu zu formieren, erklärte das Ministerium.

Der Islamische Staat hat einen möglichen Stillstand der militärischen Handlungen der USA und der internationalen Koalition in der Nähe von Rakka bis Frühling ausgenutzt und erhebliche Kräfte eingesetzt, um Palmyra zu stürmen", sagte am Montag der Sprecher des Ministeriums, Generalmajor Igor Konaschenkow.

Konaschenkow erklärte weiter, dass die Terroristen des Islamischen Staats (IS, früher ISIS/ISIL) gewusst hätten, dass die russische Luftwaffe keine Angriffe auf Palmyras Wohnviertel durchführen würde. Diese Situation habe die Terrormiliz "genutzt, um ihre Angriffe zu verstärken".

Nachdem sie aus dem irakischen Mosul kommend "ungehindert" in Deir-ez Zor und Rakka, Syrien, angekommen waren, bewegten sich demnach etwa 4.000 Terroristen mit schweren Waffen, Panzern und gepanzerten Fahrzeugen rasch in Richtung Palmyra, berichtete das Verteidigungsministerium.

In den letzten paar Tagen hätten Dschihadisten die syrischen Streitkräfte in der Nähe Palmyras mehrfach angegriffen, sagte Russlands Militärvertreter und fügte hinzu, dass die Offensive aus dem Norden, dem Süden und dem Osten begonnen wurde.

Während der Nacht hatten die IS-Terroristen Autos mit Sprengstoff und Selbstmordattentätern verlegt, um die Verteidigungslinien der syrischen Armee zu durchbrechen. Dabei gelang es ihnen, sich in Palmyras äußeren Vierteln festzusetzen, sagte das russische Ministerium in seiner Stellungnahme.

IS-Kämpfer haben Palmyra auf Fahrzeugen mit Sprengsatz und Selbstmordattentätern überfallen

"Mehr als 5.000 Extremisten haben an der Offensive teilgenommen", sagte Konaschenkow und betonte, dass es bis zum letzten Donnerstag nicht so viele IS-Kämpfer in Palmyra gegeben habe.

Es ist offensichtlich, dass die Terroristen, die sich in der Nähe Palmyras gesammelt hatten, sich sicher waren, dass es vorerst kein erneutes militärisches Vorgehen gegen sie in Rakka geben würde", führte der Sprecher weiter aus. 

Gleichzeitig stellte er fest, dass die Situation in Palmyra zeige, dass den IS-Kämpfern niemals eine "Pause" gewährt werden dürfe, da sie eine solche "zur Neuformation nutzen und überraschend zuschlagen" würden.

Die letzte Terroristenoffensive in Palmyra könnte zudem "orchestriert" worden sein, um die Kräfte von den Dschihadisten im östlichen Aleppo abzulenken, die dort eingekesselt sind und Zivilisten bedrohen, so der russische Außenminister Sergej Lawrow am Montag.

Lawrow sagte, er habe den Eindruck, dass die IS-Kämpfer aus Mosul nach Palmyra gekommen seien, wo die Offensive gegen sie intensiviert wurde. Sie seien anscheinend über Routen gekommen, die von der US-geführten Koalitionsluftwaffe "patrouilliert" würden, was "einen denken lässt, dass das Ganze orchestriert war".

Ich hoffe ich liege falsch", fügte Lawrow jedoch hinzu.

Mit seiner Verwunderung über die große Bewegungsfreiheit der Terrormiliz steht er hingegen nicht alleine.

Was eigentlich interessant ist, ist, dass die US-geführte Koalition, welche sehr mächtige Überwachungswerkzeuge besitzt, anscheinend dabei gescheitert ist, 4.000 IS-Dschihadisten zu bemerken, die sich mit all ihrer Ausrüstung, Lastkraftwagen und allem, auf den Weg nach Palmyra machten", sagte der ehemalige britische Botschafter in Syrien, Peter Ford, zu RT. 

Ford fügte hinzu, dass Washington und seine Verbündeten "nicht einen Finger hoben", um zu versuchen, die IS-Offensive zu stoppen.

Ich glaube nicht, dass man ein Genie sein muss, um zu erkennen, dass es Pläne gibt, die IS-Rebellen aus Mosul in Richtung östliches Syrien zu verlegen, und dies wird zum amerikanischen Narrativ passen, dass Assad das ländliche Syrien nicht kontrollieren könne und daher kein guter Verbündeter für den Kampf gegen den IS sei", erklärte Ford weiter.

Er fügte hinzu, dass "das Gegenteil der Fall" sei, da die Tausenden von Regierungssoldaten, die momentan in Aleppo gebunden sind, ihre Aufmerksamkeit auf den Kampf gegen den IS in Palmyra richten könnten, sobald sie "von diesen Pflichten befreit sind".

Ich denke, dies zeigt augenscheinlich, wie fluide und prekär die Situation immer noch ist in ganz Syrien. Nach fünf Jahren dieses ungewöhnlichen Bürgerkrieges mit seiner unermesslichen Menge menschlichen Leides und fortwährender Opfer als ein Ergebnis des Wirkens des IS und anderer Terrororganisationen zeichnet sich eines ab: Nicht nur ich, auch eine wachsende Anzahl an Menschen im Westen sind wirklich dazu entschlossen, von unseren eigenen Regierungen noch schärfer zu fordern, mit den Russen zu verhandeln, zu versuchen, stärker in kooperativer Weise zusammenzuarbeiten, um die Größe der Bedrohung, die vom IS ausgeht, zu verstehen, und zu versuchen, was auch immer möglich sei, um diese Bedrohung auszuschalten", äußerte der britische Abgeordnete Daniel Kawczynski, der ein Mitglied des Foreign Affairs Select Committee in Großbritannien ist, gegenüber RT.

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