Iran will Militärbasen in Syrien und Jemen bauen: "Sie sind zehnmal effektiver als Atombomben"

Iran will Militärbasen in Syrien und Jemen bauen: "Sie sind zehnmal effektiver als Atombomben"
Iran erwägt, Marinebasen an den Küsten von Jemen und Syrien zu errichten. Das hat der iranische Generalstabschef bei einer Sitzung von hochrangigen Marinekommandeuren gesagt. Diese Maßnahme würde eine „große abschreckende Wirkung“ haben.

Von Ali Özkök

„Eines Tages brauchen wir möglicherweise Militärbasen an den Küsten von Jemen und Syrien. Dafür sind Infrastrukturen nach dem internationalen Seerecht von Nöten“, zitierte die halbstaatliche iranische Nachrichtenagentur Tasnim Generalmajor Hussein Bakiri.

Die abschreckende Wirkung von Marinestützpunkte im Ausland „könnte zehnmal effizienter sein als Atomwaffen“, behauptete der Generalstabschef. Er betonte, dass die militärische Strategie Irans darauf gerichtet sein sollte, potenzielle Feinde daran zu hindern, das iranische Gebiet anzugreifen. Die Feinde müssen gezwungen werden, ihre Kriegsschiffe von der iranischen Küste fernzuhalten. Irans Konflikte sollen fernab von der Heimat im Ausland ausgefochten werden.

Er fuhr fort zu sagen, dass der Iran eine Flotte im Indischen Ozean brauche, die der iranischen Stationierung im Golf von Oman ebenbürtig ist. Bakiri forderte die Marine auf, ihre Geheimdienstaktivitäten aufzuwerten. Die Einheiten sollen sich verstärkt an Satelliten- und Cyberwar-Technologien bedienen. Außerdem müssen neue Drohnen entwickelt werden.

In diesem Zusammenhang sei Iran gezwungen die Infrastruktur der eigenen Marine auszubauen. Die eigenen Küsten würden Raum für mehrere Häfen bieten, sagte der Generalmajor. Seiner Meinung sollte die die Islamische Republik das russische Monopol brechen, als einziger Staat den zentralasiatischen Turkstaaten Zugang zu internationalen Gewässern zu ermöglichen.

Unterdessen versprach der oberste iranische Flotten-General, Admiral Habibullah Sayyari, beim Treffen, dass Iran seine Militärpräsenz in internationalen Gewässern erhöhen werde. Dies diene dem Ziel, Irans wirtschaftliche Interessen zu schützen und Macht zu demonstrieren.

Auf Anfrage von RT Deutsch bemerkte ein iranischer Experte mit Fokus auf Teherans Außenpolitik und Sitz in Istanbul, der namentlich allerdings nicht erwähnt werden wollte, es gäbe noch keine handfesten Pläne für den Bau iranischer Militärbasen im Jemen und Syrien.

Der Chefredakteur des Online Fachmagazins „IranAnders“, Shayan Arkian, bestätigte diese Aussage gegenüber RT Deutsch:

„Das ist derzeit Zukunftsmusik, zumindest hinsichtlich eines möglichen iranischen Marinestützpunkts im Jemen.“

Auf die Frage hin, welche Bedeutung eine iranische Marinebasis für den syrischen Konflikt haben könnte, erklärte Arkian:

„Was einen solchen in Syrien angeht, kommt ganz darauf an, was man als positiv definiert. Aber allein ein iranischer Marinestützpunkt in Syrien hätte auf die innersyrischen Kräfteverhältnisse erst einmal keine Auswirkungen. Iranische Kriegsschiffe in syrischen Gewässern bedürfen die Erlaubnis, den Sueskanal zu passieren.“

Der Iran-Experte gab sich optimistisch über das Potenzial der iranischen Marine. Er informierte:

