"Es brennt sich durch das Fleisch" - Amnesty warnt vor Phosphor-Einsatz in Mossul

"Es brennt sich durch das Fleisch" - Amnesty warnt vor Phosphor-Einsatz in Mossul
Gibt es neben "guten" und "bösen" Bomben nun auch "gute" und "böse" Chemiewaffen? Amnesty International kommt hinsichtlich dieser Frage möglicherweise zu anderen Antworten als führende deutsche Zeitungsredaktionen.
Die US-geführte Anti-IS-Koalition hat bei der Offensive auf Mossul im Nordirak Weißen Phosphor eingesetzt. Dies behauptet die Menschenrechtsorganisation Amnesty International. Die chemische Waffe stellt eine ernste Gefahr für die Zivilbevölkerung dar.

Die Munition verursacht im Kontakt mit der Haut tiefgreifende Verbrennungen, die sich bis zum Knochen durchfressen, warnte eine Vertreterin der Menschenrechtsorganisation Amnesty International im Gespräch mit RT.

Während irakische Streitkräfte Weißen Phosphor als nützliches Hilfsmittel im Kampf gegen den IS feiern, kritisieren Experten den Einsatz der Chemiewaffe als besonders unmenschlich. Die Krisenreaktionsberaterin von Amnesty International, Donatella Rovera, bemerkte, dass der Phosphor unter der Bevölkerung, die in Mossul und der Region um die umkämpfte Großstadt festsitzt, schwere Schäden anrichten könne.

Der Krieg treibt die Zivilbevölkerung auf die Straßen. Die Menschen werden versuchen, aus der Stadt zu fliehen, wobei sie die Straßen nach Osten in das kurdische Peschmerga-Gebiet nutzen könnten. Auf diesen Straßen finden sich Reste der gefährlichen Phosphor-Munition wieder, die oft am Boden weiterbrennt. Demnach werden die Zivilisten indirekt von einer Gefahrenlage in die nächste gedrängt.

Wir sind uns dessen bewusst, dass die Zivilbevölkerung enormen Risiken durch den IS ausgesetzt ist. Sie ist inmitten der Kämpfe gefangen. Es gibt Minen, die der IS ausgelegt hat. Aber unsere Hauptsorge ist, dass Zivilisten, die Mossul gen Osten verlassen, durch Phosphor-Munition verletzt werden können", sagte Rovera.

Weißer Phosphor kann in Berührung mit der Haut schwere bis unheilbare Verbrennungen hinterlassen, erklärte sie.

Die Amnesty-Expertin stellte fest, dass die Verwendung der toxischen Waffe anscheinend gerechtfertigt sei, aber die Art und Weise, wie sie verwendet werde, löse große Besorgnis aus.

Weißer Phosphor wurde bisher nicht in zivilen Gebieten eingesetzt. Unser Anliegen betrifft die Möglichkeit, dass Zivilisten durch eben jene militärischen Gebiete marschieren werden, die durch den Phosphor kontaminiert sind", fügte sie hinzu.

Bildquelle: Islamischer Staat

Nachdem die Menschenrechtsbeobachter von Amnesty am Freitag die Nachricht erreicht hatte, dass die irakische Armee Phosphor in und außerhalb von Mossul, der zweitgrößten Stadt des Irak, verwendete, forderten sie Bagdad und dessen US-unterstützte Alliierte auf, die Angriffe mit Phosphor unverzüglich einzustellen. "Es war absolut notwendig", bemerkte die NGO in einer öffentlichen Mitteilung hinsichtlich der eigenen Intervention.

Auf Anfrage, ob Amnesty International auch über die Möglichkeit besorgt sei, dass chemische Waffen in die Hände des IS fallen könnten, antwortete Rovera, es gebe noch keine Hinweise auf eine solche Entwicklung.

"Das wäre ein völlig anderes Szenario", kommentierte Rovera. Die NGO konzentriere sich gegenwärtig ausschließlich auf die Sicherheit der Bevölkerung Mossuls.

Wir müssen sicherstellen, dass Weißer Phosphor in einer Weise verwendet wird, dass dieser keine Gefahr für die Zivilbevölkerung darstellt", betonte sie.

Die irakischen Streitkräfte, die von verbündeten Milizen und der US-geführten Anti-IS-Koalition begleitet werden, haben am 17. Oktober eine Offensive zur Befreiung Mossuls vom "Islamischen Staat" gestartet. Rund 100.000 Menschen wurden seither durch die anhaltenden Kämpfe vertrieben. Die Vereinten Nationen zitieren Berichte, wonach IS-Kämpfer "zehntausende" Zivilisten als Geiseln genommen hätten. Sie dienen der Terrormiliz als "menschliche Schutzschilde".

Obwohl Weißer Phosphor von einigen Armeen verwendet wird, ist die Legalität seines Einsatzes umstritten. Waffenexperten und Menschenrechtsgruppen sind sich weithin dahingehend einig, dass die Waffe "besonders rücksichtslos und gefährlich für Zivilisten ist", sagte Charles Shoebridge, ein ehemaliger Militär- und Geheimdienstoffizier, im September im Interview mit RT. "Die Waffe ist gefürchtet, wenn sie gegen feindliche Truppen eingesetzt wird."

Die Befreiung Mossuls vom

Weißer Phosphor brennt, wenn er in Kontakt mit der Luft kommt. Und beim Kontakt mit Wasser hört er nicht sofort auf zu brennen. Er brennt sich durch die Haut und Knochen. Die Verletzungen heilen nur sehr schwer und führen nicht selten zum Tod", führte Shoebridge aus.

Weißer Phosphor kommt sehr gut bei der Bekämpfung von Kräften zur Wirkung, die sich in Bunkern verstecken. Der Phosphor konsumiert jenen Sauerstoff, den auch die Truppen in ihren Verstecken benötigen. Das führt dazu, dass sich die Einheiten aus ihrer Deckung begeben müssen.

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