"Gewalt am Arbeitsplatz": Jordanischer Infanterist tötet drei US-Sondereinsatzkräfte - CIA schweigt

"Gewalt am Arbeitsplatz": Jordanischer Infanterist tötet drei US-Sondereinsatzkräfte - CIA schweigt
Bei einem Schusswechsel auf einer jordanischen Militärbasis wurden drei dort tätige US-Spezialsoldaten getötet. Von einem Terroranschlag will bis dato keine Seite sprechen. Bildquelle: Navyseals.com
Am 4. November wurden auf einer jordanischen Militärbasis drei US-Spezialkräfte getötet. Unter Berufung auf einen Regierungsbeamten enthüllte die "Washington Post" am Samstag, die Soldaten seien Teil eines CIA-Trainingsprogramm für syrische Rebellen gewesen.

Alle drei Angehörigen der 5. Sondereinsatzgruppe aus Fort Campbell, Kentucky, sollen von einem jordanischen Soldaten getötet worden sein, als diese sich einem Kontrollpunkt vor der Prinz-Faisal-Luftwaffenbasis näherten. Das sagte ein US-Beamter, der anonym bleiben wollte. Die Luftwaffenbasis liegt unweit der südlichen jordanischen Stadt al-Dschafr, mehr als 150 Meilen von Amman entfernt.

Es ist bekannt geworden, dass es sich bei den Getöteten um drei US-amerikanische Unterstabsoffiziere mit den Namen Matthew Lewellen, Kevin McEnroe und James Moriarty handeln soll.

Der mutmaßliche jordanische Todesschütze wurde ebenso verwundet. Mehr konnte über ihn bislang nicht herausgefunden werden. Informationsquellen sprechen von einer Schießerei, die sich beide Seiten geliefert hätten. Laut einem Bericht der "Washington Times" gerieten die Soldaten in einen Hinterhalt.

Das Sondereinsatzkommando unterstützte gemeinsam mit insgesamt 2.000 US-amerikanischen Soldaten im Land die Anti-IS-Koalition in Syrien und im Irak. Einige dieser Spezialeinheiten werden "als mobile Artillerieeinheit an der jordanischen Grenze eingesetzt, während andere im Rahmen eines CIA-Programms syrische Oppositionskräfte ausbilden", schrieb die "Washington Post".

Auf Anfragen, ob der Zwischenfall in einem Zusammenhang mit der Mission der Soldaten in Syrien stehen könnte, hielt sich der Auslandsgeheimdienst der Vereinigten Staaten bedeckt. Die CIA lehnte es grundsätzlich ab, eine Stellungnahme zu der Schießerei abzugeben.

Was den Vorfall mit den US-Spezialeinheiten, der sich bereits vor mehr als einer Woche ereignet hatte, wirklich verursachte, ist unklar. US-amerikanische und jordanische Beamte machen unterschiedliche Berichte über den Hergang des Vorfalls.

Immerhin gab gerade der Inlandsgeheimdienst der USA, das FBI, bekannt, dass es die Möglichkeit eines terroristischen Angriffs nicht ausschließt. US-amerikanische Verteidigungsvertreter sprechen hingegen nur von einem Missverständnis am Eingang zur Luftwaffenbasis, das zum Tod von drei Einsatzkräften geführt haben soll.

Das sind aber nicht die einzigen merkwürdigen Angaben in diesem Zusammenhang: Es würde sich um "eine Verkettung unglücklicher Ereignisse" handeln, beteuerte ein Verteidigungsbeamter aus Jordanien.

Demnach kam es zu einer "unbeabsichtigten Entladung einer Waffe innerhalb eines amerikanischen Humvees, als sich der kleine Konvoi bereitmachte, in die Basis einzufahren". 

Weiter sei es dann wie folgt gegangen:

Während des Durcheinanders wurde begonnen, auf das US-Personal zu schießen. Einige der US-Soldaten stiegen aus dem Auto, um Deckung zu nehmen.

Das würde allerdings nicht erklären, warum die US-amerikanische Seite dann versuchte, jordanische Soldaten zu töten. Der anonyme jordanische Verteidigungsvertreter, den "Washington Post" befragte, behauptete - obwohl al-Dschafr weit entfernt vom syrischen Bürgerkriegsland liegt und deshalb kein Grund für eine solche Eskalation erkennbar ist:

Die Sicherheitslage war angespannt. Es gibt keine Beweise dafür, dass man die Amerikaner gezielt angreifen wollte.

Jordanien liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zu Syrien und dem Irak. Es ist stark abhängig von US-amerikanischen Militär- und Wirtschaftshilfen. Amman arbeitet traditionell eng mit den Geheimdiensten Washingtons zusammen.

Die "Washington Post" führt eine offenbar allseits genehme Erklärung für den dubiosen Vorfall an: Die Kooperation mit den USA mache Jordanien zum gern gesehenen Ziel für islamistische Terroristen. In der Vergangenheit kam es deshalb auch zu Rückschlägen für alle Beteiligten des Anti-Terrorkampfes. Bei einem Bombenangriff in Khost 2009 töteten Extremisten unter anderem einen jordanischen Geheimdienstler.

Die drei getöteten US-Soldaten eröffnen einen seltenen Blick auf die Praktiken der CIA, in alle Welt Truppen oder Spezialeinheiten für Geheimmissionen zu entsenden. Die 5. Sondereinsatzgruppe wurde 2013 nach Jordanien verlegt, um Mitglieder der vom Pentagon unterstützten syrischen Opposition auszubilden. Nachdem sich zahlreiche Kämpfer allerdings geweigert hatten, sich ausschließlich auf die Bekämpfung des IS zu fokussieren und die syrische Regierung außen vor zu lassen, wurde das Programm schließlich drastisch reduziert.

Während das Pentagon seine Aktivitäten herunterschraubte, erlaubt die CIA weiterhin ihren Kämpfern, sowohl gegen die syrische Regierung Baschar al-Assads als auch gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" vorzugehen.

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