Bildquelle: YPG Leak

„Es gibt einige US-Analysen, die die iranische Macht im und am Persischen Golf sowie in und an der schmalen Straße von Hormuz (wodurch etwa 40 Prozent des Weltölverbrauchs verschifft wird) als zumindest ernstzunehmenden Gegner einstufen - allein auch der Tatsache geschuldet, dass die Islamische Republik Iran den strategischen Vorteil hat, die längste Küste am Golf zu haben. Und die iranische Armeeführung verfolgt nicht erst seit kurzem das ehrgeizigen Ziel, in internationalen Gewässern außerhalb des Nahen Osten präsent zu sein.“

Der israelische Nahost-Analyst von der Denkfabrik Crisis Group, Ofer Zalzberg, läutete auf Nachfrage von RT Deutsch die Alarmglocken:

„Wenn Iran über eine Marinebasis in Syrien nachdenkt, dann weist es daraufhin, dass Teheran nicht nur eine zusammenhängende Landbrücke nach Beirut, wo die pro-iranische Hisbollah agiert, haben will, sondern auch Einfluss im Mittelmeer. Das wird die Spannungen zu Israel nochmals verschärfen. Auch könnte das die geplante israelische Erdgaspipeline in die Türkei in Frage stellen. Die Türkei jedoch ist  einflussreich im östlichen Mittelmeer und könnte nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Erwägungen Irans Ambitionen eindämmen wollen. Ein anderer Faktor für die iranische Entscheidung könnte der israelisch-libanesische maritime Grenzkonflikt sein. Unterhalb des Meeres der nicht definitierten Meeresgrenze befinden sich große Erdgasreserven. Das US-Energieunternehmen Nobel Energy versucht seit langem an Förderrechte ranzukommen. Eine iranische Involvierung in das Wettrennen um die Ausbeutung der Erdgasreserven wird es Nobel Energy nicht einfacher machen, Fuß zu fassen.“

Die Marine entsendete bereits 49 Flottillen in die verschiedensten maritimen Regionen, sagte der Admiral. Insbesondere „trägt Iran zur Sicherheit des nördlichen Indischen Ozeans bei und das ist ein wichtiges Symbol der Macht Irans“, berichtete Tasnim.

Admiral Sayyari führte an, dass iranische Kriegsschiffe 3,844 Handelsschiffe und Öltanker durch den Golf von Aden eskortiert haben. Die Eskorte soll die Handelsschiffe offiziell vor Übergriffen durch Piraten schützen und die Schwächung der iranischen Wirtschaft verhindern.

Anfang der Woche informierte die iranische Marine, dass sie eine Flotille zum ersten Mal in den Atlantik verlegte. Admiral Sayyari gab im Anschluss Pläne bekannt, wonach die iranische Flotte in Zukunft in verschiedenen Staaten stationiert werden solle. Darunter befinden sich Russland, China, Italien und Kasachstan. Ein genauer Zeitplan dafür ist nicht bekannt.

Am 22. November gab die iranische Regierung bekannt, dass das Militär seine maritimen Aktivitäten im Persischen Golf und im Golf von Oman mittels drei neuer Militärbasen ausbauen werde. Dabei beruft sich Teheran auf die vermeintliche Gefahr, die von somalischen Piraten ausgehe.

Bildquelle: SANA

Gegenwärtig decke die iranische Marine ein Seegebiet von 2,1 Millionen Quadratmetern ab. Sie operiere im Golf von Oman, Indischen Ozean und Kaspischen Meer, sagte Sayyari.

Die jüngste Bekanntmachung folgt einer Reihe von gefährlichen Zusammenstößen zwischen iranischen und US-amerikanischen Kampfschiffen in der Region. 2016 stieg die Zahl bereits auf 31, nachdem es 2015 noch 23 waren.

Iran unterstützt die schiitischen Huthi-Rebellen im Jemen, die den sunnitischen Präsidenten Abd Rabbu Mansour Hadi bekämpfen. Hadi wiederum wird von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten unterstützt. In Syrien steht Iran auf der Seite des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad im Kampf gegen eine ebenso sunnitische Opposition, die maßgeblich von der Türkei, Katar und Saudi-Arabien unterstützt wird.