Neuer Versuch: Großbritannien startet Ausbildungsprogramm für "moderate" Rebellen in Syrien

Neuer Versuch: Großbritannien startet Ausbildungsprogramm für "moderate" Rebellen in Syrien
Die britischen Streitkräfte überprüfen derzeit potenzielle Teilnehmer an einem neuen Trainingsprogramm für die "Freie Syrische Armee". Bildquelle: British Army
Bereits mehrere US-Ausbildungsprogramme für so genannte "moderate" Rebellen in Syrien fanden ein blamables Ende. Nun wollen sich die Briten daran versuchen. Unterdessen flammen Kämpfe zwischen protürkischen und YPG-Einheiten im Norden des Landes auf.

Trotz bereits mehrfach gescheiterter Versuche der USA, "moderate" Milizionäre im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" in Syrien aufzubauen, baut nun das britische Außenministerium ein neues Ausbildungsprogramm für syrisch-arabische FSA-Einheiten auf. London entsendet 20 Militärberater in den Nahen Osten, um die angekündigte Offensive auf die IS-Hauptstadt Rakka zu unterstützen.

Am Dienstag teilte der Verteidigungsminister von Großbritannien, Michael Fallon, mit, dass London das Ausbildungsprogramm für die Freie Syrische Armee wiederaufnehmen werde.

Beim Ministertreffen zur Bekämpfung der Terrormiliz "Islamischer Staat" in der französischen Hauptstadt sagte Fallon, bis zu 20 Militärberater Großbritanniens werden an Standorten in der Region, aber außerhalb von Syrien, verlegt, um "verlässliche Angehörige von moderaten syrischen Oppositionsgruppen mit Fähigkeiten auszustatten, die diese benötigen, um den Kampf gegen den IS fortzuführen".

Nach Informationen des britischen Nachrichtenportals The Telegraph werden die Ausbilder in der Türkei sowie in Syrien stationiert.

Bildquelle: army.mil

Der IS ist auf dem Rückzug. Die Royal Air Force spielt bereits eine führende Rolle in der Luft und trifft den IS im Irak und in Syrien hart", bemerkte der Verteidigungsminister. "Jetzt verstärken wir unsere Hilfe, indem wir moderate Oppositionskräfte außerhalb Syriens mit Fähigkeiten ausstatten, die diese brauchen, um den IS endgültig zu schlagen."

Die Ausbildung werde auf grundlegende Infanterie-Taktiken, Befehls- und Kommandofähigkeiten, explosives Gefahrenbewusstseinstraining (HEAT) und eine medizinische Ausbildung fokussiert, erklärte der oberste britische Verteidigungsbeamte.

Fallon stellte fest, dass seine Ankündigung auf Wunsch der USA komme, die um Unterstützung baten. Washington startete ein neues Ausbildungs- und Ausrüstungsprogramm für syrische Rebellen im Juli 2016, nachdem erst im Oktober 2015 ein vorhergehendes kläglich gescheitert war.

Das neue Ausbildungsprogramm der USA sieht diesmal – anders als 2015 – lediglich das Training von Rebellen-Kommandeuren vor. Normale Infanteristen sind vom Programm ausgeschlossen.

US-Präsident Barack Obama hatte im Vorjahr ein 500 Millionen US-Dollar schweres Programm eingestellt, das der Anti-IS-Koalition ursprünglich 15.000 Kämpfer für Offensiven gegen die Terrormiliz beisteuern sollte. Im Ergebnis wurde nur eine Handvoll von Kämpfern ausgebildet, die allerdings unmittelbar nach ihrem Übertritt auf syrischen Boden von extremistischen Kräften überrannt wurden. Der ehemalige syrische Ableger der al-Qaida, die al-Nusra-Front, plünderte dabei das zum Teil schwere Kriegsgerät der US-gestützten Rebellen.

US-Militärberater hatten bereits von vornherein ernste Probleme, Rebellen zu finden, die den Sicherheitsanforderungen genügten – in anderen Worten: "moderat" genug waren –, und zusätzlich bereit waren, in Camps zu gehen, die nicht an der syrischen Front lagen. Die Rebelleneinheiten insistierten darauf, auch Kräfte des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad anzugreifen, was aber nicht vorgesehen war. Die Begeisterung für das US-Programm hielt sich folglich in Grenzen.

Das britische Verteidigungsministerium verspricht in einer Erklärung, dass diesmal "alle Freiwilligen der Opposition strengen Prüfverfahren unterzogen werden und eine Ausbildung im Rahmen des humanitären Völkerrechts erhalten". Ob sich das neue Programm einer größeren Nachfrage als vorhergehende erfreuen wird, ist fraglich.

Aus Sicht von Rebellen in Syrien markiert dieser Schritt lediglich die Wiederaufnahme des abgebrochenen Ausbildungsprogramm. Sie seien enttäuscht, dass es keine größere Unterstützung mit schwereren Waffen und Luftunterstützung geben wird, schreiben oppositionelle syrische Medien.

Das widerspricht Aussagen der USA, denen zufolge noch während der laufenden Offensive auf die IS-Hochburg im nordirakischen Mossul eine zweite Front gegen den IS in Syrien eröffnet werden soll.

Wir haben bereits die Grundlage dafür gelegt, die Isolation von Rakka einzuleiten", sagte Pentagon-Chef Ash Carter bei einer Pressekonferenz mit seinem französischen Amtskollegen Jean-Yves Le Drian.

Nichtsdestotrotz bleibt die Möglichkeit bestehen, dass diesmal eine Kooperation mit der Türkei die Nachfrage nach einem Ausbildungsprogramm des Westens stimulieren könnte. Ankara, das als größter Unterstützer syrischer Rebellen gilt, startete im August eine eigene Militärintervention unter dem Namen "Schutzschild des Euphrat" in Nordsyrien gegen die Terrormiliz IS, die um Operationen gegen die PKK-nahen Milizen der YPG ergänzt wurde. Die Gefahr einer Eskalation infolge möglicher Konfrontationen mit Kräften der syrischen Regierung bleibt trotz einer zumindest indirekten Verständigung mit Moskau bestehen.

Erst vergangene Woche kam es zu heftigen Zusammenstößen zwischen der pro-türkischen FSA und Kämpfern der YPG in der nordsyrischen Ortschaft Tel Rifaat. Die von der Kurden-Organisation kontrollierte Region nördlich von Aleppo-Stadt, das von der syrischen Armee belagert wird, wird von Analysten als wichtige Pufferzone zwischen pro-türkischen Truppen und der al-Assad-Armee bewertet. Sollte diese Zone in absehbarer Zeit fallen, sind Zusammenstöße mit regionalem Eskalationspotenzial zwischen FSA und Regierungstruppen nicht auszuschließen.

Rund 500 britische Soldaten bilden gegenwärtig zudem kurdische Peschmerga und arabische Sicherheitskräfte im Irak aus. Die Einheiten unterstützen die laufende Offensive auf Mossul.

 

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