IS-Massengrab mit 100 Leichen - Kämpfe im Inneren von Mossul

IS-Massengrab mit 100 Leichen - Kämpfe im Inneren von Mossul
In den Gebieten in und um Mossul, die Iraks Armee und die Koalitionstruppen dem IS abnehmen konnten, treten bislang unentdeckte Gräueltaten der Terrormiliz zutage.
Die irakische Armee hat am Montag ein Massengrab mit etwa 100 enthaupteten Leichnamen in einer Schule südlich von Mossul entdeckt. Die Armee führt zurzeit eine Offensive zur Befreiung der zweitgrößten irakischen Stadt von der Terrormiliz IS durch.

Irakische Soldaten entdeckten die Leichen in einer Landwirtschaftsschule der Stadt Hammam el-Alil. Von den meisten Toten seien nur noch die Skelette übrig, zitierte die Nachrichtenagentur AP den Pressesprecher des irakischen Militärs, Brigadegeneral Yayha Rasool.

Angesichts des fortschreitenden Verwesungsprozesses sei nicht mehr festzustellen, ob es sich bei den Leichen um Soldaten oder Zivilisten handle, fügte der Brigadegeneral hinzu. Ein Forensik-Team aus Bagdad soll inzwischen das Gelände der Schule untersuchen und an den Leichen Tests durchführen, um den Fall aufzuklären.

Die Terroristen des "Islamischen Staates" und alle, die an den Gräueltaten in Hammam el-Alil beteiligt waren, sollten zur Verantwortung gezogen werden, forderte der Pressesprecher der Vereinten Nationen, Stephane Dujarric.

Das Einzige, was wir tun können, ist es, diese Gräueltaten zu verurteilen. Wir hoffen, dass die militärischen Operationen gegen den IS bald vorbei sind und dass dies alles im Einklang mit dem Völkerrecht und den Menschenrechten erfolgt.

Auf diese Weise sollen die Menschen ihr Leben wieder normalisieren können. Es gibt keinen Zweifel daran, dass diejenigen, die diese unmenschlichen Verbrechen begangen haben, dafür verantwortlich gemacht werden sollten", sagte Dujarric.

Er fügte hinzu, dass die Vereinten Nationen über die gegenwärtige humanitäre Lage in Mossul sehr besorgt seien.

Bereits im Juni dieses Jahr hatten irakische Truppen ein weiteres Massengrab mit den Überresten von beinahe 400 Menschen gefunden. Irakische Sicherheitskräfte machten die Gräber in Falludscha ausfindig. Medienberichten zufolge tötete der IS die meisten seiner Opfer in der Zeit zwischen 2014 und 2015 durch Kopfschüsse.

Die IS-Hochburg Mossul wird derzeit von der irakischen Armee, den kurdischen Peschmerga, Schiiten-Milizen und türkischen Expeditionskräften von zwei Fronten belagert. Die US-geführte Anti-IS-Koalition unterstützt die multinationale Offensive.

Die Eindrücke aus dem Nordirak erinnerten an  "Schlächtereien aus dem Mittelalter", kommentierte die Pressesprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, die Art und Weise, wie die irakische Bevölkerung von den IS-Terroristen, aber auch der US-geführten Anti-IS-Koalition behandelt werde. Die Luftangriffe der Koalition würden immer wieder einen hohen Blutzoll unter Zivilisten fordern.

Das UN-Büro für die Koordinierung von humanitären Angelegenheiten sagte am Sonntag, dass wegen der Kämpfe bislang bereits 34.000 Iraker ihre Häuser verlassen mussten. Die meisten Menschen wurden in temporäre Unterkünfte gebracht. Noch immer werde rund eine Million Zivilisten in Mossul festgehalten. Der IS töte jeden, der versuche, aus der Stadt zu fliehen.

Allmählich beginnen sich die Kampfhandlungen zwischen den Koalitionstruppen und der Terrormiliz ins Stadtinnere zu verlagern. Obgleich die Offensive auf Mossul noch nicht in die Phase der intensiven Häuserkämpfe übergegangen ist, haben internationale humanitäre Organisation bereits große Bedenken darüber geäußert, dass die Feindseligkeiten die Zivilbevölkerung enormen Gefahren aussetzen werden.