USA räumen erstmals ein: Mindestens 119 getötete Zivilisten in Irak und Syrien

USA räumen erstmals ein: Mindestens 119 getötete Zivilisten in Irak und Syrien
Die US-Armee veröffentlichte jüngst eine Zwischenbilanz hinsichtlich ziviler Opfer im Zusammenhang mit Operationen der von Washington geführten Anti-IS-Koalition. Menschenrechtsorganisationen kritisieren diese als unvollständig.
Die US-Armee hat ein neues Gutachten über die Zahl ziviler Opfer durch Luftangriffe im Irak und in Syrien während der vergangenen zehn Monate freigegeben. Demnach seien dabei 64 Menschen ums Leben gekommen. Menschenrechtsorganisationen nennen höhere Zahlen.

"In allen Fällen, die wir heute veröffentlicht haben, wurden alle Vorsichtsmaßnahmen im Einklang mit den Gesetzen im bewaffneten Konflikt erwogen. Dennoch kam es zu zivilen Opfern", räumte Oberst John Thomas, Pressesprecher des US-Zentralkommandos, in einer amtlichen Mitteilung ohne nähere Angaben ein.

US-Luftwaffe bombardiert Mossul seit drei Tagen alle acht Minuten.

Die Vermeidung von Opfern unter der Zivilbevölkerung wäre nach wie vor eine "Schlüsselkomponente" der Anti-IS-Kampagne in Syrien und im Irak, betonte der Militärvertreter. Er bestätigte allerdings die Richtigkeit von Berichten über eine Handvoll tödlicher Luftangriffe gegen zivile Strukturen, die Washington zuvor medial und von Menschenrechtsorganisationen zur Last gelegt worden waren.

So wurden der Erklärung zufolge am 20. November vergangenen Jahres fünf Zivilisten im ostsyrischen Deir ez-Zor getötet, als diese sich im Zielgebiet eines US-amerikanischen Luftangriffs befunden hatten. Weitere zehn Zivilisten wurden am 5. März in der Nähe von Mossul im Nordirak getötet. US-Kampfjets hatten zuvor mutmaßlich eine Waffenproduktionsanlage der Terrormiliz "Islamischer Staat" ins Visier genommen.

Wir haben die neu gewonnenen Erkenntnisse verwendet, um die Wahrscheinlichkeit künftiger ziviler Opfer zu reduzieren", verteidigte Oberst Thomas insgesamt das Vorgehen der Streitkräfte.

Die jüngsten Informationen beinhalten nicht die Untersuchung eines Luftangriffs der Anti-IS-Koalition Mitte Juli in der Nähe von Manbidsch, einer Stadt im Gouvernement Aleppo, der nach den Berichten einiger Medien Dutzende Zivilisten tötete. Das Militär informierte jedoch, die Untersuchung wäre fast abgeschlossen.

Steckt hinter dem Video aus Bagdad tatsächlich eine besonders stümperhaft ausgeführte False-Flag-Aktion?

Bildquelle: Screenshot YouTube

Ein weiterer Pressesprecher des US-Zentralkommandos, Major Josh Jacques, erklärte, die Ergebnisse der letzten Erhebungen ließen die Zahl der zivilen Todesopfer der gesamten US-geführten Anti-Terror-Kampagne auf mittlerweile 119 ansteigen.

Washingtons Einschätzungen stehen dabei allerdings im Widerspruch zu Angaben, die von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International im vergangenen Monat gemacht worden waren. Demnach seien bei nur elf Luftangriffen der Anti-IS-Koalition in Syrien bereits über 300 Zivilisten getötet worden.

Wir befürchten, dass die US-geführte Koalition den Schaden erheblich unterschätzt, den sie an der Zivilbevölkerung in Syrien verursacht", sagte Lynn Maalouf, stellvertretende Direktorin von Amnesty im Regionalbüro Beirut.

Auch andere NGOs, die sich mit dem Thema ziviler Opfer des Antiterrorkampfes beschäftigen, sprechen von unvollständigen Angaben, die seitens der US-Armee gemacht würden.

Allein die Tatsache, dass sie von 'zwischen 24 und 60+' Todesopfern im Irak und Syrien sprechen, zeigt, dass sie beim Kampf gegen den Islamischen Staat nicht präzise sind", sagte Abayomi Azikiwe, Chefredakteur des Pan-African News Wires, gegenüber RT. "Der Augenblick zur Veröffentlichung der Zahlen wurde vom Pentagon geschickt gewählt, da das Volk mit dem Ausgang der Präsidentschaftswahlen beschäftigt ist. Diese Frage wird in dieser Situation überhaupt nicht diskutiert."

Die US-geführte Intervention gegen den IS begann am 15. Juni 2014 im Irak. Sie geht auf den Befehl des amtierenden US-Präsidenten Barack Obama zurück, in Reaktion auf die großen Geländegewinne des IS US-Truppen im Irak zu stationieren. Im September 2014 wurden die Operationen auf Syrien ausgeweitet. Washington holte seinerzeit jedoch keine offizielle Erlaubnis vonseiten der syrischen Regierung in Damaskus ein.

In den Gebieten in und um Mossul, die Iraks Armee und die Koalitionstruppen dem IS abnehmen konnten, treten bislang unentdeckte Gräueltaten der Terrormiliz zutage.

Die vonseiten der Armee genannten Opferzahlen berücksichtigen auch noch keine zivilen Todesopfer, die aus den laufenden Operationen gegen den IS in Mossul hervorgehen. Das russische Militär kritisierte scharf, die US-geführte Koalition habe seit Beginn der Offensive im Oktober mehrere Wohngebiete in und um Mossul herum angegriffen. Russland präsentierte in diesem Zusammenhang Satellitenaufnahmen, welche die Wirkung der verheerenden Luftattacken illustrieren.

Während die Offensive im Zentrum der Stadt in derzeit immer mehr in einen Häuserkampf übergeht, haben humanitäre Organisationen ihre Bedenken dahingehend geäußert, dass die Feindseligkeiten vonseiten der Zivilbevölkerung einen hohen Tribut fordern. Mossul ist die zweitgrößte Stadt des Irak nach Bagdad.